Letztes Update am So, 23.02.2014 13:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Freizeit

Gemeinsam schöpfen und schaffen

Ein Skigebiet lebt auf. Die Glungezer „Fegl“ vernetzen Freeskier, Snowbordern und Slackliner in ihrem „Playground“ – einem Spielplatz ganz ohne Kunstschnee, dafür mit Leidenschaft entstanden.



Von Matthias Christler

Tulfes – Am Lift lernen sich wildfremde Menschen schneller kennen und gezogen von einem Schlepplift, der zwischen einer braunen, schneearmen Baumlandschaft dahinrattert, gibt es viel zu bereden. Manche Gespräche verpuffen beim Ausstieg wieder, doch jenes vor ein paar Wochen mit Hari Richter blieb in Erinnerung – weil der 27-jährige Milser so sehr von seinem Hausberg schwärmte und erzählte, wie das fast eingeschlafene Skigebiet belebt werden könne.

„Wir wollen, dass sich unsere Kinder hier heroben auch noch austoben können“, sagt er stellvertretend für die „Fegl“ vom Glungezer. So nennt sich die lokale Szene, darunter ein Freeski-Team mit 10- bis 16-Jährigen und einem mit über 17-Jährigen, die von einigen Älteren wie Hari Richter betreut werden. 2011 bauten die „Fegl“ in der „Kalten Kuchl“ ihren Park, der sich von anderen Projekten abhebt. Es wurde kein Fun-Park mitten im Skigebiet aus dem Boden gestampft, vielmehr passt sich der „Playground“ der natürlichen Umgebung an.

Und sie brauchten – sogar in diesem Winter – keinen Kunstschnee, um ihre „Spielgeräte“ zu bauen. „Wir haben genug natürliche Schneedepots“, grinst er. An manchen Tagen weht der Wind orkanartig durch das „Schattenloch“ und verfrachtet den Schnee so, dass er sich von alleine an bestimmten Stellen anhäuft. „Für uns ist das ideal. Vor allem bei der Landung ist uns Naturschnee sogar lieber.“

Noch eines unterscheidet den Glungezer von anderen Skigebieten. Freeskier und Snowboarder arbeiten mit Unterstützung der Glungezerbahnen gemeinsam am Park. Es gibt keinen Konflikt. Im Gegenteil. Alle sollen gemeinsam auf ihre Kosten kommen.

Unter diesem Motto entstand die Idee, von der Hari Richter dem Snowboarder erzählte, der damals neben ihm im Schlepplift fuhr. „Freiheitsliebende Freeskier, Snowboarder und Slackliner sollen sich vernetzen, um miteinander ein außergewöhnliches Projekt zu verwirklichen.“ Ein sich selbst organisierendes Projekt, den Flashmob am Samstag, den 8. Februar. „Das soll ein Projekt von allen für alle sein. Es gibt kein Budget, keinen Contest, weil wir miteinander und nicht gegeneinander fahren wollen.“

Ein interessanter Zufall: Genau an diesem Tag finden bei den Winterspielen in Sotschi die ersten Bewerbe wie zum Beispiel ein Snowboard-Contest statt. Wirklich ein Zufall, beteuert Hari Richter. Man wolle jedoch schon von diesem Hype in der Szene mit immer größeren Halfpipes, Contests und Budgets herunterkommen. Zurück zu den Wurzeln.

Jeder, der Lust hat, kann sich beim Flashmob eine Schaufel schnappen. Gemeinsam schöpfen und schaffen. Das gilt für den „Playground“ und alles rundherum: Kuchen werden von den Familien der „Fegl“ bereitgestellt, aber jeder kann selbst etwas mitnehmen; DJs sorgen für die entsprechende Stimmung. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, weil Snowboard, Ski oder Slackline verschmelzen sollen und so auch Fotografen oder Filmer einen Tag später einen ungewöhnlichen Rahmen bieten werden. Am Sonntag wird nämlich nicht mehr geschaufelt, sondern das Erschaffene ausprobiert.

Hari Richter streicht einen Grundgedanken ihrer Idee heraus: „Eine friedliche Vernetzung, gegenseitiger Austausch und Hilfeleistung sowie gemeinsam schaffendes Arbeiten sind Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft.“ Kurz gesagt: „Das ist unser Hausberg, und wir wollen ihm einen frischen Wind einhauchen.“

Frischen Schnee haben sie schon einmal. Doch bevor die „Fegl“ diesen auf ihrem Spielplatz verteilen, werden sie sicher heute selbst damit Spaß haben. Danach wird wieder geschöpft. Gerade diese Einstellung der lokalen Szene ist es, die so manche Kosten-Nutzen-Rechnung außen stehender Experten widerlegt – und ein Skigebiet wie den Glungezer am Leben erhält.




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