Letztes Update am Fr, 24.04.2015 08:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Genuss

Mangelware Bioschwein: „Wer Schwein isst, will billige Ware“

Es gibt einen Verdrängungswettbewerb mit „Billigware aus Deutschland“.

Der Anteil bei Schweinefleisch aus Österreich liegt in der Gastronomie laut Erzeugern bei maximal 30 Prozent.

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© APA/Jens BüttnerSymbolfoto



Wien – „Nur von der Schweinhaltung könnte ein Biobauer nicht leben“, ist sich Johann Nolz, von Erzeugergemeinschaft Gut Streitdorf in Niederösterreich sicher. Würde man das Ideal der Tierschutzorganisationen, das Freilandschwein produzieren, wären Kilogrammpreise bei 30 Euro die Regel, sagte der Geschäftsführer für „Zucht von Ferkel und Schwein“. Ein Preis, den kaum ein Konsument zu zahlen bereit wäre.

Österreicher essen rund 63 Prozent Schweinefleisch

Der niedrige Preis beim Schweinefleisch habe nämlich auch mit der Wertschätzung durch die Kunden zu tun, sagte Nolz: „Wer Schweinefleisch isst, will billige Ware haben. Rind oder Lamm wird hingegen zu besonderen Anlässen gegessen.“ Die Zahlen der AMA (Agrarmarkt Austria) stützen diese Aussage. Demnach essen die Österreicher rund 63 Prozent Schweinefleisch, Rind mit einem Anteil von 17,9 Prozent nimmt da nicht einmal ein Drittel ein.

Was den Markt in Österreich betrifft, so spricht Nolz von einem Verdrängungswettbewerb mit „Billigware aus Deutschland“. Importe würden die heimischen Erzeuger dazu zwingen, ihre Ware wiederum zu exportieren. Die Versorgungsbilanz für Fleisch der Statistik Austria von 2013 zeigt, dass rund 186 Tonnen Schweinefleisch - davon 20 bis 25 Prozent lebende Schweine - aus dem Ausland nach Österreich gekommen sind.

In den Supermärkten sei das Frischfleisch zwar fast zu 100 Prozent aus Österreich, in der Gastronomie schätzt Nolz den Anteil jedoch nur auf 20 bis 30 Prozent. Hier würde das Fleisch über Großhändler bezogen, die Importfleisch im Angebot haben.

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Der Konsument selbst bleibt - gesetzlich konform - ahnungslos, woher seine Ware kommt, denn EU-Herkunftskennzeichnung für Frischfleisch, die seit April auch für Schwein gilt, sieht keine verpflichtende Herkunftsangabe im Gastrobereich vor. „Das Beste wäre, dass bei den Tieren sowohl das Geburtsland angegeben wird, wie auch eine Herkunftsbezeichnung auch bei weiterverarbeitenden Produkten verpflichtend sein sollte.“

Zahl der Schweinehalter hat sich enorm verringert

Der EU-Beitritt führte am Standort Österreich dazu, dass sich rasch größere Betriebe bildeten, mit dem Nebeneffekt, dass sich die Zahl Schweinehalter enorm verringert hat. Zahlen der Statistik Austria sprechen eine deutliche Sprache: Gab es vor 20 Jahren noch 112.080 Halter, halbierte sich der Bestand bereits nach zehn Jahren auf 54.356. Vergangenes Jahr waren mit 25.641 weniger als ein Viertel übrig. Beim Rind gab es auch Rückgänge - im selben Zeitraum aber nicht einmal eine Halbierung.

Die Vorreiterrolle in dieser Art der Haltung hatten die Niederlande, Deutschland und Dänemark. Was die Mastplätze pro Betrieb betrifft, so sind es in Österreich im Schnitt rund 500 Tiere, in Deutschland aber 1.000, sagte Nolz. Das bessere Management und die Haltung mit Spaltenböden erhöhte die Produktion zu einem geringeren Preis: „Der Preis für Schweine ist inzwischen der niedrigste seit 30 Jahren. Was die Art der Haltung betrifft, ortete Nolz „ein Umdenken in Europa“, indem etwa von Vollspaltböden zu Teilspaltböden gewechselt wird.

Billige Ware bekommt man beim Kauf von Bioschwein jedenfalls keine, denn hier rechnete Nolz mit einem Aufschlag von 50 Prozent, der Preisaufschlag beim Biorind wurde hingegen mit zehn Prozent beziffert. Für den Konsumenten ist die „Grenze der Verträglichkeit“ hingegen nur ein kleiner Aufschlag, das Doppelte an Kosten würde keiner zahlen. „Diese Bio-Kleinbetriebe sind durch die Strohhaltung arbeitsintensiv und zusammen mit den geringen Stückzahlen daher nicht wirtschaftlich“, erklärte der Experte den doch enormen Preisunterschied. (APA)