Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.05.2018


Kokosnuss

Mit „cocco“ ist alles „bello“

Der Geschmack der Kokosnuss ist im Sommer quasi unverzichtbar. Die Frucht ist facettenreich und gesund. Und trotzdem sollte man lieber nicht zu viel davon essen.

© iStockphotoKokosnuss ist wieder in aller Munde.



Von Kathrin Siller

Innsbruck – Im Frühsommer schlägt nicht bloß die Stunde der kurzen Hosen und Kleider, sondern auch jene einer tropischen Steinfrucht. Willkommen zurück, liebe Kokosnuss! Egal ob Erfrischungsgetränke, Molkedrinks, Joghurt, Knuspermüslis, Schokoladen, Rumkugeln, Cocktails, Duschcremes oder Peelings – nichts scheint im Moment ohne das fruchtige Sehnsuchtsprodukt auszukommen. Gerade wirbt ein Eishersteller mit der neuen Kreation „Schoko Kokos Kuss“ und in den Supermärkten wartet eine ganze Armada an Trink-Kokosnüssen (mit Strohhalm verpackt) auf durstige Zeitgenossen.

Kaum ein Geschmack in der bunten Lebensmittelwelt löst dieses Instant-Sommerwohlgefühl aus – da werden Erinnerungen wach an den „Cocco-Bello-Mann“, der den Lido von Jesolo abmarschierte, an kokospalmengesäumte Südseestrände und den Colada-Cocktail aus dem Karibikurlaub.

Für die Innsbrucker Diätologin Alice Angermann hat das Faible für die exotische Frucht vor allem mit Luxus und Prestige zu tun. „Eine Kokosnuss ist immer noch etwas Besonderes.“ Auch die Sommerfarbe Weiß hat Anteil an ihrem Erfolg: „Weiß gilt als Zeichen für Frische, Leichtigkeit und Reinheit“, sagt Angermann. Das Auge isst eben mit.

Gerade das glutenfreie Kokosmehl löste einen regelrechten Hype aus. „Viele Menschen glauben, an einer Gluten-Sensitivität zu leiden und greifen zu dieser Alternative“, hat die Ernährungsexpertin beobachtet. Auch Fans der Low-Carb-Ernährung sehen in dem „tropischen“ Mehl den Heilsbringer: Es hat nämlich viel weniger Kohlenhydrate als andere Mehlarten und daher einen niedrigeren glykämischen Index. Es schießt nicht so schnell ins Blut und sättigt langfristiger. Eingesetzt wird es wie alle anderen Mehle auch, nur ist es um ein Vielfaches teurer.

Auch das Kokosöl wird in Ernährungsforen rauf- und runtergelobt. Anders als alle anderen Öle ist es nicht flüssig, sondern fest. Punkten kann es mit seinen mittelkettigen MCT-Fettsäuren, die von den Enzymen des Darms nicht gespalten und daher nicht im Körper eingelagert werden. Das bedeutet: Sie werden schneller zur Energiegewinnung herangezogen und sättigen besser.

Wer Kokosfett als Butterersatz verwenden möchte, sollte sich auf den starken Eigengeschmack einstellen. „Qualitativ hochwertiges Kokosöl muss eben nach Kokos riechen. Je stärker es bearbeitet wurde, desto weniger riecht es“, sagt Angermann. Überhaupt lohne sich bei verarbeiteten Lebensmitteln, die exklusiven Kokosgeschmack versprechen, ein Blick auf die Zutatenliste: „Häufig wird Kokos nur als (naturidentes) Aroma verwendet. Echte Frucht sucht man vergeblich.“

Auch in puncto Zuckergehalt gehören viele Produkte eher hinter den Vorhang. Stichwort Kokoswasser: „Ich sehe es nicht als Alternative zum Wassertrinken, sondern als Lebensmittel, das Zucker, Fett und in verarbeiteter Form Emulgatoren und Stabilisatoren enthält“, macht Angermann deutlich. Beispiel: In 250 Millilitern ungesüßtem Kokosdrink können schnell über 16 Gramm fruchteigener Zucker zusammenkommen – das entspricht fünf Würfeln.

Es ist kein Geheimnis, dass die Exoten aus Indonesien, Brasilien oder Sri Lanka importiert werden – die problematische Ökobilanz kauft man sich also zwangsläufig mit. Angermann rät deshalb, Kokosprodukte bloß als Ergänzung oder „Highlight“ auf den Speiseplan zu setzen. Auch Bio-Siegel sind kein Freifahrtschein: Verlangt der Konsument nach mehr Palmenfrüchten, wird die Produktion angekurbelt. Wie gut die Kontrollen in den Herkunftsländern da nachkommen, lässt sich von Kundenseite nicht überprüfen.

Kokoswasser enthält Mineralien, Spurenelemente, aber auch viel Zucker. Tipp: Die frische Kokosnuss vor dem Kauf schütteln: Je frischer die Nuss, desto mehr Wasser ist darin enthalten.

Kokosmilch bezeichnet die Mischung aus Kokosfleisch und Kokos- oder Trinkwasser und wird als fettärmere und vegane Alternative zu Sahne eingesetzt.

Kokosmehl besteht aus Kokosnussfleisch, das getrocknet, entölt und fein gemahlen wird. Dieser so genannte Presskuchen ist glutenfrei, sättigt gut, enthält viel Eiweiß, Fett und Ballaststoffe, aber sehr wenig Kohlenhydrate.

Kokosblütenzucker wird aus dem Nektar der Kokospalme hergestellt und schmeckt nach Karamell. Bei Fruchtzuckerunveträglichkeit ist er nicht geeignet. Der säuerliche Kokosblütenessig wird zum Würzen verwendet.

Kokosraspeln bestehen aus dem getrockneten Fruchtfleisch und sind das bekannteste Kokosprodukt. Sie passen zu Salaten, Müslis oder Süßspeisen.

Kokosmus ist ein Mix aus Fruchtfleisch, Kokosöl und Kokoswasser. Zwei Löffel davon, ein halber Liter Wasser und viele Früchte — fertig ist der Smoothie.

Kokosöl ist fest bis cremig und lässt sich extrem hoch erhitzen, wobei aber der Eigengeschmack verloren geht. Tipp: ein Löffelchen auf das fertige Essen geben. In Kosmetika findet man es unter dem Namen „Cocos nucifera": Ungesättigte Fettsäuren (Feuchtigkeitsspender), Vitamin E (Antioxidans) und Laurinsäure (antimikrobiell) sollen die Haut pflegen.