Letztes Update am Sa, 24.09.2011 06:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


UARS-Absturz

Satelliten-Absturz: Wen könnte er treffen?

Der Weltraumschrott-Experte Heiner Klinkrad von der ESA beantwortet vier Fragen zum UARS-Absturz, der für die Nacht auf Samstag erwartet wird.



Darmstadt – Was passiert, wenn ein Satellit auf die Erde fällt? In der Nacht zum Samstag erwarten Weltraumexperten den Absturz des ausrangierten US-Forschungssatelliten UARS. Der Weltraumschrott-Experte der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa/Darmstadt), Heiner Klinkrad, erklärt, wer von den Satelliten-Teilen getroffen werden könnte - und wie wahrscheinlich das überhaupt ist.

Zunächst hieß es, der Satellit könnte Moskau treffen. Dann war die Rede vom Pazifik. Wissen Sie denn schon, wo er nun tatsächlich runterkommt?

Klinkrad: Anfänglich war eigentlich alles betroffen, was zwischen einem Breitengrad 54 Grad Nord und 54 Grad Süd liegt - und das sind bei Weitem die meisten Großstädte. Aber zu sagen, dass der Satellit auf Moskau niedergeht, ist sehr verfrüht. Wo er herunterfällt, lässt sich nur sehr schwer vorhersagen. Im Moment kann man aber davon ausgehen, dass Nordamerika nicht betroffen sein wird.

Wann wird der Weltraumschrott auf die Erde treffen?

Klinkrad: Die Nasa-Prognose liegt derzeit bei 2 Uhr nachts unserer Zeit. Andere Prognosen liegen etwa vier Stunden früher. Der tatsächliche Wiedereintrittspunkt wird aber erst im Nachhinein bestimmbar sein.

Wie hoch ist die Gefahr, dass dabei Menschen verletzt werden?

Klinkrad: Dieser Satellit hat eine Masse von 5,6 Tonnen. Davon werden nur etwas mehr als 500 Kilogramm den Erdboden treffen - und die sind auf etwa 20 Fragmente verteilt. Das Risiko ist 1 zu 3200, dass überhaupt ein Mensch auf der Welt dabei ernsthaft verletzt wird. Wenn man das umrechnet auf das Risiko für jeden einzelnen, dann liegt es bei 1 zu 100 Milliarden.

Ist es schon einmal passiert, dass Weltraumschrott auf die Erde gefallen ist?

Klinkrad: Sowas hat es in der Vergangenheit schon häufiger gegeben. Seit Beginn der Raumfahrt-Aktivitäten sind mehr als 25 000 Tonnen wieder zur Erde zurückgekehrt. Das Risiko, davon getroffen zu werden, ist sehr gering. Von all den Objekten, die wieder eingetreten sind, ist bisher niemand auf der Erde verletzt worden.

Das Gespräch führte Antonia Lange, dpa.




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