Letztes Update am Mo, 08.10.2012 21:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

In jedem steckt ein Erfinder

Auf der Innsbrucker Design- und Erfindermesse befassen sich nur vier Stände mit Erfindungen. Fehlt es Tirol an Ideen?



Von Matthias Christler

Innsbruck – David Siebenförcher hatte eine Idee, jetzt, zwei Jahre später, steht er bei seinem Messestand und formt den weichen Stoffpolster, der an einen Schildkrötenpanzer erinnert, fest durch. Er drückt ihn auf die Tischplatte und fixiert ein Handy auf der glatten Oberfläche. „Die Kreativität steckt in jedem von uns. Ich glaube, dass jeder schon für sich selber etwas erfunden hat. Aber von der Idee bis zum fertigen Produkt ist es ein weiter Weg“, sagt der 32-jährige Innsbrucker, während er auf seine Erfindung blickt. Die SmartTurtle, eine flexible und weltweit einzigartige Handyhalterung. Diese Woche hat Siebenförcher damit den Erfinder-Award auf der Innsbrucker Herbstmesse gewonnen. 38 Neuheiten wurden auf der Design- und Erfindermesse präsentiert, darunter allerdings nur vier Erfindungen, der Rest sind Möbel, Schmuckstücke und andere Designgegenstände.

Die Patentzahlen sprechen ebenfalls nicht für Tirol als Erfinderland. Im Jahr 2011 wurden 44 Patente erteilt, Tirol liegt im Bundesländervergleich an drittletzter Stelle. Gernot Bock, Abteilungsleiter für Innovation in der Wirtschaftskammer, wehrt sich dagegen, diese Statistik mit der Innovationskraft gleichzusetzen: „Vieles wird nicht patentiert, ist aber trotzdem neu und innovativ“, sagt er. Allerdings gebe es sehr wohl Aufholbedarf bei den Fördermitteln. Nur 18 Millionen Euro flossen aus Programmen der Forschungsförderungsgesellschaft nach Tirol, 115 Millionen Euro zum Beispiel nach Oberösterreich, 112 Millionen in Steiermark und über 35 Millionen nach Kärnten. Dass eher Designs auf der Messe überwiegen, hat für Bock einen einfachen Grund: „Viele Erfindungen sind in Maschinen oder Autos eingebaut und nicht direkt für den Konsumenten gebaut.“

Die SmartTurtle ist so ein „Consumer Good“, für ihn als Erfinder sei die Messe die ideale Plattform, um erste Rückmeldungen von Kunden zu bekommen, sagt Siebenförcher. Die ersten Stück hat er verkauft, bei ihm zu Hause stehen bereits Maschinen für die Massenproduktion. Bisher habe er inklusive Kosten für das europaweite Patent 30.000 bis 40.000 Euro in seine Erfindung gesteckt.

Eigentlich wollte er eine Handy-App programmieren. „Dabei fiel mir auf, dass eine Handyhalterung fein wäre.“ So begann das Tüfteln. Mit Mehl gefüllte Luftballons, die fürs Spielen gebastelt werden, dienten als Vorbild. Die Oberfläche, an der das Handy kleben bleibt, gab es schon. Den Stoff, aus dem Badeanzüge gemacht werden, füllte er mit einem speziellen Granulat. Er bedruckte den Stoff mit Anti-Rutsch-Streifen. So sah der gefüllte Stoffbeutel irgendwie aus wie ein Schildkrötenpanzer – deshalb der Name SmartTurtle (zu Deutsch clevere Schildkröte). Siebenförcher ist sich sicher: „Eine gute Erfindunge, die sich auch verkaufen soll, braucht ein ansprechendes Design.“




Kommentieren