Letztes Update am Sa, 28.03.2015 13:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview

Nadine Beiler: Der Sturschädel erfindet sich neu

Warum „Dreck fressen“ auch gut sein kann und ihr nun niemand etwas zu sagen hat, verrät Sängerin Nadine Beiler im TT-Gespräch. Maria Magdalena und ein Grammy spielen dabei auch eine Rolle.

© Thomas BöhmNadine Beiler (24) aus Inzing wurde durch ihren Sieg bei der dritten Staffel der ORF-Castingshow „Starmania“ 2007 berühmt. 2011 nahm sie am Eurovision Song Contest teil und belegte den 18. Platz.



Als wir die 24-jährige Sängerin zum Interview treffen, lädt sie uns zu einem Fotoshooting nach Innsbruck ein. Beiler hat sich im letzten Jahr von ihrem Management getrennt und plant ihre Projekte nun selbst. Vor dem Spiegel hilft ihr Fotograf Angelo Lair, ihre Haare mit Bürste und Glätteisen zu bändigen. Dann gehen die Scheinwerfer an und Beiler posiert vor der Kamera. Einige Einstellungen, unzählige, gekonnte Blicke und einen Kleiderwechsel später bittet Beiler auf die Couch.

Denken Sie schon daran, dass Sie nächstes Jahr zehnjähriges Bühnenjubiläum haben werden?

- Thomas Böhm

Nadine Beiler: Die Zeit vergeht wirklich schnell. Allein, dass ich sagen kann, ich stehe seit zehn Jahren auf der Bühne, ist ein Wahnsinn. Wie alt bin ich denn?

Sie singen in zwei Bands. Das Album von „Sunrise 16“ soll demnächst herauskommen und nun kommt noch „Dice Mora“ hinzu.

Dann arbeite ich noch an meinem eigenen Album unter meinem Namen Nadine Beiler. Beim Musical „Jesus Christ Superstar“ im Wiener Raimund Theater bin ich heuer auch dabei. Ich spiele Maria Magdalena. Es war schon immer mein Traum, bei einem Musical dabei zu sein.

Sie haben momentan sehr viele Projekte. Welche Herausforderungen wollen Sie noch angehen? Ich habe gehört, Sie spielen heuer auch in einem Horrorfilm mit.

- Thomas Böhm

Ja, das steht auch noch auf dem Plan. Das Musical „Jesus Christ Superstar“ wird für mich aber die größte Herausforderung. Beim Singen fühle ich mich schon sicher, aber das Schauspielen kommt jetzt neu dazu.

Sehen Sie sich dann eher als Künstlerin, Sängerin, Schauspielerin oder Songschreiberin? Welche Rolle ist Ihnen recht oder ist Ihnen keine recht?

Wenn ich beim Songwriten bin und nicht mehr weiter weiß, dann denke ich mir: „Ich bin Sängerin, stellt‘s mich auf die Bühne.“ Ich bin aber eigentlich alles. Ich habe mein erstes Lied schon mit sieben Jahren geschrieben. Nur bin ich die letzten Jahre viel verwirrt worden. Alle meinten, ich müsste anders schreiben. Dadurch wurde ich sehr verunsichert. Jetzt bin ich aber so weit, dass ich schreibe, wie ich mich fühle. Das sind meine Gefühle, die können nicht richtig oder falsch sein.

Sie singen auch in unterschiedlichen Musikrichtungen.

Ich mache das, was mir gefällt und Spaß macht. Ich versuche, nicht in jedem Lied alles zu zeigen. Schauen wir mal, wie das alles funktioniert. Die Leute haben zu mir gesagt, es ist nicht möglich, so viele Musikrichtungen gleichzeitig zu machen. Aber ich probiere das jetzt und es scheint wirklich aufzugehen.

Möchten Sie sich nicht einordnen lassen, weil Sie an so viel interessiert und neugierig sind?

Ich brauche die Abwechslung und jedes Gefühl lässt sich für mich in einer anderen Musikrichtung am besten weitergeben. Manchmal ist es eben Rock, Pop, Elektro, aber auch nur Klavier. Ich liebe es, mir die Freiheit zu geben, das so zu machen, wie ich will. Ich bin ein Tiroler Sturschädel.

Musikexperten bescheinigten Ihnen schon in jungen Jahren ein großes Talent. Warum sind Sie dann immer noch in Tirol geblieben?

Ich habe schon viel angeschaut und bin viel gereist. Es war auch schon die Rede, ob ich nach Wien ziehe. Aber jetzt, wo ich so viel weg war, finde ich es in Tirol am schönsten. Die Berge, man ist gleich überall, ich habe meine Freunde hier. Vielleicht werde ich aber auch irgendwann einmal für eine Zeit lang ans Meer ziehen (lacht). Aber jetzt ist es einfach schön hier in den Bergen.

Würden Sie im Rückblick irgendetwas anders machen, sich vielleicht wünschen, älter gewesen zu sein? Starmania gewannen Sie mit 16 Jahren.

Ich denke mir oft, was wäre, wenn ich später mitgemacht und 100.000 Euro von der Show gewonnen hätte (lacht). Schlussendlich passt es so, wie es ist. Ich hatte eine harte Schule in jungen Jahren, dafür habe ich aber auch viele Erfahrungen gesammelt. Jetzt bin ich 24 und man nimmt mich endlich ernst.

War es schwierig, im Scheinwerferlicht aufzuwachsen?

Es war nicht einfach. Die größte Enttäuschung war für mich, wie die Leute auf mich reagierten. Bei Starmania war ich behütet. Doch draußen konnte ich nirgends hingehen, ohne dass Leute mich erkannt und blöd angemacht haben.

Sie gelten als „Starmania-Gewinnerin“ als jüngste Castingshow-Gewinnerin, waren Teilnehmerin des Eurovision Song Contest. Sie bekamen schon viele Stempel aufgedrückt.

Da zählt man oft nicht so als Musikerin.

Welcher Stempel wäre Ihnen denn recht?

Nadine Beiler, the European answer to America (die europäische Antwort auf Amerika, Anm.). We will make that happen (engl. wir werden das möglich machen; wiederholt Beiler die Aussage ihres Produzenten, Anm.)

Sie träumen also nach wie vor vom Grammy?

Ein Grammy ist immer noch mein Ziel. Man muss aber auch von Laterne zu Laterne denken. Jetzt konzentriere ich mich auf die kleinen Zwischenziele. Ich bin im Moment nur froh, dass alles wieder ins Laufen kommt. Früher war es viel Druck. Jetzt hängt alles von mir ab. Wenn es nicht funktioniert, liegt es an mir und wenn es funktioniert, brauche ich zu niemanden „Danke“ sagen – außer meinem super Team.

2011 vor dem Antreten beim Eurovision Song Contest haben Sie gesagt, Sie leben Ihren Traum. Gilt das noch?

Als kleines Kind habe ich mir zwar oft gedacht, es geht etwas einfacher. Aber ich lebe meinen Traum. Ich bin zwar manchmal hingefallen und musste Dreck fressen, aber das gehört dazu. Dann lernt man die guten Seiten wieder mehr zu schätzen.

Das Gespräch führte Deborah Darnhofer