Letztes Update am Sa, 23.11.2013 12:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Trend zum kleinen Hund

Vom großen irischen Wolfshund zum kleinen Spanier

Im städtischen Bereich scheinen kleine Hunde ihre großen Kollegen aus dem Straßenbild zu verdrängen. Eine Innsbrucker Hundebesitzerin, die zuerst zwei große und nun einen kleinen

Hund hält, berichtet im TT-Interview von ihren Erlebnissen.

Irische Wolfshunde reichen Menschen bis oder sogar über die Hüfte. Barbara Harm hielt sich ein Weibchen und einen Rüden. Nun hat sie einen kleinen Mischlingshund.

© iStockphotoIrische Wolfshunde reichen Menschen bis oder sogar über die Hüfte. Barbara Harm hielt sich ein Weibchen und einen Rüden. Nun hat sie einen kleinen Mischlingshund.



Innsbruck – Jahrelang hat sich Barbara Harm, Blumenhändlerin aus Innsbruck, zwei hüfthohe irische Wolfshunde gehalten. Rüde Gellert brachte stolze 75 Kilogramm auf die Waage, seine Schwester Gracy immerhin noch 52kg. Nach dem Tod ihrer beiden Lieblinge machte Harm einen Quantensprung und adoptierte einen kleinen Mischlingshund aus einer spanischen Tötungsstation. Lolita wiegt weniger als 10kg.

Warum haben Sie sich für einen kleinen Hund entschieden?

Barbara Harm: „Weil es angenehmer zum Handeln ist. Außerdem wollte ich etwas Gutes tun und einen Hund aus der Tötungsstation retten.“

Wie groß sind die Unterschiede?

Harm: „Da liegen Welten dazwischen. Meine großen Hunde und die kleine Hündin kann ich nicht vergleichen. Vom Auslauf, der Haltung und Erziehung her, gibt es keine Unterschiede.“

Was ist jetzt anders?

Harm: „Ich krieg‘ sie oft nicht mit wegen ihrer Zartheit. Vorher musste ich beim Essen ein extra Stüberl für meine beiden Wolfshunde reservieren, jetzt kann ich Lolita überall hin mitnehmen. Das geht sehr einfach. Sie liebt es dabei zu sein. Einschränkungen gibt es nur insofern, weil ich nur dort hingehe, wo auch Hunde erlaubt sind.“

Begegnen Ihnen beim Spaziergehen auch mehr kleinere Hunde?

Harm: „Man sieht schon mehr kleine Hunde als große. Bei manchen Leuten sieht man auch oft, dass deren Hunde ein Kinderersatz sind. Wenn ich diesen Leuten begegne, kommt gleich die erste Frage, ob es ein Rüde oder ein Weibchen ist. Das finde ich idiotisch, denn die Hunde können sich das, bei entsprechender Erziehung, schon unter sich ausmachen, wie sie spielen. Die Hunde werden immer mehr vermenschlicht.“

Werden Hunde noch als Hunde wahrgenommen oder gelten sie mittlerweile als Accessoire?

Harm: „Hunde werden zum Begleitding, zum Mann- oder Kinderersatz. Beim Einkaufen höre ich oft, das neue Regenmäntelchen des Hundes muss zum anderen dazu passen. Das ist schon läppisch. Ein Hund muss ein Hund bleiben. Manche machen ein großes Affentheater. Abnormal wird dann normal. Ich habe auch schon gehört, wie eine Hundebesitzerin von ihrem Tier berichtet hat, dass es im Badezimmer pinkelt und sie dann nicht so früh raus muss. Doch dann brauche ich doch keinen Hund mehr?

Als Tiere werden die Hunde oft nicht mehr wahrgenommen. Es heißt, ‚Schatzilein hin und her‘. Der Hund ist auch bei mir ein vollwertiges Familienmitglied. Aber was manche Menschen betreiben, geht über keine Kuhhaut mehr.“

Das Gespräch führte Deborah Darnhofer.