Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.08.2018


Innsbruck-Land

Bio-Bergbauernfest in Hall: “Wertvoll für Mensch und Tier“

Am 8. September erlebt das Bio-Bergbauernfest in der Haller Altstadt seine 16. Auflage. Den Veranstaltern geht es vor allem um Bewusstseinsbildung bei den Konsumenten.

© DomanigDie Produktvielfalt von Tirols Biobauern soll in Hall einmal mehr ins Bewusstsein gerückt werden (v. l.): Christina Ritter (Obfrau Bio Austria Tirol), Anny Franzelin (Stadtmarketing), Dir. Erich Plank von der Raiffeisen Regionalbank Hall, die das Fest unterstützt, Bioalpin-Obmann Heinz Gstir und Rinderzüchter Werner Hofer. Foto: Domanig



Von Michael Domanig

Hall – „In der Haller Altstadt finden jährlich rund 40 Feste statt – aber das Bio-Bergbauernfest zählt zu den absoluten Höhepunkten“, freut sich der Haller Vizebürgermeister Werner Nuding. Bei der 16. Auflage der Großveranstaltung – am Samstag, den 8. September, von 10 bis 17 Uhr am Stiftsplatz – treten wieder Biobetriebe aus ganz Tirol mit ihren Produkten vor den Vorhang. Die Erzeugergenossenschaft Bioalpin mit der zugehörigen Marke „Bio vom Berg“, der Verein Bio Austria Tirol und das Stadtmarketing Hall rechnen als Veranstalter einmal mehr mit regem Besucherandrang.

„Bio-Berglandwirtschaft – wertvoll für Mensch und Tier“ lautet das heurige Motto. Stellvertretend für die regionale Produktvielfalt beim Fest steht der Rinderzüchter und Fleischsommelier Werner Hofer aus Oberndorf: Er hat sich – als Erster in Tirol – u. a. auf die Zucht von Wagyu-Rindern, einer Rasse japanischen Ursprungs, spezialisiert, die als teuerste Rinder der Welt gelten und für ihr marmoriertes, mit Fett durchzogenes Fleisch geschätzt werden. Während die Tiere in Japan heute aber in dauernder Anbindehaltung ihr Dasein fristen müssten und nur Getreidefutter erhielten, füttere er sie mit Gras und Heu, wie es der natürlichen Ernährung eines Wiederkäuers entspreche. Das Fleisch sei im Ergebnis zwar weniger marmoriert, schmecke aber besser und sei gesünder.

„Bio und regional müssen Hand in Hand gehen“, ist sich Hofer mit Christina Ritter, Obfrau des Vereins Bio Austria Tirol, einig. Genauso sieht das auch Heinz Gstir, Obmann von Bioalpin: Die kleinstrukturierte, regionale Bio-Landwirtschaft bringe nicht nur bessere, „fitte“ Produkte hervor – so enthalte Milch von Kühen aus Almhaltung besonders hohe Anteile an Omega-3-Fettsäuren –, sondern sichere auch die Lebensgrundlagen: „Mit jedem Biobauern, den Tirol verliert, geht auch ein Stück Biodiversität verloren.“

Dieser Entwicklung versucht „Bio vom Berg“ gegenzusteuern: Inzwischen würden Produkte von knapp über 600 bäuerlichen Familienbetrieben in irgendeiner Form über diese Drehscheibe vermarktet, so Gstir. Der Jahresumsatz der 2003 gegründeten Marke liege bei ca. zehn Mio. Euro: „Dabei hat man mir damals einen betriebswirtschaftlichen Bauchfleck prophezeit.“

Wie breit das Spektrum an Tiroler Bioprodukten ist, werden beim Fest über 40 Marktstände beweisen. Am Stand von „Bio Austria“ in der Rosengasse warten zudem Infos und ein Schätzspiel zur Frage „Was ist unser Essen wert?“. Kurzfilme zu den Themen „Was ist bio?“, „Kreislaufwirtschaft“ und „Tierwohl“ sind in der Volksschule am Stiftsplatz zu sehen. Der „Tiroler Eigenbrötler“ bäckt gemeinsam mit den Festbesuchern, speziell auch mit Kindern. Auf diese wartet generell ein buntes Programm, von der Projektgruppe „Schmatzi – mit allen Sinnen genießen“ bis zu einem Streichelzoo mit seltenen und alten Tierrassen.

Das Bio-Bergbauernfest wird heuer laut Ritter erstmals als „Going Green Event Tirol“ ausgerichtet, also möglichst umweltschonend organisiert. So setzt man zur Abfallvermeidung auf Mehrweggeschirr und bittet die Gäste um Anreise per Öffis oder Rad.