Letztes Update am Do, 05.12.2013 07:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Knalleffekt in der Schule

Böller lassen Bello leiden: Zum ersten Mal erklärte ein Tierarzt Tiroler Volksschülern, wie sie ihre Haustiere vor der angsteinflößenden Silvesterknallerei schützen können.



Von Miriam Hotter

Innsbruck – Zittern, hecheln und verkriechen: Knallen zu Silvester die Böller und Raketen, wird der tierische Familienbeschützer schon mal zum verängstigten Schoßhündchen. Die 215 Kinder in der Volksschule Innere Stadt in Innsbruck lauschten gestern gespannt, was ihnen Tierarzt Herwig Pucher erzählte. „Mein Hund hat vor Böllern so große Angst, dass er sich in die Badewanne verkriecht.“ Pucher will zusammen mit dem Verein „MausKatzeHund“ das Bewusstsein erstmals bei den Kindern wecken, dass jeder laute Knall Tiere erschreckt – und die Kleinen vielleicht auf den ein oder anderen Böller zu Silvester verzichten.

„Oft schießen Eltern gerade für die Kinder Raketen in die Luft. Wenn sie aber wissen, dass das Stress für die Tiere bedeutet, verzichten die Kinder vielleicht auf ein lautes und verfrühtes Feuerwerk“, hofft Pucher. Immerhin würden die ersten Böller am 31. Dezember nicht erst kurz vor Mitternacht, sondern bereits am frühen Nachmittag geschossen. „Tiere bekommen es dann schon unnötig früh mit der Angst zu tun“, erklärt Pucher. Die Angst äußert sich, indem ein Hund den Schwanz einzieht, die Ohren hängen lässt, zittert, sich verkriecht, Angstgeruch verbreitet oder exzessiv hechelt. In extremen Fällen kann die Angst sogar zum Herzstillstand führen. „Hunde und Katzen haben ein wesentlich feineres Gehör als wir Menschen. Logisch, dass Böller Panik verbreiten. So gesehen ist die Silvesterknallerei die größte kollektive Tierquälerei“, erklärt Pucher.

Hunde sind aber durchaus in der Lage, angsteinflößende Knallerei ertragen zu lernen. „Den Hund in seiner Angst zu bemitleiden oder aus Ratlosigkeit selbst unsicher zu werden, ist genau der falsche Weg“, erklärt Pucher. Gut sozialisierte Hunde beobachten in Situationen, die sie selbst nicht überblicken können, ihren „Rudelführer“ Mensch. Bleibt dieser ruhig und ignoriert eher die Unsicherheit, akzeptiert der Hund die zwar unangenehme, aber unabwendbare Situation. Er lernt: „Alles kein Problem, der Boss bleibt cool, kann so gefährlich nicht werden.“

Doch nicht nur Haustiere leiden unter der Silvesterknallerei. Auch für Wildtiere ist der 31. Dezember mit erheblichem Stress verbunden. „Und dieser Stress, dem Vögel und Wildtiere ausgesetzt sind, zehrt an den ohnehin schon knapp bemessenen Energiereserven im Winter“, weiß Pucher.

Egal ob im Wald oder zuhause – Menschen sind dafür verantwortlich, dass es den Tieren gut geht. Damit sie sich auch am Silvesterabend wohlfühlen, bietet Pucher allen Tierbesitzern heute von 18 bis 19 Uhr einen kostenlosen Infoabend in der TIERplus-Tierarztpraxis im Megazoo, Neu-Rum, an. „Es gibt kein Allheilmittel, doch mit kleinen Tipps können auch die Tiere angstfrei ins neue Jahr rutschen.“


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