Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 02.10.2018


Genuss

Ein Bewerb, viele Gewinner: Tiroler Koch holt Silber bei Berufs-EM

Koch Michael Ploner (24) aus Nauders kehrt als Silbermedaillengewinner von der Berufs-EM heim. Seinem Beruf bringt er so mehr Ansehen und der Kochnation neuen Schwung.

In Budapest holte Michael Ploner die Silbermedaille.

© Skills AustriaIn Budapest holte Michael Ploner die Silbermedaille.



Von Deborah Darnhofer

Innsbruck – Die Silbermedaille ist verstaut, ebenso Kochmütze, Schürze und Messer. Eine Bohrmaschine schnallte Michael Ploner aus Nauders kurzerhand auch noch auf den Koffer. „Die haben wir beim Empfang der Wirtschaftskammer geschenkt bekommen“, lacht der 24-Jährige, als die TT ihn gestern am Telefon erreicht.

Dem Jungkoch aus Nauders fehlten bei den Euroskills in Budapest, einer Art Berufs-EM, nur wenige Punkte auf den ersten goldenen Platz. „Es ist cool, war aber auch extrem anstrengend. Beim Bewerb muss sich jeder immer wieder auf etwas Neues einstellen“, erzählt Ploner, der amtierender Staatsmeister ist und die Ausbildung zum Küchenmeister erfolgreich absolviert hat. In Budapest musste er in je vier Stunden zwei Drei-Gang-Menüs kreieren und ein Schnellkochen überstehen.

Dafür ist er seit dem Frühjahr geschätzte 100 Stunden in der Küche gestanden, hat Schnitttechniken geübt, Garmethoden erprobt und an Geschmackskompositionen getüftelt. Und das alles neben seiner Arbeit im elterlichen Betrieb, im Hotel Central in Nauders. Ein berufsbegleitendes Wirtschaftsstudium macht der ehrgeizige 24-Jährige noch nebenbei.

Viele Stunden voll Arbeit, Schweiß und Mühe: Sie scheinen ihm wenig auszumachen. „Ich freue mich jetzt auch auf ein paar ruhige Tage. Doch ich mache gerne bei Wettbewerben mit. Der Beruf bekommt gerade durch so eine EM eine tolle Wertschätzung“, meint Ploner. „Uns Gewinnern ist zugejubelt worden wie im Fußballstadion.“ Durch die errungenen Erfolge könnte das Ansehen des Kochberufs wieder steigen, glaubt er. Der viel diskutierte Fachkräftemängel lässt ihn schließlich nicht kalt. Dabei geht es aber nicht nur um eine Vorbildwirkung für künftige Lehrlinge. Wer bei solchen Wettbewerben gewinnt, dem wird zudem besondere Kompetenz zugeschrieben – und davon kann ein ganzes Land profitieren.

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- Euroskills

„Die Rolle des Kochs als Imageträger ist in Österreich riesengroß“, meint dazu Ploners Trainer Philipp Stohner vom Kochverband und Wifi Tirol. Mit Michael Ploner als quasi zweitbestem Jungkoch in Europa darf sich Österreich wieder als Kochnation feiern lassen. Blickt man in die heimische Tourismusbranche, hat die Profilierung hin zu gehobener gastronomischer Größe ja gerade Saison.

Galten in den letzten Jahren die nordischen Länder als Koch-Aushängeschilder, versalzen ihnen die Österreicher nicht aber erst seit den Euro­skills die Suppe. Schon bei der Kocholympiade 2016 konnte das heimische Juniorennationalteam zwei Goldmedaillen erkochen. Ende November bei der Koch-WM in Luxemburg soll es für Ploner, drei weitere Tiroler und einen Oberösterreicher in dieser Manier weitergehen. „Wir haben uns in der Szene einen Namen gemacht. Die Skandinavier nehmen uns jetzt als Konkurrenten wahr. Wir sind klein, haben aber gute Chancen“, prophezeit Stohner.

Sein Team sei „motivierter denn je“, besonders nach Ploners Silbermedaille. Sie alle würden neben Können Liebe und Leidenschaft für den Beruf zeigen. Und wer im Wettbewerb bestehe, der meistere fast alle Lebenslagen.