Letztes Update am Di, 06.11.2018 13:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Voting gestartet

„Goldener Windbeutel 2018“: Dreisteste Werbelüge gesucht

Überall im Supermarkt ist Verbrauchertäuschung an der Tagesordnung. Hersteller lassen sich immer neue Tricks einfallen, um Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen, klagt Foodwatch. Deshalb stehen auch in diesem Jahr fünf Produkte für den größten Schwindel zur Wahl.

© FoodwatchDie Kandidatenliste 2018.



Innsbruck – Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat auch in diesem Jahr fünf Produkte für ihren Negativpreis „Goldener Windbeutel“ nominiert. Verbraucher können ab heute bis zum 02. Dezember über die „dreisteste Werbelüge“ des Jahres abstimmen. Zur Wahl stehen das „Glacéau Smartwater“ von Coca-Cola, das „Bratöl Olive“ der Bio-Marke Dennree, der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke „Gut und Günstig“, der „Kids Tomato Ketchup“ von Heinz und der „Corny Milch“-Riegel von Hersteller Schwartau.

Verbraucher hatten in den letzten Wochen auf schummelmelder.de, der neuen foodwatch-Beschwerdeplattform gegen Werbelügen, mehr als 100 ganz unterschiedliche Produkte hochgeladen, von denen sie sich getäuscht fühlen. Alle eingereichten Mogelprodukte flossen in die Kandidatenauswahl für den Goldenen Windbeutel 2018 ein.

Voting

Hier geht's zur Abstimmung: go.tt.com/2DoDP2F

Die Kandidatenliste

GLACÉAU SMARTWATER von Coca-Cola: Hinter dem groß beworbenen „Dampf-destillierten“ Wasser steckt ein simpler Trick: Das Wasser wird zuerst verdampft und dann wieder aufgefangen. Verloren gegangene Mineralstoffe werden später künstlich wieder hinzugefügt. Diesen ernährungsphysiologisch völlig unnützen Vorgang müssen Verbraucherinnen und Verbraucher teuer bezahlen: Mit 1,65 Euro pro Liter ist das „Smartwater“ bis zu sieben Mal teurer als herkömmliches Mineralwasser. Aus Sicht von foodwatch eine dreiste Abzocke mit dem Grundnahrungsmittel Wasser.

BRATÖL OLIVE von Dennree: Bio-Pionier Dennree nennt sein Produkt „Bratöl Olive“ und spricht von „reinem Genuss“. Dabei besteht es zur Hälfte aus weniger hochwertigem Sonnenblumenöl. Der Name Bratöl Olive suggeriert einem hingegen, dass es sich ausschließlich um Olivenöl handelt. Es enthält aber nur 51 Prozent Olivenöl.

ERBSENEINTOPF Gut und Günstig von Edeka: Der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke Gut und Günstig kommt naturbelassen daher – auf der Vorderseite der grünen Dose verspricht Edeka werbewirksam „Garantiert ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe und Farbstoffe“ und suggeriert damit eine traditionelle Herstellungsweise. Was erst die Zutatenliste im Kleingedruckten auf der Rückseite offenbart: Trotzdem sind ganze zehn Zusatzstoffe enthalten, von einem naturbelassenen Eintopf ist das Produkt also weit entfernt.

KIDS TOMATO KETCHUP von Heinz: Mit dem Ketchup speziell für Kinder zockt Heinz Eltern ab: Die Kids-Variante kostet bis zu 40 Prozent mehr als das Pendant für Erwachsene, obwohl der Ketchup exakt der gleiche ist. Hinzu kommt: Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollten gezuckerte Ketchups gar nicht bei Kindern beworben werden.

CORNY MILCH von Schwartau: Hersteller Schwartau bewirbt seinen Corny-Riegel wie eine gesunde Zwischenmahlzeit mit Aussagen wie „ideal für den kleinen Snack mit Milch zwischendurch“ oder „mit dem Plus an Calcium“. Tatsächlich besteht das Produkt zur Hälfte aus Zucker und Fett.

Dem Hersteller des Produkts mit den meisten Stimmen will Foodwatch den Negativpreis am Firmensitz überreichen. Mit der Online-Abstimmung will die Verbraucherorganisation auf Täuschung im Lebensmittelbereich aufmerksam machen und Druck machen für bessere gesetzliche Kennzeichnungsregeln.

In diesem Jahr vergibt Foodwatch den Negativpreis zum achten Mal. Beim letzten Mal 2017 wählten Verbraucher den Alete „Kinderkeks“ zur „Werbelüge des Jahres“. (TT.com)