Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.09.2019


Bezirk Kufstein

Almabtrieb in Kufstein: Kulinarik und Kunst statt Kuh-Laufsteg

Der Almabtrieb durch die Festungsstadt am Samstag war der letzte, verkündeten die Bauern. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Nach 29 Jahren trieben die Bauern am Wochenende ihre Kühe offenbar zum letzten Mal durch die Festungsstadt.

© HrdinaNach 29 Jahren trieben die Bauern am Wochenende ihre Kühe offenbar zum letzten Mal durch die Festungsstadt.



Kufstein – Es ist ein Spektakel, das Erwachsene und Kinder gleichermaßen an die Straßenränder lockt, wenn die bunt geschmückten Rinder im Herbst wieder von den Almen heimkehren. Kritiker stellen dabei gern die Frage in den Raum, ob es sich hierbei um gelebte Tradition oder eine Inszenierung für Touristen auf Kosten der Tiere handelt – wurde manche Herde doch tagelang durch Dörfer getrieben, nur um die Schaulustigen zu beglücken.

Diese Debatte stellt sich in Kufstein vorerst nicht mehr. Der Almabtrieb durch die Festungsstadt am Samstag war der letzte, verkündeten die Bauern. Die Gründe dafür sind vielfältig, reichen von den für die Landwirte zu hohen Tourismusabgaben für die Alm- und Nebengebäude über die Problematik, überhaupt ein für alle passendes Datum zu finden, bis hin zu Behauptungen von Schäden an Autos, die die Kühe verantwortet haben sollen.

Die Tränen über das Aus des Almabtriebes halten sich beim Kufsteiner Tourismusverband in Grenzen. „Wir diskutieren schon seit Jahren, ob wir das weiter machen wollen“, erklärt TVB-Direktor Stefan Pühringer. Auch das Tierwohl sei als Argument gegen die Veranstaltung aufgepoppt: „Normalerweise würden die Bauern den Weg durch die Stadt ja gar nicht gehen.“

Die Zusammenarbeit mit den Bauern schätze man allerdings und wolle diese aufrechterhalten, sagt der Kufsteiner Tourismuschef. Es werde in der Stadt weiterhin ein Herbstevent geben rund um die Themen Kulinarik und Tradition.

Schlimmer bewertet Tiroler NEOS-Clubchef Dominik Oberhofer die Causa. Er sieht sich in seinem Vorschlag, den Tiroler Tourismus auf neue Beine zu stellen, bestätigt. „Wir müssen endlich über ein neues Konzept in der Finanzierung diskutieren, weil selbst die Tiroler Bauern auf die Barrikaden gehen und Almabtriebe absagen.“

Oberhofer verweist dabei auch auf Österreichs Bauernbund-Präsidenten Georg Strasser, der selbst schon „gravierende Missstände in der Finanzierung des Tourismus ortet“ und fordert die schwarz-grüne Regierung zum Handeln auf. (jazz, TT)