Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.01.2016


Fitness im Alter

Mit den Fingern zu den Zehen

Es reden zwar alle über Bewegung, doch gerade für Menschen im Seniorenalter mangelt es an Angebot und Anreiz. Was regelmäßige Gymnastik der Gesundheit bringt, erklärt Sportwissenschafter Elmar Kornexl.

Männer und Frauen haben verschiedene Motive in der Gymnastikstunde. Frauen geben sich gesundheitsbewusster, Männer leistungsorientierter.

© istockMänner und Frauen haben verschiedene Motive in der Gymnastikstunde. Frauen geben sich gesundheitsbewusster, Männer leistungsorientierter.



Von Sabine Strobl

Innsbruck –Unser Alltag ist voller Anleitungen zum Nichtstun, also muss man bewusst aktiv werden“, beobachtet Elmar Kornexl, emeritierter Sportwissenschafter an der Uni Innsbruck. Als Trainer motiviert er wöchentlich auch Menschen zwischen 60 und 90, ihren Körper geschmeidig zu halten.

Viel Bewegung und Gymnastik helfen nicht nur dabei, den Körper motorisch funktionstüchtig zu halten, sondern tragen zu sozialer Aktivität und seelischem Wohlbefinden bei. Bis ins Seniorenalter nimmt die Muskulatur um 30 Prozent ab. Haltungsschäden verursachen Schmerzen.

Vor allem unsere Schwachstellen, Wirbelsäule und Gelenke verlangen mehr Aufmerksamkeit. „Wir haben im Alter die Tendenz zum Rundrücken. Das ist ein natürlicher Prozess“, erklärt Kornexl. In der Folge kommen oft Probleme im Nackenbereich hinzu. Eine Maßnahme ist, die gesamte Muskulatur um die Brustwirbelsäule zu kräftigen. So kann man sich leichter gerade halten. Neben der Wirbelsäule heißt es auch Arm- und Beinmuskeln zu dehnen und zu kräftigen. Gymnastik stärkt das Gleichgewicht, das wie elastische Muskeln ein wichtiger Verletzungsschutz ist.

Pilates klingt moderner als Haltungsgymnastik. Unabhängig vom Namen der Fitnessstunde sollten sich Interessierte anschauen, ob sie etwas gegen Schwachstellen (wie z.B. Wirbelsäule) anbietet. Der Sportwissenschafter bedauert, dass viele ältere Menschen Angst vor einer Blamage haben. Die Sorge sei unbegründet. „Fast alle älteren Menschen haben mit der Zeit Einschränkungen, gegen die man aber präventiv und therapeutisch etwas machen kann.“ Umso mehr ist ein Angebot der Sportvereine und Gemeinden gefragt. „Die Institutionen müssten sich dieser Aufgabe viel mehr öffnen.“

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Männer und Frauen haben meist verschiedene Beweggründe für die körperliche Betätigung. Männer stellen sich gerne auf dem Rad und bei der Skitour einem Leistungscheck. Doch für das Dehnen und Kräftigen der Problemzonen reicht dieser Sport nicht aus. Frauen sind oft gesundheitsbewusster. Bei der Gymnastik zeigt sich, dass Frauen im Seniorenalter zwar kraftmäßig das Nachsehen haben, doch dafür mit einer besseren Koordination und Gelenkigkeit aufwarten. Gymnastik zu Hause sei allerdings meist zu einseitig, schließe nicht den ganzen Körper ein. Kornexl rät daher für den Anfang zu einem Kurs, zu dem man mit Partnerin, Partner oder Freunden regelmäßig hingeht.