Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.10.2019


Tourentipp

Ruine Ehrenberg: Wo die kleinen Ritter wandern

Wem Wandern allein zu wenig Spannung bietet, der sollte die Ruine Ehrenberg ansteuern. Dort kann man während des Spazierens auf Schatzsuche gehen und sich anschließend zum Ritter schlagen lassen.

Hoch über Reutte liegt die Festung am Schlosskopf.

© SamHoch über Reutte liegt die Festung am Schlosskopf.



Von Judith Sam

Reutte – Ein Glück, dass Wandern ein Hobby ist, dem man tagsüber nachgeht. Denn nachts könnte ein Ausflug zur Festung Schlosskopf durchaus gruselig sein. Tummeln sich dort doch unzählige Sagenfiguren. Die mysteriöse Schlossfrau etwa, die hoch oben über Reutte einen Schatz hütet. Nicht weit entfernt von der im Jahr 1296 erbauten Burg Ehrenberg, die knapp unter der Festung liegt, wohnen angeblich drei schwarz gekleidete Jungfrauen in einem ausgehöhlten Stein, die darauf warten, erlöst zu werden. Und so mancher Sportler, der den Schlossberg über die wurzelgespickten Pfade erklommen hat, schwört, einen roten Pudel mit feurigen Augen gesehen zu haben. Augen, so groß wie Mühlräder.

Hundedame Maya, die mich zur Burganlage begleitet, scheint den vierbeinigen Geist nicht zu wittern. Sie saust ebenso unbekümmert wie atemlos den leicht ansteigenden Weg empor.

So kommt man hin: Es scheint, als führten alle Wege zum Festungsensemble, das aus Ehrenberg, Schlosskopf, Klause und dem Fort Claudia besteht. Beliebt sind mitunter diese drei Varianten: Vom Parkplatz am Riedener See aus zieht sich der Weg über knapp 15 Kilometer, von Heiterwang aus sind es zwölf und vom Ehrenberg-Parkplatz aus rund vier Kilometer. Wobei man vor Ort aus mehreren Wegen wählen kann – von der breiten Fahrspur bis hin zum schmalen Pfad mit Ausblick über den Talkessel.

Der Spielplatz vor der Ruine Ehrenberg.
Der Spielplatz vor der Ruine Ehrenberg.
- Sam

Oder man entscheidet sich für die komfortabelste aller Varianten – den Schrägaufzug „Ehrenberg Liner“, der heuer im April in Betrieb ging und 110 Höhenmeter in knapp zwei Minuten überwindet. Sieben Euro kostet dessen Nutzung. Weitere acht (beziehungsweise 14 Euro in Kombination) gilt es für das Betreten der „highline 179“ zu bezahlen. Die 406 Meter lange, 70 Tonnen schwere Hängebrücke verbindet die Ruine Ehrenberg mit dem Fort Claudia.

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Damit nicht genug der Attraktionen. „Am morgigen Samstag um 13.30 Uhr werden außerdem ein neuer Kinderspielplatz sowie das Sagenverlies eröffnet. Dabei stehen die Chancen gut, Ritter Rüdiger kennen zu lernen. Das Maskottchen der Burgenwelt ist nämlich waschechter Ehrenberger“, erzählt Waltraud Heinrich, Leiterin des Besucherzentrums und Museums.

Doch zurück zum eigentlichen Grund meines Besuchs: dem Wandern. Derzeit ist die Festung Schlosskopf gesperrt, doch der Berg kann erklommen werden. Maya und ich haben uns für die Route entschieden, die am Fuße von Ehrenberg entlangführt. Ein schmaler Pfad schlängelt sich hinauf zur Festung, die im Jahr 1782, wie alle anderen Bauwerke, aufgelassen wurde und langsam verfiel. Doch noch heute lassen die steinernen Reste erahnen, wie die Könige und Fürsten einst in den Türmen hinter wehrhaften Mauern lebten.

Angeblich ist dort nach wie vor das magische Ehrenbergschwert versteckt. Zumindest verspricht das Festungs-Expertin Heinrich: „Junge Besucher können auf Schatzsuche gehen. Wer alle Rätsel löst, gewinnt eine CD oder wird zum Ritter geschlagen.“ Um so geadelt zu werden, muss man im Erlebnismuseum in der Klause etwa herausfinden, wie schwer ein Rüstungsteil ist. Dazu gilt es, Helm und Brustteil anzuziehen und sich zu wiegen.

Hundedame Maya interessiert sich weder für Ritter noch für Schätze. Außer natürlich, dort oben wäre eine Truhe voller Schnitzel versteckt. Doch Mayas dreistündige Suche danach, rund um das Ruinen-areal, bleibt erfolglos. Trotzdem hat sich die Wanderung, die sich je nach Wegvariante für große wie kleine Wanderer eignet, gelohnt. Doch Hauptsache, man trifft nicht auf den roten Pudel.

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