Letztes Update am Fr, 04.10.2019 06:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Tourentipp

Tour zur Gatterspitze in Kartitsch: 450 Stufen bis zum Gipfelsieg

Die Gatterspitze (2430 Meter) ist ein ziemlich unbekanntes Gipfelziel hoch über Kartitsch. Wer die Ruhe sucht, wird nach 1000 Höhenmetern und drei Stunden Gehzeit im Aufstieg dort oben sicherlich fündig.

Am Gipfel der Gatterspitze erwartet ein großes Gipfelkreuz den Bergsteiger.

© flexAm Gipfel der Gatterspitze erwartet ein großes Gipfelkreuz den Bergsteiger.



Kartitsch – Wer auf der Drautalstraße (B100) von Italien kommend in Richtung Lienz unterwegs ist und in Tassenbach nach rechts abzweigt, erreicht nach fünf Kilometern über die so genannte „Monegge“ Kartitsch. Knapp 800 Einwohner zählt das kleine und ziemlich weit verstreute Dorf mit seinen unzähligen Weilern auf 1356 Metern Seehöhe. Ein paar Gasthäuser und Hotels, ein kleines Lebensmittelgeschäft, das Gemeindeamt und die Kirche zieren dabei das Ortszentrum.

Nach Kartitsch führt diese Woche auch unser Wandertipp. Und zwar hinauf zur Gatterspitze (2430 Meter), welche man am besten und schnellsten durch das Winklertal erreicht. Im Gegensatz zu den unzähligen Spitzen des Karnischen Höhenweges ist die Gatterspitze, obwohl sie nur unweit dieses bekannten Wanderweges an der Grenze zu Italien liegt, ein sehr selten frequentiertes, aber ungemein aussichtsreiches Tourenziel.

Die rote Linie zeigt den Aufstiegsweg: vom Obstanser Boden bis zum Gipfel der Gatterspitze.
Die rote Linie zeigt den Aufstiegsweg: vom Obstanser Boden bis zum Gipfel der Gatterspitze.
- flex

So kommt man hin: Direkt im Ortskern führt die Anreise (noch mit dem Auto) nach rechts in Richtung Winkler­tal. Vorbei am Hotel Waldruhe und kurz steil bergauf liegt im Wald eingebettet der Ausgangspunkt unserer Tour, der Sportplatz Kartitsch. Parkplätze stehen dort kostenfrei zur Verfügung. Vom Parkplatz folgen wir dem breiten und einfachen Forstweg, der auch in Richtung Obstansersee-Hütte führt, hinein bis zum Talschluss des Winklertales.

Der weitere Aufstieg wird nun steiler, schmäler und auch steiniger, bleibt aber einfach. Ein Drahtzaun grenzt die ziemlich steil abfallenden Felswände ab. Über das „Kesselloch“, so wie die Einheimischen den in Fels geschlagenen Steig bezeichnen, bringt uns der Anstieg Höhenmeter für Höhenmeter nach oben. Die unzähligen Holzstufen (ca. 450!), über die es dabei hinaufgeht, sind etwas mühsam, stellen aber nicht wirklich ein Problem dar. Neben bzw. unter uns stürzt sich der Obstanser Wasserfall tosend in die Tiefe des Winklertales.

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Und über Holzstufen geht es auch weiter, bis wir nach etwa 1,5 Stunden Gehzeit vom Parkplatz aus den weitläufigen und flachen Obstanser Boden und die Prinz-Heinrich-Kapelle erreichen. Bis vor Jahren wurden die Bergwiesen des Obstanser Boden im Sommer noch gemäht. Im Winter zogen die Bauern das Heu auf Holzschlitten und in zum Teil sehr waghalsigen Manövern ins Tal. Ab und zu auch „leider“ mit tragischem und tödlichem Ausgang.

Bevor wir die Wegbeschreibung hinauf zu unserem Gipfel fortsetzen, sei noch die Prinz-Heinrich-Kapelle genauer erwähnt: Sie wurde 1916 in Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg gelegene Front, besonders aber an Major Prinz Heinrich von Bayern, gebaut. Mehrmals wurde sie renoviert, im Jahre 1987 nach altem Vorbild und in Schindelbauweise komplett neu errichtet.

Nach den 450 Stufen erreicht man die Prinz-Heinrich-Kapelle, die 1916 errichtet worden ist.
Nach den 450 Stufen erreicht man die Prinz-Heinrich-Kapelle, die 1916 errichtet worden ist.
- flex

Zurück zur Tour. Die kurze Pause nach den vielen Holzstufen hinauf zum Obstanser Boden kam gerade recht und wir setzen unseren Aufstieg fort. Wir wandern noch ein Stück den flachen Boden hinein. So weit, bis wir rechts auf ein paar Hütten („Schupfen“) treffen. Direkt vor der Brücke und bei den „Schupfen“ zweigen wir nach rechts (Hinweisschild: Gatterspitze) ab.

Über sanftes Almengelände gewinnen wir rasch an Höhe und erreichen die nächste kleine Hütte mit Kamin. Diese Hütte dient dem Viehhirten während der Sommermonate als Zuhause. Das Gipfelkreuz der Gatterspitze haben wir längst in Sichtweite. Entlang der rot-weiß-roten Markierung dreht unsere Aufstiegsrichtung in einer leichten Rechtskurve von West nach Nord. Das Gipfelziel jetzt noch zu verfehlen, ist schier unmöglich. Lediglich bei Nebel und schlechter Sicht kann es problematisch werden.

Tourentipp online

Den Track für die Tour finden Sie unter https://go.tt.com/2oNT2nH>

Geschafft, die Gatterspitze ist nach gut 1000 Höhenmetern im Aufstieg und einer Gehzeit von drei Stunden erreicht. Atemberaubend ist nicht nur der Tiefblick über die senkrecht abfallende Felswand nach Kartitsch, sondern auch das Panorama in Richtung Lienzer Dolomiten und zu den Hohen Tauern mit Großglockner und Großvenediger. Wir genießen bei herrlichem Herbstwetter das bunte Ambiente, bevor es wieder zurückgeht.

Entweder man steigt entlang der Aufstiegsroute ab oder man folgt ab der Hirtenhütte dem Weg (Wegweiser) zur Obstansersee-Hütte und steigt von dort zum Obstanser Boden und ins Tal ab. Fazit: Den Karnischen Höhenweg kennen viele, die nicht weit davon entfernte Gatterspitze hingegen nicht. Wer also ein stilles, aber lohnenswertes Plätzchen abseits des bekannten Weitwanderweges sucht, wird mit der Gatterspitze definitiv fündig. (flex)

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