Letztes Update am Mi, 25.11.2015 13:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Seelische Belastungen auf der Haut spürbar

Die Haut kann auch als Stressbarometer gesehen werden: Frauen und junge Menschen würden einer aktuellen Umfrage zufolge besonders sensibel auf Stress reagieren.

Hautkrankheiten können durch Stress ausgelöst werden. (Symbolfoto)

© apaHautkrankheiten können durch Stress ausgelöst werden. (Symbolfoto)



Wien – Stress schlägt nicht nur auf den Magen. Auch die Haut leidet mit und zeigt Symptome, die zu Missempfinden wie Kribbeln, Juckreiz oder Brennen führen können. „Haut und Psyche sind eng miteinander verknüpft“, meint dazu die Dermatologin und Psychotherapeutin Ulrike Mossbacher. Mehr als ein Drittel der Österreicher sagt, dass ihre Haut empfindlicher ist, wenn sie gestresst sind.

Frauen und junge Menschen seien stärker betroffen, berichtete Gerhard Gribl von der Branchenplattform Kosmetik transparent aus einer Umfrage mit 500 Teilnehmern, die am Mittwoch in Wien präsentiert wurde. „Bei den Frauen haben mehr als 46 Prozent unter Stress eine empfindlichere Haut, bei den Männern nur 24 Prozent.“ Von der Generation 60plus fühle sich ein Viertel betroffen. Bei den 20-bis 29-Jährigen reagiere bei jedem zweiten die Haut negativ auf psychische Belastungen.

Die erhobenen Probleme rund um das größte Organ des Menschen sind insgesamt aber vielfältiger Natur. „Rund die Hälfte der Befragten meint zwar, dass sich ihre Haut meist normal anfühlt. Aber bereits 21 Prozent leiden des öfteren unter spannender und trockener Haut. Zwanzig Prozent haben eine Haut, die leicht auf äußere Einflüsse reagiert“, sagte Gribl. „Rund 22 Prozent der Österreicher haben Akne, etwa 16 Prozent eine unreine Haut. Jeder Zehnte klagt über fettige Haut. Neun Prozent macht eine gereizte und gerötete Haut zu schaffen.“ Im Winter schlägt sich fast jeder Zweite mit trockener Haut herum. Fünf Prozent schließlich haben medizinisch stark behandlungsbedürftige Problemhaut, etwa durch Neurodermitis oder Psoriasis, hat die Umfrage von Marketagent.com weiters ergeben.

16 Prozent bezeichneten ihre Haut generell als sensibel, Frauen und Jüngere viel häufiger als Männer oder Senioren. „Das hat viel mit Selbstwahrnehmung zu tun. Empfindlichkeit passt nicht zum männlichen Bild. Im Alter tritt das Problem womöglich zurück, weil es angesichts anderer Krankheiten als nicht so wichtig empfunden wird“, sagte die Allgemeinmedizinerin Veronika Lang. Man spreche von sensibler Haut bei einer herabgesetzten Reizschwelle, die Haut reagiere „unangemessen“ auf „Aggressoren“ wie Reizstoffe, Temperaturschwankungen, zu viel Sonne oder Umweltschadstoffe.

Hautempfindlichkeit durch Ernährung und Dehydrierung beeinflusst

Oft würden Hautreaktionen schnell auf eine Allergie geschoben. Kontaktallergien – zum Beispiel auf Nickel oder Duftstoffe, wie auch Unverträglichkeiten, etwa im Zusammenhang mit Seife oder Wolle, seien aber tatsächlich im Steigen. Bedingt werde diese Steigerung durch unseren „Lifestyle“ mit zu viel Hygiene und potenziellen Allergenen und Irritantien in Kosmetika, Reinigungsprodukten und Kleidung. „Sehr blasse Haut, die leicht errötet, ist meist empfindlich“, sagte Lang. „Durch eine Hautkrankheit oder Trockenheit beeinträchtigte Haut ist immer empfindlich.“

„Auch Faktoren wie Ernährung, Schlafmangel oder Dehydrierung können die Hautempfindlichkeit beeinflussen“, meinte Urte Koop von der Abteilung für Forschung und Entwicklung von Beiersdorf.

„Alle Hauttypen können sensibel reagieren.“ Bei Reinigungs- wie Pflegeprodukten für empfindliche Haut sei wichtig, „dass sie frei von allem sind, was möglicherweise belastend sein könnte, aber über die richtigen Wirkstoffe verfügen“. Solche Produkte sollten nicht nur die Symptome wie Rötungen, Spannungsgefühle oder Juckreiz behandeln, sondern darüber hinaus die Hautschutzbarriere aufbauen.

Psychosoziale Belastungen als Folge

„Stress und negative Lebensereignisse sind oft Erstauslöser von Hauterkrankungen oder Auslöser von Rückfällen und Schüben“, sagte Ulrike Mossbacher. Als Folge erzeugten die Symptome wiederum psychosoziale Belastungen. „Ein Teufelskreis entsteht. Stress hält ihn am Laufen“, sagte die Ärztin. Das könne Menschen mit genetisch bedingten Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis betreffen, aber auch mit „normaler“ Akne.

„Gerade solche, meist junge, Patienten haben einen großen Leidensdruck und haben laut Studien beispielsweise auch weniger Erfolg am Arbeitsmarkt.“ Zur Veranschaulichung zitierte sie aus den Niederschriften einer Patientin, die sich an ihre Akne-Jahre wie folgt erinnert: „So lange ich Akne hatte, war ich gesichtslos.“ „Die Maske muss sitzen.“ Eines Tages, im Alter von 15, habe sie ihr „Ausgeh-Gesicht“ aber nicht mehr hinbekommen. „Meine Selbstachtung versank.“ (APA)