Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.10.2018


Genuss

Aus Rest wird ein Tellerfest

Der halbleere Kühlschrank hat mehr zu bieten, als man denkt: Zwei neue Bücher suchen nach dem Besten aus Essensresten. Denn für den Müll sind Lebensmittel zu schade.

Topfsuppe von Buchautor Vincent Fricke.

© Vivi dAngelo/Umschau VerlagTopfsuppe von Buchautor Vincent Fricke.



Von Deborah Darnhofer

Innsbruck — Der Magen leer und der Kühlschrank vermeintlich auch: Schrumpelige Karotten, vertrocknete Wurstblätter und fast abgelaufene Eier finden sich darin. Draußen am Küchentisch wartet nur altbackenes Brot auf einen Abnehmer. Essensreste erscheinen auf den ersten Blick wenig appetitlich und schon gar nicht magenfüllend. Allzu schnell landen sie deshalb im Müll. Heute werden rund ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel weggeworfen — obwohl sie genießbar wären. Von den pro Jahr in Österreichs Haushalten anfallenden 366.700 Tonnen Lebensmittelabfällen gelten etwas weniger als zwei Drittel (206.000 Tonnen) als vermeidbarer Abfall.

„Nicht alles ist Mist!“ ist ein Wegweiser von Tirols bekannter Diätologin Angelika Kirchmaier. Sie klärt darin v. a. über verdorbene Lebensmittel, Fehler und Tricks bei der Lagerung auf. 144 Seiten, 7 Rezepte. Tyrolia Verlag, 14,95 Euro.
„Nicht alles ist Mist!“ ist ein Wegweiser von Tirols bekannter Diätologin Angelika Kirchmaier. Sie klärt darin v. a. über verdorbene Lebensmittel, Fehler und Tricks bei der Lagerung auf. 144 Seiten, 7 Rezepte. Tyrolia Verlag, 14,95 Euro.
- Tyrolia Verlag

„Ein Grund für den Wegwerfwahnsinn im Haushalt liegt darin, dass der Mensch verlernt hat, ein verdorbenes von einem genießbaren Lebensmittel zu unterscheiden", erklärt Tirols bekannte Diätologin Angelika Kirchmaier. Otto Normalverbraucher verlasse sich nicht mehr auf seine eigenen Sinne, um festzustellen, ob ein Produkt noch genießbar ist. Kirchmaier liefert deshalb in ihrem neuen Buch („Nicht alles ist Mist!", Tyrolia Verlag) hilfreiche Tricks, klärt über die richtige Lagerung auf und gibt einige Kochanleitungen.

So wird aus den schrumpeligen Karotten im Handumdrehen eine Gemüsesuppe, aus Wurst und Eiern ein Omelette und aus altbackenem Brot ein süßer Armer Ritter („French Toast"). Die kulinarischen Möglichkeiten sind zweifelsohne vorhanden, oft mangelt es jedoch am Wissen, was gekocht werden kann. „90 Prozent der Menschen werfen Reste weg, die sie nicht hätten wegschmeißen müssen", meint Vincent Fricke. Der Münchner Koch und Caterer hat ebenfalls ein Buch zum Thema herausgebracht („Leftover", Umschau Verlag). „Gerade, wenn man viel nach Rezepten kocht, weiß man nicht, was man anderes aus den Resten machen kann", sagt Fricke. Er spricht sich gegen „Rezeptpingeligkeit" aus und will Mut machen, kreativ zu kochen.

„Leftover“ vom Koch und Catering-Unternehmer Vincent Fricke aus München will zeigen, dass Essensreste nicht weggeworfen werden müssen. Er liefert jede Menge Anleitungen. 256 Seiten, 70 Rezepte, Umschau Verlag, 35 Euro.
„Leftover“ vom Koch und Catering-Unternehmer Vincent Fricke aus München will zeigen, dass Essensreste nicht weggeworfen werden müssen. Er liefert jede Menge Anleitungen. 256 Seiten, 70 Rezepte, Umschau Verlag, 35 Euro.
- Vivi d'Angelo/Umschau Verlag

Das Rad — oder Rezept — neu zu erfinden, sei dafür nicht nötig. Wer erinnert sich nicht an den Gemüseauflauf bei Oma oder die Pofesen zum Nachtisch. Für unsere Großmütter war es selbstverständlich, möglichst keine Lebensmittel in die Tonne und möglichst viel auf die Teller zu befördern.

Für viele Spitzenköche gilt das übrigens noch heute. „Koch des Jahres" Benni Parth serviert schon mal den Strunk vom Broccoli und selbst Gemüseschalen bilden eine Suppenbasis. Zu Hause können Bratenreste vom Sonntag im Tomatensugo oder Jausenbrot landen. So bleibt der Müll, nicht aber der Magen leer.

Armer Ritter ("French Toast") von Fricke

Was da sein sollte: 2 Scheiben Brot (z. B. Toast, Brioche, Zopf), 50 ml Milch, 1 Ei, Zucker, Zimt (gemahlen), Pflanzenöl.

Wie es gelingt: Milch, Zucker, Ei und Zimt verrühren. Brotscheiben in die Ei-Milch-Mischung legen und vollsaugen lassen. (Je nach Härtegrad kann das auch mal zehn Minuten dauern.) Eine Pfanne auf mittlerer Hitze erwärmen und etwas Öl hineingeben (bodenbedeckt). Brot in der Pfanne langsam goldgelb ausbacken.

Was auch funktioniert: Dazu z. B. ein Kompott aus überreifen Früchten servieren. Werden Zimt und Zucker weggelassen, können deftige „French Toasts" entstehen. Chili, Paprika und andere Gewürze (z. B. Majoran, Oregano) wahlweise in die Ei-Milch-Mischung rühren.

Arme Ritter („French Toast“) von Fricke.
Arme Ritter („French Toast“) von Fricke.
- Vivi d'Angelo/Umschau Verlag