Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.12.2015


Gesundheit

Bewusstsein für Aids rettet in Armenien Leben

Armenien ist eines von sieben Ländern weltweit, wo Aids-Infektionen stark ansteigen. Die Caritas hält mit Projekten dagegen.

null

© Caritas



Gjumri – HIV, Aids, Ansteckung – das sind drei Worte, die man in Armenien nur selten hören wird. Vor allem in ländlichen Gebieten war Aids bis vor kurzem ein großes Tabu. Aber jetzt ist etwas in Bewegung geraten – nicht zuletzt dank des unermüdlichen Engagements der Mitarbeiter der Caritas Armenien.

Die Fakten belegen schwarz auf weiß, wie dringlich das Problem ist. Armenien gehört zu jenen sieben Ländern weltweit, in denen laut Unaids die Zahl der Neuinfektionen um mehr als 25 % gestiegen ist. Gleichzeitig sinkt die Zahl der HIV-Neuinfektionen weltweit. Aus diesem Grund legt die Caritas Armenien auch auf den Bereich der HIV/Aids-Prävention großes Augenmerk.

Seit 2012 setzt die Caritas ein Projekt zur HIV-Prävention in sechzig Gemeinden der Region Shirak um. Die Region Shirak im Norden Armeniens ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Kofinanziert wird es durch die ADA (österreichische Entwicklungszusammenarbeit).

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die meisten Großbetriebe in Shirak geschlossen. Viele, meist männliche Saisonarbeiter, sind seither aufgrund der weit verbreiteten Arbeitslosigkeit gezwungen, ihre Familien zu verlassen. Die meisten verschlägt es nach Russland. Sie sind sehr gefährdet, sich mit dem HIV Virus zu infizieren. Jetzt wird es langsam möglich, darüber zu sprechen. Weite Teile der Gesellschaft sind sich der Gefahren und der Risiken nicht bewusst.

So kommt es, dass sich nach wie vor viele Frauen anstecken. Die steigende Bereitschaft, sich auf HIV testen zu lassen, ist deshalb ein großer Fortschritt. Das Thema wird nicht nur innerhalb der Familien in abgelegenen Dörfern tabuisiert, sondern auf allen politischen Entscheidungsebenen.

Das Kooperationsprojekt der Caritas bzw. der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit zielt deshalb einerseits auf eine Sensibilisierung der ländlichen Bevölkerung in der Region Shirak ab und andererseits auf die Ausbildung und Bewusstseinsbildung der lokalen Entscheidungsträger. Trotzdem sind es vor allem die Jungen, Menschen mit Suchterkrankung und die Saisonarbeiter, die besonders berücksichtigt werden. Darüber hinaus werden die Risikogruppen zu kostenlosen Aids-Tests motiviert.

In der letzten Zeit haben 512 Menschen einen HIV-Test in der mobilen Klinik gemacht. Die mobile Klinik, die es ermöglicht, Schnelltests zu machen, wird vom National Aids Centre zur Verfügung gestellt. „So viele Tests an einem Tag haben wir noch nie gehabt“, freute sich eine Mitarbeiterin des National Aids Centre bei den Aktionstagen.

Für 2016 ist ein „Club of activists“ geplant, in dem gezielt Jugendliche angesprochen werden, um ihnen die Risiken einer HIV-Infektion bewusst zu machen. Konkret werden sechs Schulen ausgewählt. Jeweils 20 Schüler werden zu peer-educators ausgebildet. Sie bekommen Hintergrundwissen und praktische Informationen, um dann ihre „peers“ – sprich ihre Mitschüler – sensibilisieren zu können. (TT, fell)




Kommentieren


Schlagworte