Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Tirol

Das Wetter bäckt im Pitztal mit

Im Pitztal liegt die höchstgelegene Konditorei Österreichs. Norbert Santeler bäckt dort mit seinen Zwillingstöchtern süße Köstlichkeiten. Vorausgesetzt, das Wetter passt.

Stephanie Santeler mit Papa Norbert und Zwillingsschwester Sandra (v. l.).

© HotterStephanie Santeler mit Papa Norbert und Zwillingsschwester Sandra (v. l.).



Von Miriam Hotter

St. Leonhard – Während andere Konditoren von ihrer Wohnung nur einen Stock tiefer in die Backstube gehen, macht sich Norbert Santeler in aller Früh auf den Weg von St. Leonhard im Pitztal zur Gletscherbahn. Zu diesem Zeitpunkt kennt er bereits den Wetterbericht der nächsten Tage. Der 58-Jährige arbeitet im Restaurant Kristall auf 2840 Metern Höhe – und damit in der offiziell höchsten Konditorei Österreichs. Wenn Santeler in seiner rund 15 Quadratmeter großen Backstube ans Werk geht, dann liegt es mitunter am Wetter, ob die Torten gelingen oder in sich zusammenfallen.

„Der Luftdruck ist ganz entscheidend für unseren Arbeitsablauf“, erzählt er. Bei Tiefdruck bereite ihm vor allem der Biskuitteig Probleme. „Der Teig ist dann sehr schwer und ich bekomme kein Volumen rein“, erklärt er. So etwas komme ein- oder zweimal im Monat vor. Santeler bereitet deshalb bei gutem Wetter genug Biskuitteig vor.

Der Appetit darauf ist groß: An guten Tagen verdrücken hungrige Skifahrer bis zu 250 Kuchenstücke. In einer ganzen Saison gehen vier Tonnen Kaiserschmarren über den Ladentisch. Neben Kuchen und Torten ist Santeler nämlich auch für sämtliche Mehlspeisen im Bergrestaurant zuständig – und seit 2012 auch für das höchstgelegene Kaffeehaus der Alpen, das Café 3440.

Das Dreiergespann bäckt auf 2800 Metern süße Verführungen.
Das Dreiergespann bäckt auf 2800 Metern süße Verführungen.
- Hotter

Viel Arbeit, die auf den Pitztaler täglich zukommt. Deshalb greifen ihm seine 29-jährigen Zwillingstöchter Stephanie und Sandra tatkräftig unter die Arme. Die beiden Konditorinnen haben das Handwerk vor 13 Jahren von ihrem Vater gelernt. „Wir waren total lästig, weil wir immer etwas Neues ausprobieren wollten“, erinnert sich Stephanie, die als kleines Kind Verkäuferin werden wollte.

„Mein Traumberuf war Friseurin“, erzählt hingegen Schwester Sandra. Doch als die beiden ihren Vater beim Backen beobachteten, war klar: Das möchten sie auch machen. Die beiden hielten zum Glück an ihrer Idee fest. Denn wenn eine der Frauen einen Rückzieher gemacht hätte, wäre auch die zweite abgesprungen. „Wir machen alles gemeinsam“, erzählen die Schwestern. „Hanni und Nanni“ in Live-Version.

Wie die Filmzwillinge schauen sich auch Stephanie und Sandra zum Verwechseln ähnlich. „Viele Gäste können uns nicht auseinanderhalten. Deshalb hören wir schon auf den Namen der anderen“, erklärt Stephanie.

Inzwischen haben die Schwestern einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt. „Viele Medien kamen schon zu uns“, erzählt Stephanie. Vor rund zwei Wochen reiste die Filmcrew des britischen Senders BBC auf den Pitztaler Gletscher, um die beiden bei der Arbeit zu erleben. „Wir sind etwas Besonderes“, meint Sandra. Nicht nur, weil die Zwillinge mit ihrem Vater auf 2840 Metern 15 verschiedene Torten backen, sondern auch deshalb, weil sie dafür „fast ausschließlich“ frische Produkte verwenden. Nur die Germknödel stammen nicht aus eigener Produktion.

Selbst kreiert hat die Konditor-Familie die berühmte weiße Gletscherschneetorte mit einer Sauerrahm-Kokos-Creme. „Die passt perfekt hier herauf“, sind sich Santeler­s einig. Genauso wie das Dreier­gespann selbst.