Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.08.2019


Bezirk Kufstein

In Kundl fließt so wie früher das selbstgebraute Bier

Vor Hunderten Jahren gab es in Kundl eine Brauerei, Vereine brauten den Gerstensaft nach.

Begleitet von den Schützen ging es für Gambrinus und ein 100-Liter-Fass des Kundler Bieres erstmal eine Runde durchs Dorf.

© HaunBegleitet von den Schützen ging es für Gambrinus und ein 100-Liter-Fass des Kundler Bieres erstmal eine Runde durchs Dorf.



Von Florian Haun

Kundl – Jeder kennt das Gebäude in Kundl, in dem heute ein Pharmakonzern Medikamente produziert. Doch nur wenige wissen, dass sich in diesem ehemaligen Schloss Hocholtingen Mitte des 17. Jahrhunderts eine Brauerei befand. Schnell erfreute sich das Kundler Bier großer Beliebtheit, die Nachfrage wuchs und die Brauerei wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach ihren Besitzer. Der Rohstoffmangel zum Ende des Zweiten Weltkriegs bedeutete allerdings das Aus für die Brauerei.

Anfang des heurigen Jahres beschloss der Kundler Heimatverein in Zusammenarbeit mit dem Oldtimer­verein „Die Zsomkrostn“, dem Tennisverein TC Kundl sowie der örtlichen Schützenkompanie, das Bier nachbrauen zu lassen. Das Originalrezept dazu stellte Hobbyhistoriker Jakob Mayer zur Verfügung.

Um so detailgetreu wie möglich zu sein, füllten die Vereinsmitglieder im Juni wie einst die Mitarbeiter der Brauerei rund 400 Liter Wasser aus der Quelle „Kalter Brunnen“ in der Kundler Klamm ab. Diese wurden dann in die Brauerei Ebner nach Absam gebracht, wo das obergärige Bier mit einem Alkoholgehalt von rund 4,5 Volumenprozent gebraut wurde und bis vor wenigen Tagen reifen durfte.

Gambrinus Christoph Sappl gebührte die Ehre, das Bier zu verkosten.
Gambrinus Christoph Sappl gebührte die Ehre, das Bier zu verkosten.
- Haun

Gestern erfolgte dann beim Nostalgie-Tennisturnier der offizielle Bieranstich durch Gambrinus Christoph Sapp­l, der zuvor auf einem Hunderte Jahre alten Leiterwagen aus der ehemaligen Kundler Brauerei durchs Dorf zog.

Jeder der vier Vereine wird bei einem Fest 100 Liter des Kundler Bieres ausschenken. Der nächste Termin ist beim Oldtimerumzug der „Zsomkrostn“ am 31. August. Tags darauf lädt die Schützen­kompanie zum Frühschoppen. Bei der Ausstellung des Kundler Heimatvereins (18. bis 26. Oktober) fließt dann der letzte Tropfen des schmackhaften Bieres.