Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.03.2018


Innsbruck

Gasthaus Höttinger Schießstand: ,,Fluch“ soll besiegt werden

Im Gasthaus „Höttinger Schießstand“ wechselten zuletzt gleich mehrfach die Pächter. Jetzt übernimmt eine erst 25-jährige Wirtin das Ruder.

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© Stegmayr



Von Markus Stegmayr

Innsbruck – Die Lage hoch über Innsbruck ist traumhaft. Der Blick von der Terrasse auf Kühe, Schafe und Stadt bezirzt auch den hartnäckigsten Idyllen-Hasser. Die Stuben des Gasthauses sind heimelig. Und dennoch: So richtig gut funktioniert hat der „Höttinger Schießstand“ allem Anschein nach bisher (fast) nie.

Das Unterfangen der erst 25-jährigen Höttingerin Johanna Heis, das Gasthaus als neue Wirtin zu führen, mutet somit durchaus kühn an.

Anbieten will sie bodenständige Tiroler Küche und hausgemachten Kuchen – also nichts, was es nicht schon so oder ähnlich in dieser Lokalität gegeben hätte. Dass Heis dennoch zuversichtlich ist, liegt wohl auch an der Unterstützung durch zwei Personen, die offenbar wissen, wie Wirtshaus geht: Alfred Nikolai und Ingrid Marzari vom Höttinger „Burenwirt“, der sich seit über zehn Jahren wachsender Beliebtheit erfreut, sind am Projekt „Schießstand neu“ maßgeblich mitbeteiligt.

„Die Idee kam bereits vor etwa vier bis fünf Jahren auf, als ich im Burenwirt gearbeitet habe“, erinnert sich Heis. Der Schießstand wäre damals zu haben gewesen, die Pächterin hatte beschlossen, das Handtuch zu werfen. Das zarte Alter von damals 21 Jahren hielt Heis aber davon ab, Nägel mit Köpfen zu machen. Als sich dann aber auch das folgende Pächter-Ehepaar dazu entschied, die Pforten zu schließen, keimte die Idee wieder auf. „Ich habe dann gesagt, dass wir es einfach tun“, sagt Heis selbstbewusst.

Eine gewisse Demut angesichts der bewegten Geschichte des „verfluchten“ Gasthauses merkt man der Neo-Wirtin aber dennoch an. „Es gibt nur einen Koch, eine Kellnerin, die mir über die Stoßzeiten hilft, und eben mich“, sagt sie über das kleine Team, das circa 70 Leute in den Stuben und ungefähr 40 Leute auf der Terrasse bewirten soll. Die Karte ist, dem Personalstand angemessen, relativ klein. Kredenzen wird das Gasthaus ab dem heutigen Samstag etwa Kaspressknödel, Rindsgulasch, Schweinsbraten, Schnitzel, Grillteller und am Wochenende Tafelspitz. Dazu kommen wechselnde Mittagsmenüs.

Eröffnet wird in aller Stille mit dem ganz normalen Tagesgeschäft. „Ich muss zuerst schauen, dass wir alle zusammenspielen“, sagt die junge Wirtin. In Kürze ist dann aber doch eine größere Eröffnungsfeier geplant, der Termin steht jedoch noch nicht genau fest.

„Man muss die Leute hier in Hötting kennen und wissen, wie sie ticken“, führt Heis ihre Wirtshaus-Vision aus. Sie möchte Stammgäste übernehmen, auch Vereine selbstverständlich bewirten und das regionale Brauchtum generell hochhalten. „Ich war selbst bei einigen Vereinen und mag die Traditionen hier heroben“, sagt Heis. Das Geschäft lebe von den Einwohnern des wachsenden Stadtteils und den Wanderern. Mit Hilfe von Eisbechern möchte sie im Sommer nicht zuletzt auch Familien herauflocken.

Die Vorzeichen stehen also nicht schlecht. Jetzt muss wohl nur noch der wie auch immer geartete „Schießstand-Fluch“ abgeschüttelt werden.