Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Tourentipp

Der Tullen im Villnösstal: Welterbe über den Wolken

Der Wandertipp führt diese Woche nach Südtirol. Auf den Tullen im Villnösstal – eine Bergtour im Naturpark Puez-Geisler mit Blick auf die imposanten Felstürme der Geislerspitzen.

Fast während des gesamter Tour hat man die markanten Geislerspitzen im Blickfeld.

© flexFast während des gesamter Tour hat man die markanten Geislerspitzen im Blickfeld.



Zans – Der Naturpark Puez-Geisler ist einer der acht Naturparks Südtirols und gehört zum Unesco-Welterbe Dolomiten. Mit einer Gesamtfläche von 10.722 Hektar umfasst er, wie der Name schon sagt, die bekannte Geisler- und Puezgruppe. Der Naturpark erstreckt sich von Gröden in das Villnösstal und bis nach Alta Badia. Die beiden höchsten Erhebungen sind mit 3025 Metern der Sass Rigais und der Furchetta in den unverkennbaren und markanten Geislerspitzen. Und dort geht diese Woche auch unser Tourentipp hin. Zwar nicht hinauf auf den recht häufig besuchten Sass Rigais, sondern auf den Gipfel des eher wenig frequentierten Tullen (2655 Meter), dessen Anstieg über einen Teil des bekannten Günther-Messner-Steiges führt.

Mit 1100 Höhenmetern (inkl. Gegenanstiege) auf durchwegs roten Wanderwegen ist die Tour nicht allzu weit. Unterschätzen sollte man die Wanderung dennoch nicht: 12,5 Kilometer muss man für An- und Abstieg einkalkulieren, im Gipfelanstieg sollte man trittsicher und schwindelfrei sein und auch sonst ist mit ein paar wenigen leicht abschüssigen Passagen zu rechnen.

Hinauf zum Gipfel führt dieser Grat. Am Weg zur Kaserill-Alm zweigen wir bei diesem Schilderbaum nach links in Richtung Tullen ab.
Hinauf zum Gipfel führt dieser Grat. Am Weg zur Kaserill-Alm zweigen wir bei diesem Schilderbaum nach links in Richtung Tullen ab.
- flex

Hier ist die Tourenbeschreibung hinauf auf den Tullen: Zwischen Brixen und Klausen geht’s mit dem Auto links (vom Brenner kommend) hinein ins Villnösstal. Bis ganz nach hinten, bis zur Zanser Alm, zum gebührenpflichtigen Parkplatz (6 Euro) und an den Fuß der Nordwände der Geislerspitzen. Nun müssen wir per pedes weiter. Bei der Zanser Alm halten wir uns links, queren über eine Holzbrücke den Kaserillbach und folgen dem breiten Schotterweg sanft ansteigend hinein in Richtung Kaserill Alm. Ungefähr 20 Minuten lang, bis wir auf einen „Schilderbaum“ treffen.

„Herrensteige, Tullen, Günther-Messner-Steig“, verraten uns die Holzwegweiser. Und diesen folgen wir.

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Unsere Aufstiegsrichtung dreht von Ost nach Süd und bringt uns auf dem zunehmend steiler werdenden Abschnitt in einigen Serpentinen durch das Waldstück nach oben bis zu den nächsten Wegweisern. „Oberer Herrensteig, Unterer Herrensteig, Tullen.“

Am Weg zum oder vom Gipfel ist definitiv Vorsicht geboten. Vor allem, wenn schon etwas Schnee liegt.
Am Weg zum oder vom Gipfel ist definitiv Vorsicht geboten. Vor allem, wenn schon etwas Schnee liegt.
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Also eines muss man den Südtirolern lassen: Beschildert sind die Wanderwege wirklich exzellent. Den Weg hinauf zum Tullen nicht zu finden, ist schier undenkbar.

In einem flacheren Waldstück und zwischendurch leicht kupiert geht es „noch“ im Wald weiter. Einige Stellen sind etwas abschüssig, sollten aber für halbwegs sichere Wanderer eigentlich kein Problem darstellen.

Und dennoch ist Vorsicht geboten. Warum? Immer wieder nämlich wird man von fantastischen Blicken hinüber zu den Geislerspitzen abgelenkt. Wer also die Aussicht genießen will, sollte stehen bleiben.

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Den Track für die Tour finden Sie unter https://go.tt.com/2q1snVk

Unsere Richtung hat inzwischen nach West gedreht und wir erreichen nach einer kurzen Bergabpassage die Baumgrenze. Wiederum leicht kupiert und auf dem schmalen Steig entlang der Kofelwiese, stehen wir beim nächsten Abzweig. Hier mündet der Obere Herrensteig in den Günther-Messner-Steig und diesem folgen wir in ein recht weitläufiges Kar nach rechts weiter.

Stetig ansteigend und in einer Kulisse, wie wir es aus den Dolomiten eben kennen, erwartet uns eine steile Schotterflanke. Über diese müssen wir hinauf. In steilen Kehren und über eine kurze, seilversicherte Passage erreichen wir eine Scharte, einen Kamm. Wow! Der Ausblick hinüber zum unweit entfernten pyramidenförmigen Peitlerkofe­l (2875 Meter) hat es in sich. Heute ist sein an und für sich karges Erscheinungsbild durch eine sanfte Schneeauflage überdeckt. Bis zum Gipfel sind es zwar nur noch ein paar Höhenmeter, doch dieser Abschnitt ist mit Abstand der schwierigste Teil der Tour. Ohne Seilversicherungen geht es über den schmalen Ostgrat hinauf zum Gipfelkreuz. Hier sind Schwindelfreiheit und Trittsicherheit unabdingbar.

2655 Meter – der Tullen ist erreicht. Den Ausblick in Worte zu fassen, fällt schwer. Man muss es selber gesehen und erlebt haben. Zu Recht ist das Gebiet der Puez-Geisler-Gruppe Teil des Unesco-Welterbes.

Es geht wieder zurück. Eigentlich wollten wir den Günther-Messner-Steig bis zur Schlüterhütte weitermarschieren. Doch aufgrund der Verhältnisse (eine Schneeauflage plus ein leichter Klettersteig) entschieden wir uns für den Abstieg ins Tal entlang der Aufstiegsroute.

Fazit: Die Bergtour auf den Tullen ist ein Schmankerl im hintersten Villnösstal und im Nationalpark Puez-Geisler. Zu Beginn der Woche hat es auch in Südtirol bis auf etwa 2000 Meter geschneit. Mittlerweile ist die sonnenexponierte Wanderung aber wieder schneefrei und einem Besuch des Tullen steht nichts mehr im Wege.

Wem die Tour auf den Tullen allerdings zu weit erscheint, der kann es auch etwas gemütlicher angehen. Im hintersten Villnösstal gibt es unzählige Rundwanderwege und Almen, die einfach und bequem erreicht werden können. Die Öffnungszeiten sind bei der Zanser Alm zu finden.

Und noch was: Wer schon im Raum Brixen unterwegs ist, sollte am besten seine Wander- bzw. Bergtour mit einem gemütlichen Törggeleabend kombinieren und ausklingen lassen. Außerdem gibt es im Villnösstal bis zum 13. Oktober die Möglichkeit, sich kulinarisch mit Lammspezialitäten im Rahmen der „Villnösser Lammwochen“ verwöhnen zu lassen. In diesem Sinne viel Spaß hinter dem Brenner und im Villnösstal. (flex)

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