Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 17.04.2015


Freizeit

Ein Spielplatz für Groß und Klein

Im Frühjahr verwandelt sich die Seegrube oberhalb von Innsbruck alljährlich in einen großen Spielplatz: Dann erobern Figler die Pisten, und bei Jung und Alt geht es dann vor allem um eines – nämlich Spaß.

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© rapp



Von Irene Rapp

Innsbruck – Mit den Tipps der Profis ist das so eine Sache. „In die WC-Position gehen“, lautet der erste von einem erfahrenen Figler. „Wenn einer Ski fahren kann, kann er auch figln“, lautet der zweite von Rudi Theyermann, der im Sportshop auf der Seegrube seit 25 Jahren tätig ist. Nun aber steht man selbst vor dem Gebäude auf der 1905 Meter hoch gelegenen Seegrube, schaut hinab auf die Tiroler Landeshauptstadt und dann auf seine Füße, die auf den zwei kurzen Firngleitern stehen.

Das letzte Mal auf diesen Kurzskiern ist schon Ewigkeiten her, und spätestens bei den ersten Metern in einer der Rinnen hinab zum Sessellift 3er-Stütze weiß man, dass die Tipps der Profis doch nicht ganz stimmen können. Auch in der WC-Position – tief in der Hocke, Hinterteil weit nach hinten hinausgestreckt – hat man die Figl nämlich nicht ganz im Griff. Und auch wenn man Ski fahren kann, braucht es ein, zwei Fahrten, um sich ein wenig sicherer zu fühlen.

Infos zur Tour

Ausgangspunkt: Hungerburg, mit der Innsbrucker Nordkettenbahn auf die Seegrube. Gültig ist u.a. das Freizeitticket, zudem gibt es laut Thomas Schroll, Geschäftsführer der Nordkettenbahnen, 50 Prozent Rabatt auf Skitickets.

Sportshop Seegrube: Figl mit Schnürung kosten bei Rudi Theyermann im Sportshop auf der Seegrube 10 Euro, Figl mit Bindung 14 Euro. Im regulären Verkauf kosten Kohla-Figl laut Thomas Span von der Firma IBEX-Sportartikel Gmbh mit Schnürung ab 120 Euro, mit Bindung ab 150 Euro.

Ein Tipp: Wer sich Figl mit Schnürung ausleiht, sollte sich den Spaß auf jeden Fall mit Ski- und nicht mit Bergschuhen geben – dann ist der Halt ein besserer.

Ein zweiter Tipp: Figl-Spaß auf der Innsbrucker Nordkette ist noch am kommenden Wochenende (18./19. April) sowie am 25./26. April möglich. Dann allerdings sollte man möglichst früh vor Ort sein, will man sich auch in der Karrinne vergnügen. Diese wird nämlich am späteren Vormittag oft wegen Lawinengefahr gesperrt. Wer genug vom Figln hat: In den Liegestühlen vor dem Restaurant und der Schneebar erholt man sich bestens!

Dennoch war der Figl-Spaß am vergangenen Sonntag groß. Bereits am frühen Vormittag tummelten sich oberhalb von Innsbruck unzählige begeisterte Figler jeglichen Alters. „Früher waren es hauptsächlich die Älteren, heute sind es auch die Jungen“, erzählt Theyermann und er muss es wissen.

Jahr für Jahr verleiht er im Frühjahr seine 50 Paar Figl und weil die Nachfrage groß ist, kommt es dabei immer wieder zu Wartezeiten. Eine neue Rekordzahl wurde auch beim heurigen Figl-Rennen am vergangenen Samstag auf der Seegrube registriert. „84 Starter waren es“, erzählt Thomas Schroll von den Nordkettenbahnen – und dass an guten Tagen bis zu 250 Figler oberhalb von Innsbruck anzutreffen sind.

Dass das Figln vor allem im Großraum Innsbruck sehr beliebt ist, bestätigt Thomas Span von der Firma Ibex-Sportartikel GmbH. Das Unternehmen stellt Figl her und vertreibt sie unter dem Markennamen Kohla. „95 Prozent der 500 Stück, die wir pro Jahr produzieren, werden in Innsbruck verkauft“, weiß der Stubaitaler. Auf den Markt kommen die Firngleiter dann entweder mit Schnürung oder Bindung sowie hauptsächlich in der Farbe Rot.

Wesentliche Neuerungen hat es übrigens in den vergangenen Jahren kaum gegeben. „Wir hätten zwar einige Ideen, aber die Kunden sagen uns immer wieder, dass sie die traditionellen Figl wollen“, erzählt Thomas Span.

Zurück auf die Nordkette: Dort war am vergangenen Sonntag vor allem hörbar, welchen Spaß das Firngleiten bereitet. Es wurde gekreischt und gejohlt, und natürlich gab es auch jede Menge spektakuläre Stürze zu beobachten.

Wobei das Figln nicht unterschätzt werden darf. „Das macht man nicht von 9 bis 16 Uhr“, betont Theyermann. Figln gehe ganz schön in die Oberschenkel, und auch das Ausbalancieren – man gleitet ohne Stöcke die Pisten hinab – erfordert Kraft. Früher sei er selbst viel gefigelt, erzählt der 65-jährige Innsbrucker und er weiß auch, wie der Firn beschaffen sein muss, damit der Spaßfaktor groß ist – „so um die 10 Zentimeter tief“.

Auf der Seegrube sind die Rahmenbedingungen dafür jedenfalls ideal: „Das Gefälle passt, dazu scheint den ganzen Tag Sonne auf die Hänge. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es woanders bessere Bedingungen gibt“, bringt es Schroll auf den Punkt.

„Gebremst wird mit Fersen und Füßen“, bringt Theyermann dann noch einen letzten Tipp an die Frau. Daher noch eine erfreuliche Erfahrung des Figl-Frischlings: Spätestens nach der dritten Fahrt fühlt man sich halbwegs sicher, nach der sechsten muss man dann aber einmal Pause machen.