Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.05.2015


Kristallwelten

Staunen und Glitzern im Angesicht des Riesen

Die Kristallwelten in Wattens waren gestern erstmals nach ihrer Neugestaltung und Erweiterung wieder für Besucher geöffnet.

Nach siebenmonatiger Pause öffneten die Kristallwelten gestern wieder ihre Pforten für Besucher.

© Andreas Rottensteiner / TTNach siebenmonatiger Pause öffneten die Kristallwelten gestern wieder ihre Pforten für Besucher.



Von Nikolaus Paumgartten

Wattens – Am Donnerstagvormittag hängen die Wolken über Wattens tief. Im umgestalteten Eingangsbereich der Swarovski-Kristallwelten tummeln sich Besuchergruppen mit Regenmänteln und Schirmen. Die riesige Kristallwolke im Herzstück der Erweiterung, dem neuen kristallinen Garten, fangen das Grau des Himmels ein und präsentieren sich trüb und farblos. Der guten Stimmung bei den Besuchern tut das jedoch keinen Abbruch. Sie machen sich auf, den Riesen zu betreten und die überarbeiteten Wunderkammern zu bestaunen.

Es ist der Tag der Wiedereröffnung der Wattener Kristallwelten nach einer siebenmonatigen Umbauphase. Für 34 Millionen Euro wurden fünf neue Wunderkammern geschaffen und das Konzept im Riesen erhielt eine Frischzellenkur. Mit dem neuen Garten wurde die Fläche der Kristallwelten von 3,5 auf 7,5 Hektar vergrößert. Neu ist auch ein Gastronomie-Pavillon und ein vierstöckiger Spielturm.

Im Riesen herrscht ein buntes Sprachengewirr. Zahlreiche Gruppen aus Österreich, Deutschland, China, Italien und den USA wollten es sich nicht nehmen lassen, am Premierentag dabei zu sein. Handys und Tablets werden gezückt, Sensationen eingefangen und verschickt. Vor einer Vitrine hat sich eine kleine Schlange gebildet. Ob Selfie oder Gruppenbild – der Kristallschuh aus dem jüngsten Cinderella-Film ist hier der heimliche Star.

Durch den neu gestalteten Shop geht es hinaus aus dem Riesen und hinein in den kristallinen Garten. Hier schlendern gerade die für die Gestaltung verantwortlichen Landschaftskünstler And­y Cao und Xavier Perrot durch die Anlage und beobachten die Reaktionen der Besucher auf ihr Werk. Während im Garten das stille Staunen, Beobachten und Ausruhen im Mittelpunkt steht, geht es im Spielturm ungleich wilder zu. Kinder – aber auch Erwachsene – toben durch die Anlage und testen die Spielgeräte.

Heidi Waroschitz aus Jenbach ist mit ihren beiden Enkeln gekommen und Leo und Bernd erkunden kletternd, rutschend und hüpfend die Etagen des Turms. „Im Riesen sind wir noch gar nicht gewesen“, schmunzelt sie und deutet auf ihre Enkel. „Die Kinder wollten zu allererst hierherkommen.“ Extra für einen Tagesausflug aus der Schweiz angereist ist Familie Schönenberger. „Am besten gefällt mir der Shop“, sagt Frau Schönenberger wie aus der Pistole geschossen und lacht, während ihr Gatte das Ambiente des Außenbereiches mit den Kristallwolken lobt.

Zurück im Eingangsbereich der Kristallwelten macht sich gerade eine vierköpfige Reisegruppe aus dem bayerischen Chiemgau bereit für den Aufbruch. Die Seniorinnen hatten eine Busreise nach Wattens und nun weiter nach Innsbruck gebucht und waren um kurz vor 10 Uhr die Ersten, die den Riesen nach seiner Umgestaltung betreten durften. „Wir wurden als erste Gruppe persönlich begrüßt. Es ist unglaublich toll, wie das hier alles gestaltet wurde“, sind sich die Freundinnen einig.

„Wir freuen uns, dass endlich der Tag gekommen ist, wo unsere Ideen und Themen auf die Reaktionen der Menschen treffen“, sagt Kristallwelten-Geschäftsführer Stefan Isser. Probleme habe es bisher nicht gegeben, alles funktioniere bestens. Kleiner Wermutstropfen an diesem Eröffnungstag ist für Isser lediglich das Wetter, das sich am Premierentag etwas auf die Besucherzahlen ausgewirkt haben dürfte. Aber für den Feiertag und das Wochenende sei die Buchungslage sehr gut, 1500 Reservierungen seien bisher eingegangen, so Isser. Ziel der Geschäftsführung und des Kristallwelten-Teams ist es, die Besucherzahlen von bisher durchschnittlich 600.000 auf 850.000 Gäste im Jahr zu steigern.

Gegen Mittag verwandelt sich das Grau der tiefen Wolkendecke über Wattens zunächst in ein schmutziges Weiß, wird heller und heller, um sich schließlich nach und nach ganz aufzulösen. Im Garten treffen erste Sonnenstrahlen auf die 800.000 handgesetzten Kristalle der 1400 Quadratmeter großen Wolke, die über der Anlage und dem schwarzen Spiegelwasser schwebt. Plötzlich setzt ein Funkeln und Glitzern in allen Farben des Regenbogens ein. Jetzt strahlt die Sonne mit den Kristallen um die Wette. Das Farbenspiel verfehlt seine magische Wirkung nicht: Der Garten hat sich mit Hilfe der Sonne binnen kürzester Zeit zur absoluten Publikums-Attraktion verwandelt. Wieder gezückte Handys, wieder Staunen – über das Glitzern im Angesicht des Riesen.

Familie Schönenberger reiste extra aus der Schweiz an, um am Tag der Wiedereröffnung die neuen Sensationen zu bestaunen.
Familie Schönenberger reiste extra aus der Schweiz an, um am Tag der Wiedereröffnung die neuen Sensationen zu bestaunen.
- Andreas Rottensteiner / TT