Letztes Update am Fr, 24.03.2017 06:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Telefonstunde

Mit Leichtigkeit in den Frühling: Tipps von der Diätologin

Gesunde Ernährung stand im Zentrum der gestrigen Telefonstunde. Diätologin Karin Ratschiller beantwortete die Fragen der TT-Leser und gab ihnen einige wertvolle Tipps mit auf den Weg.

© iStockBitte zugreifen! Radieschen, Salat, Kräuter, Gurken – der Frühling bietet eine bunte Mischung an köstlichen Lebensmitteln.



1Ich kämpfe mein Leben lang mit dem Gewicht. Soll ich abends Kohlenhydrate weglassen?

Kohlenhydrate sind Energielieferanten und wichtig für Herz, Gerhirn und Muskeln. Man kann sie durchaus dreimal am Tag konsumieren, sollte die Menge abends allerdings reduzieren und zu Vollkornprodukten greifen. Versuchen Sie, zwischen den Hauptmahlzeiten Esspausen einzulegen und vorwiegend Wasser

Tee zu trinken und lernen Sie dadurch einen regelmäßigen Essrhythmus kennen. Beachten Sie, dass gutes Kauen und langsames Essen Sie Ihr Sättigungsgefühl viel früher spüren lässt und sich dadurch Ihre Verzehrsportionen verkleinern.

2Ich habe Arthrose. Welche Lebensmittel tun mir in diesem Fall gut?

Neue Erkenntnisse zeigen, dass man bei Arthrose eher zu pflanzlicher, basischer Kost greifen und mit tierischen Produkten sparsam umgehen sollte. Sehr gut eignen sich bittere Gemüsesorten und die Frühlingswildkräuter Brennessel, Kresse und Sauerampfer, verfeinert mit Gewürzen wie Kurkuma, Ingwer oder einem Löffel Dijon-Senf. Ein- bis zweimal ein kleines Stück Fleisch pro Woche ist aber in Ordnung. Lange war man der Meinung, helleres Fleisch sei besser. Heute weiß man, dass ein Stück Lamm oder Rind aufgrund bestimmter Spezialfettsäuren gerade bei Arthrose geeigneter ist.

3Veganer nehmen Vitamin-B12-Kapseln, um den Bedarf zu decken. Ist das Vitamin B12 in den Kapseln tierischen Ursprungs?

Es gibt eine Vielzahl vegetarischer B12-Kapseln auf natürlicher und synthetischer Basis. Eine natürliche B12-Quelle ist Bierhefe – in Flockenform als Würzmittel verwendbar. Wer sich vegetarisch ernährt, also Milchprodukte und Eier konsumiert, hat in der Regel keinen B12-Mangel und braucht keine Nahrungsergänzung. Allerdings ist es ratsam, regelmäßig seinen Status erheben zu lassen.

4Kann ich Goldhirse roh essen?

Goldhirse kann in Maßen (3–4 Esslöffel pro Tag) roh verzehrt werden. Man sollte sie aber schroten und mindestens acht Stunden in Wasser quellen lassen. Bei Rohgetreiden gilt es zu beachten, dass die enthaltene Phytinsäure freies Kalzium bindet. D. h. man soll- te das Getreide in Wasser quellen lassen und erst kurz vor dem Verzehr mit Joghurt oder Milch mischen. Braunhirse kann auch ohne Quellvorgang ins Müsli gemischt werden.

5Muss man Leinsamen und Chiasamen, bevor man sie ins Müsli mixt, einweichen?

Ja, setzen Sie Ihr Müsli am besten schon am Vorabend mit etwas Flüssigkeit (Wasser oder Fruchtsaft) an. Beachten Sie, dass bereits mit 1 EL = 15 g Chiasaat der tägliche Omega-3-Bedarf gedeckt ist. Mehr ist Ihrem Leberstoffwechsel nicht zumutbar. Chiasamen und Leinsamen sind übrigens 1:1 miteinander vergleichbar. Leinsamen verwendet man besser im Ganzen als in geschroteter Form.

6Wie gesund ist Honig wirklich und wie viel Zucker verbirgt sich darin?

Zucker besteht zu 100 Prozent aus Saccharose, Honig zu 80 Prozent, der Rest sind Mineralien, Pollen, etc. Meine Empfehlung: von beiden so wenig verwenden wie von einem Gewürz und wenn Sie auf natürliche unraffinierte Süße setzen, dann greifen zu Sie hei- mischem Honig – in Maßen.

7Obwohl ich sportlich bin und mich gesund ernähre, wurden bei mir schlechte Leberwerte diagnostiziert. Gibt es Lebensmittel, die meine Leber unterstützen?

Unterstützend wirken hochwertige, pflanzliche Fettquellen, v. a. mit einem hohen Anteil an Omega 3, z. B. Leinöl, Hanföl oder verschiedene Nussöle sowie zumindest einmal pro Woche Fisch mit hohem Anteil ungesättigter Fettsäuren – auch heimische Arten wie Saibling oder Bachforelle. Zucker sollte auf ein Minimum reduziert werden, ebenso Süßstoffe und Zuckerersatzprodukte, da diese den Fettstoffwechsel ebenso belasten.

8Ich mache mir gerne grüne Smoothies. Ist das eventuell bei meiner Abnahme hinderlich?

Wenn ich wasserreiches Gemüse, einen halben Apfel und eine halbe Banane mixe, ist das sicher o. k. Mischt man aber in den Smoothie eine Avocado und eine Banane, ersetzt das kalorienträchtige Mixgetränk mit knappen 500 kcal beinahe eine Hauptmahlzeit.

9Weches Öl ist am gesündesten zum Kochen bzw. für den Salat?

Olivenöl, Leinöl, Hanföl und Walnussöl eignen sich besonders für Rohkost und Salat. Kokosöl besteht aus über 80 % ungünstigen gesättigten Fettsäuren ähnlich dem Butterschmalz – ich halte den Gesundheitsnutzen von Kokosöl für fragwürdig.

10Mir wurde zur Gewichtsreduktion eine Stoffwechselkur mit Globuli HCG empfohlen. Die Kur dauert 6 Wochen, 21 Tage werden 500 Kalorien zu einem genommen. Was halten Sie davon?

HCG-Globuli sollen die Bildung von Wachstumshormonen stimulieren. Dadurch sollen Muskeln aufgebaut und Fett „geschmolzen“ werden. Meine Meinung: Finger weg davon! 21 Tage lang 500 Kalorien – damit unterschreitet man den Grundumsatz, d. h. den täglich nötigen Energiebedarf, der alle lebenswichtigen Funktionen aufrechterhält. Der Jo-Jo-Effekt ist vorprogrammiert.

11Meine Triglyceride-Werte sind sehr erhöht und die Cholesterin-Werte liegen über dem Normalwert. Was kann ich ernährungstechnisch tun?

Man kann hier mit der Ernährung viel erreichen. Um das Ernährungsverhalten genau zu überprüfen, ist es sinnvoll, 14 Tage lang ein genaues Ernährungsprotokoll zu führen. Es ist ratsam, Zucker und Zuckerersatzstoffe massiv zu reduzieren, genau wie süße Früchte, Fleisch und fetten Käse sowie Weißmehlprodukte. Ideal ist eine vegetarische Kost, ergänzt mit Leinöl, Fischöl oder – wer mag – Algen. Ergänzend dazu dreimal die Woche ein 45-minütiges Ausdauertraining. Diese Ernährungsumstellung sollte man vier Wochen probieren und beobachten.

Die Fragen wurden aufbereitet von Nicole Strozzi

Die Expertin

Karin Ratschiller ist Diätologin, Gesundheitsmoderatorin und Ernährungscoach. Ratschiller stammt aus Volders und ist in der Praxisgemeinschaft „Im Zentrum“ in Innsbruck tätig.

Kontakt: office@ernaehrungscoaching-tirol.at oder www.ernährungscoaching-tirol.at