Letztes Update am Mi, 03.12.2014 11:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Johannes Strate: „Die Ohropax-Nächte sind ein Segen“

Johannes Strate, Sänger der Band „Revolverheld“, begeistert sein Publikum. Nur sein Sohn schläft bei den Konzerten schnell ein. Außerdem erzählt der 34-Jährige, warum er gemobbt wurde und Handy-Tagebuch führt.

Johannes Strate wurde bekannt als Sänger der Band Revolverheld.

© APA/Helmut SteinerJohannes Strate wurde bekannt als Sänger der Band Revolverheld.



Herr Strate, als Sänger der Band Revolverheld sind Sie über die Grenzen Deutschlands hinweg bekannt. Umso bodenständiger finde ich es, dass Sie trotzdem ganz frei von Allüren nach Konzerten mit dem Zug heimfahren.

Johannes Strate: Ach, bodenständig finde ich das gar nicht. Eher praktisch. Wir alle aus der Band sind Mitte 30. Darum schlagen wir uns die Nächte nicht mehr mit Partys um die Ohren und können am nächsten Tag ausgeschlafen den Heimweg mit der Bahn antreten. Bei uns gibt’s nach den Konzerten höchstens noch ein Gläschen Wein – und ab ins Bett. Und in den Hotelzimmern randaliert oder so was haben wir sowieso nie. In jungen Jahren haben wir höchstens mal den Tourbus verpasst, weil wir zu betrunken waren.

Wie kann man denn den Tourbus verpassen? Wartet der nicht exklusiv auf die Band?

Nicht zwingend. Der Fahrer weiß ja nicht, wer schon im Hotel liegt und schläft und wer noch feiert. Irgendwann fährt er einfach los und wer nicht drin ist, muss selbst schauen, wie er heimkommt.

Klingt, als wären die Bandmitglieder eher Freunde als Kollegen für Sie?

Sagen wir so: Am Tag sind sie Kumpels, abends Kollegen. Auf der Bühne muss jeder professionell arbeiten. Aber in der Freizeit … als wir kürzlich etwa in Imst aufgetreten sind, sind wir mit dem Sessellift auf den Berg gefahren und mit so einem Rodeldings heruntergebraust – ohne zu bremsen! Das war ein Urlaubstag und da ist es cool, wenn man Kumpels dabei hat.

Ein Rodeldings? Meinen Sie vielleicht den Alpine Coaster?

Glaube schon. Für uns Nordlichter aus Hamburg war der Tag in Tirol spektakulär und hat uns an unser Lied „Lass uns gehen“ erinnert. Darin singe ich, dass man viel öfter in die Natur gehen sollte, was uns als Städtern oft echt schwerfällt.

Sie versuchen aber regelmäßig zu joggen. Kommen Ihnen dabei die Ideen zu den Liedtexten?

Kann man so sagen. Ich notiere dann alles im Handy. Sobald ein Text-Grundgerüst steht, zeige ich es unserem Gitarristen Chris und wir basteln das Lied. Für das letzte Album entstanden so rund 60 Lieder und zwölf davon schafften es aufs Album.

Inwieweit darf die Band gegenüber der Plattenfirma mitbestimmen, welche Lieder auf die fertige CD kommen?

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Bands nur fremdbestimmt agieren. Revolverheld kreiert alleine das ganze Album. Dann legen wir der Plattenfirma das fertige Produkt hin und sie müssen damit arbeiten. Klar könnten sie auch sagen, dass es Schwachsinn ist, aber das haben sie bisher zum Glück noch nie getan (lacht).

Auch wenn das Management keine Einwände hat, gibt es ab und an Kritik an Ihren Liedern. Etwa, dass die Texte zu brav sind. Wie gehen Sie damit um?

Ich wurde in der Schule gemobbt und habe damals gelernt, sich nicht zu viel mit Kritik zu beschäftigen. Stell dir etwa vor, ein Fußballspieler trifft das Tor nicht. Da will ich nicht wissen, was der sich alles anhören muss, wenn er mal durch die Fußgängerzone geht. Sobald etwas Relevanz bekommt, kommen auch die Kritiker.

Warum wurden Sie gemobbt?

Ich war zwölf und es war ein Scheiß-jahr. Ich war der Kleinste. Wichtig wäre, dass Eltern auf so was achten. Ich werde das bei meinem Sohn jedenfalls tun

Für Ihren knapp zweijährigen Sohn Emil haben Sie auch extra die „Ohropax-Nacht“ ins Leben gerufen …

(lacht) Exakt. Einmal darf meine Freundin nachts Ohropax tragen und ich kümmere mich um Emil, die nächste Nacht ist es umgekehrt. Diese Nächte sind ein Segen. Es bedarf überhaupt viel Organisation, damit wir alles schaffen, weil meine Freundin auch immer verbucht ist (Anm.: Anna Wolfers ist Schauspielerin und betreibt mehrere Modegeschäfte). Sie nimmt Emil z. B. oft mit zu meinen Konzerten. Aber ehrlich gesagt schläft er dabei immer erstaunlich schnell ein (lacht).

Für Emil führen Sie auf Ihrem Smartphone Tagebuch. Haben Sie keine Angst, dass diese privaten Daten gehackt und öffentlich gemacht werden könnten, so wie kürzlich die Nacktfotos mehrerer amerikanischer Promis?

Ich verstehe die Angst der Leute vor dem Datenklau. Aber wer mein Handy hackt, findet die Einträge vermutlich zum Gähnen: „Heute hast du das Wort gesagt“ und „wir waren gerade dort spazieren“ ... Und Nacktbilder hab’ ich eh keine (lacht) – weder von mir noch von Anna.

Das Video zu Ihrem Lied „Ich lass für Dich das Licht an“ wurde auf YouTube 5,5 Millionen Mal angeklickt. In dem Clip macht Ihr bester Freund seiner Freundin einen echten Heitratsantrag. Käme so ein Antrag für Sie in Frage?

Ich habe mir da keine Gedanken gemacht. Obwohl ich glaube, dass Anna darauf wartet, dass ich ihr mal einen Antrag mache. Sollte ich das tun, wird’s eher nicht öffentlich. Aber es gibt immer wieder Leute, die unsere Songs auf ihrer Hochzeit spielen. Und das ist das größte Kompliment, das man uns machen kann. Weil so wird ein Teil von Revolverheld mit ihrer Lebensgeschichte für immer verbunden.

Wie kam es eigentlich zum Namen „Revolverheld“?

Anfangs hießen wir „Tsunami-Killer“ und „Mangas“. Die Namen waren ein Griff ins Klo. Keine Frage. Der Vater von unserem Schlagzeuger Jakob lebte in den USA und wurde als Revolverheld bezeichnet – jemand, der schneller tanzt als sein Schatten. Wir fanden, das passt zu uns.

Sie selbst sind also kein Revolverheld, der mal auf den Schießstand geht?

Oh Gott, nein! Ich musste mal für einen Bewerb auf ein Schild schießen und war schockiert von dieser beängstigenden Gewalt, dem Lärm und den Waffen.

Das Interview führte Judith Sam