Letztes Update am Do, 13.06.2019 13:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Magazin

Schon Maximilian baute Wein an: Tiroler Winzer verteidigen ihren Ruf

Wein muss nicht immer aus südlichen Ländern kommen. Was Kaiser Maximilian versuchte, setzen Tiroler Winzer nun um: Der Bergwein gewann schon Auszeichnungen.

Armin Schütz besitzt auf 900 Metern Höhe in Pians 360 Weinstöcke.

© TT/Thomas BöhmArmin Schütz besitzt auf 900 Metern Höhe in Pians 360 Weinstöcke.



Von Manuel Lutz

Bei Wein aus Tirol kommt wohl so mancher Sommelier ins Zweifeln. Kann da die Qualität passen? Allerdings baute bereits Kaiser Maximilian Anfang des 15. Jahrhunderts Wein an. Dafür wählte er Standorte in der Nähe der Martinswand in Zirl sowie Hänge unterhalb des ehemaligen Thaurer Schlosses.

Kaiser Maximilian war einer der Förderer des mittelalterlichen Weinbaus in Tirol.
Kaiser Maximilian war einer der Förderer des mittelalterlichen Weinbaus in Tirol.
- TT/Thomas Böhm

Aber auch damals gab es den Klimawandel schon und dieser wurde beim kaiserlichen Vorhaben zum Spielverderber, wie Kurt Neurauter vom Tiroler Weinbauverband erklärt: „Die kleine Eiszeit machte klimatechnisch einen Strich durch die Rechnung. Es war nicht mehr möglich, Wein anzubauen.“

Vor etwas mehr als 20 Jahren wurde Maximilians Idee jedoch wieder aufgegriffen. Einer der Vorreiter war Peter Zoller, der 2011 den Weinbauverband gründete. „Wir bekommen fast wöchentlich Anfragen, die Leute wollen wissen, wo man Wein anbauen kann. Man kann fast von einem Boom sprechen“, berichtet Neurauter.

Vor allem in den vergangenen zehn Jahren schossen immer mehr Reben aus den Tiroler Böden. Begünstigt durch den Klimawandel: „Man weiß, dass es eine gewisse Anzahl an Sonnenstunden sowie die nötige Temperatur braucht. Aufgrund des Gefühls, dass es immer wärmer wird, kommen immer mehr Leute auf den Geschmack und bauen Wein an“, weiß Neurauter.

Während der Trank des Kaisers scheinbar keinen allzu hohen Anklang fand – das Kloster Tarrenz bat etwa darum, lieber Geld zu erhalten als Wein, da dieser nicht trinkbar sei –, ist das heutige Produkt hochwertig. „Die Tiroler Weine bekommen die höchsten Auszeichnungen, ein Beispiel ist der Chardonnay von Peter Zoller. Das freut uns sehr“, so Neurauter. Klassifiziert wird er als Bergwein, das Angebot ist weitreichend. „Sauvignon Blanc, Gewürztraminer bei den Weißen sowie Pinot noir oder Zweigelt bei den Roten“, nennt Neurauter Beispiele.

Wir bekommen fast wöchentlich Anfragen, die Leute wollen wissen, wo man Wein anbauen kann.
Kurt Neurauter, Tiroler Weinbauverband

Insgesamt sind in Tirol derzeit 13 Hektar mit Rebstöcken bepflanzt – in Südtirol hat ein mittlerer Weinbauer etwa einen Garten dieser Dimension. Die meisten Reben sind im Oberland und im Mittelgebirge zu finden. „Auch im Zillertal, Osttirol sowie in Thaur gibt es Winzer. Man muss aber sagen, dass das Oberland prädestiniert ist“, erklärt Neurauter. Insgesamt sollen es an die 80 Weinbauer in ganz Tirol sein, 62 davon sind Mitglied des Weinbauverbands.

Mit den südlichen Nachbarn will man sich aber nur bei der Qualität messen – Massenproduktion ist nicht das Ziel und sei auch gar nicht möglich: „Die Flächen sind einfach beschränkt.“ Dafür ist die Nachfrage groß: Professionelle Anbauer platzieren ihre Ernte in der Gastronomie in ausgewählten Restaurants. „Der Wein von diesem Jahr wurde schon verkauft, bevor er überhaupt gewachsen ist. Der Trend geht einfach zu regionalen Produkten.“

Für den Großteil der Weinbauern ist das Ganze jedoch nur ein Hobby, es wird nur für den Eigenverbrauch produziert. Ein Gläschen zu ergattern ist daher gar nicht so einfach.

Besonders gut wird in seinem Garten der Solariswein (r.). Produziert werden aber auch Rot- und Roséweine.
Besonders gut wird in seinem Garten der Solariswein (r.). Produziert werden aber auch Rot- und Roséweine.
- TT/Thomas Böhm

Um aber jedem Interessierten die Möglichkeit zu geben, bei einer Verkostung teilzunehmen, laden die heimischen Winzer am 15. Juni (16–21 Uhr) im Stift Stams dazu ein. „Stams hat ein sehr schönes Ambiente, dieses Jahr haben wir sogar erstmals den Zugang zum Kloster und können in den Arkaden sein, das passt perfekt zum Wein“, freut sich Neurauter auf das Event. Das Ziel sei es, die Veranstaltung immer noch attraktiver zu machen: „Der heurige 500. Todestag von Kaiser Maximilian ist sicher hilfreich für die Popularität.“

Bei der fünften Auflage stehen Weine des vergangenen Jahres bereit. So auch jene von Armin Schütz aus Pians. Seit 25 Jahren geht er seinem Hobby nach.

Dass aller Anfang schwer ist, merkte Schütz sehr schnell, die erste Ernte war nicht wie erwartet: „Früher hatte ich Sorten wie den Portugieser, die sich auf 900 Metern Höhe nicht wohlfühlen. Innerhalb kurzer Zeit waren fast alle Stöcke kaputt.“

Mittlerweile setzt er vor allem auf Solaris: „Der ist ideal, die weiße Traube fühlt sich wohl.“ Mit seinen 360 Weinstöcken konnte Schütz im vergangenen Jahr 80 Liter Weißwein sowie 200 Liter Roséwein abfüllen. „Da ich noch genug Rotwein hatte, machte ich spontan Rosé. Dieser hat den Namen Maximilian. Benannt aber nicht nach dem Kaiser, sondern nach meinem Sohn“, erzählt Schütz. Der Großteil seiner Ernte wird von der Familie und Freunden getrunken, ein kleiner Teil verkauft. Der Landecker hält sich dabei an die Bio-Richtlinien und verzichtet auf Fungizide, Insektizide sowie Herbizide. „Ich möchte einen Wein haben, bei dem nicht so viel eingegriffen wird“, ist die Devise von Schütz.

Natürlich muss man dabei auf viele Faktoren achten und sich das nötige Know-how aneignen. Der Zusammenhalt von den heimischen Weinbauern ist dabei eine Hilfe, um einen qualitativ hochwertigen Bergwein zu erhalten.