Letztes Update am Mi, 13.11.2019 13:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Genuss

Fünf Apfel-Fakten: Ein alter Bekannter ist richtig modern

Was ein Apfel mit seiner Schale alles kann, geht richtig unter die Menschenhaut. Trotzdem nimmt der Biss in das gesunde Obst hierzulande laut Umfrage ab. Fünf Gründe, warum es eine Umkehr benötigt.

Täglich in den Apfel zu beißen und ihn zu verspeisen, kann das Schlucken von Medikamenten verhindern.

© iStockphotoTäglich in den Apfel zu beißen und ihn zu verspeisen, kann das Schlucken von Medikamenten verhindern.



Von Susann Frank

1. Einfacher Alleskönner

Wenn Regina Norz anfängt, vom Apfel zu sprechen, ist die Obfrau von TirolObst beim Landesverband der Tiroler Erwerbsobstbauern kaum einzubremsen. „Der Apfel ist ein sehr praktischer Alleskönner", preist die Thaurerin die Pflanzengattung der Kernobstgewächse an. Durch sein breites Spektrum an Inhaltsstoffen — wie über 30 Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe — liefert er einen schnellen, aber gesunden Energiestoß. „Das ist gut für die Konzentration in Schule und Arbeit, aufgrund der enthaltenen natürlichen Frucht- und Traubenzucker hält die Energie länger an", und obendrauf mindert er den Hunger auf industriell zubereitete Süßigkeiten. Norz betont: „Der Apfel hat eine gesunde Süße." Er besteht zu 85 Prozent aus Wasser und hat nur rund 60 Kilokalorien (kcal). Das enthaltene Kalium ist ein guter Gegenspieler zum Natrium (Salz), welches im heutigen Essen so häufig enthalten ist.

2. Natürliche Gesundheitspolizei

Äpfel können fast so gut vor Herzinfarkt schützen wie Medikamente, da sie den Cholesterinspiegel effektiv senken. Einzige Bedingung: Ein täglicher Verzehr ist Pflicht. Der 150 Jahre alte englische Spruch „An apple a day keeps the doctor away" hält den Arzt jedoch nicht nur bezüglich Herzinfarkt fern, sondern mindert auch das Risiko, an Krebs oder Diabetes mellitus zu erkranken. Verantwortlich sind die im Apfel enthaltenen Pektine.

Sie zählen zu den löslichen Ballaststoffen und sind hochkomplexe Kohlenhydrate. Sie haben ein hohes Wasserbindungs- und Quellvermögen, worauf auch ihre verdauungsfördernde Wirkung zurückzuführen ist. „Die Pektine saugen somit unerwünschte Giftstoffe aus dem Darm, der Körper kann sie auf natürliche Weise ausscheiden", bringt es Norz auf den wichtigen Punkt. Der Apfel ist zwar immer noch mit 19 Kilo pro Kopf des Österreichers liebstes Obst, sein Verzehr hat laut RollAma-Umfrage im Laufe der vergangenen Jahre jedoch abgenommen. Das soll sich wieder ändern.

Fakten

  1. Saure Äpfel enthalten mehr Fruchtzucker als süße.
  2. Bis zu 70 Prozent der Vitamine sind direkt unter der Schale (ungeschält essen!).
  3. Hausmittel: Geriebener Apfel hilft gegen Durchfall, weil er die Flüssigkeit im Darm bindet.
  4. Trüber Apfelsaft ist gesünder, weil er mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthält.
  5. Bei Raumtemperatur reifen Äpfel 10-mal schneller als bei Kellertemperatur.

3. Vielfältiges Erlebnis

Sie mögen es süß-sauer oder säuerlich knackig? Oder bevorzugen Sie ein exotisches Geschmackserlebnis? Was Sie auch immer präferieren, bei 20.000 Sorten weltweit ist für jede Geschmacksrichtung etwas dabei. „Das Aromaspek­trum ist äußerst breit", erklärt Norz. Mit ihrem Betrieb in Thaur ist sie eine von rund 100 Obstbauern in Tirol, die an die 20 gängige Sorten ab Hof verkaufen oder auf Bauernmärkten anbieten. „Im Handel sind aufgrund des Platzes jedoch nur an die sechs Hauptsorten erhältlich", weiß Norz.

Allerdings ist nicht nur die Auswahl groß, sondern auch die Möglichkeiten des Verzehrs. Ob gekocht, gebacken, gerieben oder gepresst: Der Apfel behält seine gesunden Inhaltsstoffe. „Beim Saft jedoch nur als Direktsaft. Ein Apfelsaft im weltweit gehandelten Tetrapak ist damit nicht vergleichbar", hebt Norz hervor. Die Tiroler Obstbauern bieten meist naturtrüben Apfelsaft an.

4. Kraftvolles Zubeißen

Wer auch noch morgen kraftvoll zubeißen will, muss nicht auf eine bestimmte Zahnpasta zurückgreifen, wie es eine Werbung seit Jahrzehnten suggerieren will. Das Verspeisen der von einer Schale geschützten Frucht hat denselben Effekt. „Der Apfel ist ein guter Ausgleich zum heutigen zahlreichen Softfood auf dem Markt", erörtert Norz. Die Erfahrung habe jedoch gezeigt, dass manche Menschen, vor allem Kinder und Senioren, sich scheuen, herzhaft reinzubeißen. „Es hat sich ­bewährt, den Apfel in Spalten zu schneiden. Damit fällt die Hemmung ab", weiß Norz. Es ist ein kleiner Tipp, um Klein und Groß zum „Beißen zu animieren".

Rezept

Tiroler Bratapfel-Fruchtaufstrich — ein Rezept der Tiroler Bäuerinnenorganisation.

Zutaten: ca. 1,4 kg Äpfel; 500 g Gelierzucker 2:1; ½ TL Zimt; ½ TL Vanille Bourbon Zucker; 3 EL Zucker; Saft von ½ Zitrone; 1 EL Rum.

Zubereitung:

  1. 1. Äpfel waschen, schälen, vierteln und entkernen. 1 kg abwiegen und klein würfeln (ca. 1 x 1cm).
  2. 3 EL Zucker in einer großen Pfanne goldbraun karamellisieren. Äpfel dazugeben (Zucker wird zu Karamellstücken) und 10 bis 15 Minuten bei niedriger Temperatur unter Rühren kochen, bis sich die Karamellstückchen wieder aufgelöst haben.
  3. Den Pfanneninhalt mit Gelierzucker, Zimt, Vanille Bourbon Zucker und Zitronensaft vermischen.
  4. Unter Rühren zum Kochen bringen. Die Marmelade bei mittlerer Hitze etwa 3 bis 4 Minuten kochen lassen. Die Gelierprobe machen
  5. Eventuell entstandenen Schaum abschöpfen. Den Topf vom Herd nehmen und den Rum einrühren.
  6. Die Marmelade sofort in saubere, heiß ausgewaschene Gläser füllen und verschließen.

Seit 9. November gibt es den Aufstrich in Tyrolia-Filialen zu kaufen. Der gesamte Erlös geht an „Rettet das Kind".

5. Hippes Vergnügen

Unser Alltagsleben wird durch die Technik immer schneller — aber der traditionelle Apfel bleibt voll am Ball. „Denn was ist schneller in die Tasche gesteckt als ein Apfel?" Eine rhetorische Frage der 53-jährigen Norz. Schließlich passt die zwischen 140 g (Rubinette, kleiner Apfel) und 228 g (Jonagold, großer Apfel) leichte Frucht fast in jede Tasche. Sie benötigt keine Verpackung.

Doch nicht nur damit kann das Kernobst in Sachen Nachhaltigkeit punkten. Wer auf heimische Sorten zurückgreift, der verbessert die Ökobilanz, weil kein Fahr- oder Flugzeug ihn weit transportieren musste. Zudem ist die Frucht aus Tirol auch fast das ganze Jahr verfügbar. Einmal, weil es Sorten gibt, die früher bzw. später geerntet werden. Zum anderen können Äpfel in kühlen Räumen gut gelagert werden, sodass sie sich bestenfalls bis zum Sommer des nächsten Jahres halten können. Und: Jeder Apfel, der anstelle von Produkten tierischen Ursprungs gegessen wird, ist ein Beitrag zum Tier- und Umweltschutz.




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