Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.02.2018


Fastenzeit

Fisch war nicht gleich Fisch

Zu Beginn der Fastenzeit wird Fisch aufgetischt. Früher bedeutete das in den Klöstern auch Biber, Fischotter und Dachs. Damit wurden die strengen Fastenregeln umgangen.

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Von Deborah Darnhofer

Innsbruck – Alkohol, Süßes oder die Fleischkäsesemmel am Vormittag? Mit der heute beginnenden Fastenzeit üben sich nicht wenige in Verzicht. Da bleibt der Genuss schnell auf der Strecke. Ein Blick in die Vergangenheit kann die Fantasie beflügeln.

Im Mittelalter waren einige Klösterköche derart große Meister im Tricksen, dass der Verzicht doch noch genussvoll wurde. Kunsthistorikerin und Archäologin Christiane Wabinski vom einzigen europäischen Museum für Klosterkultur im Kloster Dalheim (Lichtenau/D) weiß um den Einfallsreichtum.

Manch einer hätte gelegentlich versucht, mit einer vorgetäuschten Krankheit seinen Speisezettel zu bereichern. Das ist nur verständlich, bedenkt man, dass zunächst auch Milchprodukte wie Butter und Eier verboten waren. Mönche können daher als frühe Veganer bezeichnet werden. „1486 wurde der Verzehr von Milchprodukten durch Papst Innozenz VIII. wieder erlaubt“, verrät die Klosterexpertin.

Britischer Einfallsreichtum: Falsche Eier aus Mandelcreme

Kochbuchautor Norman Foster beschreibt ein Rezept für falsche Eier (aus: „Schlemmen hinter Klostermauern“, Komet Verlag).

„Im Kloster Winchester (in Südengland, Anm.) gab es zur Fastenzeit im Jahre 1203 ,falsche Eier‘ aus pürierter Mandelpaste, mit Honig gesüßt und in zwei Teile getrennt, von denen der eine seine helle Farbe behielt und der andere mit Ingwer, Zimt und Safran – der gelben Farbe wegen – vermengt wurde.

Dann blies man Eigelb und Eiweiß aus der Schale heraus und ersetzte sie vorsichtig durch die beiden Pasten. Diese Eier wurden dann in heiße Asche gelegt und gebacken, danach gesäubert und stolz als ,hartgekochte Eier‘ serviert.“




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