Letztes Update am Do, 10.03.2016 13:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Unbeständiges Wetter sorgt für turbulente Pollensaison

Sprunghaft präsentiert sich heuer die Belastungslage für Allergiker, denn der Pollenflug schwankt durch die unbeständigen Temperaturen. Früher als sonst stäubt nun schon die Esche und auch die Birke könnte früh blühen. Sie wird ab Ende März mehr Pollen in die Luft abgeben als im Vorjahr.

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Wien - Wechselnde Pollenbelastungen werden Allergikern heuer ein Auf und Ab bescheren. Der milde Winter hat die Saison früh eingeläutet, das unbeständige Wetter bremste den Pollenflug wieder. Vertraut man den Wetterprognosen, dürften diese Schwankungen das ganze Jahr prägen. „Das ist für Allergiker schwer zu verkraften“, berichtete Katharina Bastl vom Österreichischen Pollenwarndienst am Donnerstag.

Die Pollenbelastung ergibt Bastl zufolge im Jahr 2016 keine „schöne Kurve“ mit einem langsamen Anstieg und einer konstanten Belastungszeit. Wetterprognosen zufolge gibt es stattdessen viele intensive Spitzen, die sich mit weniger belastenden Pollenzeiten abwechseln. „Das Immunsystem kann sich auf diese Belastung schlechter einstellen“, erklärte Bastl, die auch Mitglied der Forschungsgruppe Aerobiologie und Polleninformation der Medizinischen Universität Wien ist.

Birke heuer mit intensiver Blüte

Spätestens Mitte März sollten Allergiker die Hausapotheke mit Nasenspray, Tabletten und Augentropfen aufgerüstet haben, denn um diese Zeit beginnt heuer die Esche zu blühen. Ihre Blüte wird allerdings weniger intensiv ausfallen als jene der Birke, die Allergikern ab Ende März das Leben schwer machen wird. Ende April tragen die Gräser dann ebenfalls ihren Beitrag zum Pollenflug bei. Ab Juli blühen Beifuß und Ragweed, letzterer sogar bis Oktober.

„Die Zeit ohne Pollen in der Luft ist ohnehin nur mehr sehr kurz“, sagte Bastl bei einem Pressegespräch in Wien weiter. In Österreich wird vor allem in Städten immer öfter die Purpurerle angepflanzt, die rund um Weihnachten in voller Blüte steht - „in einer Zeit, in der Allergiker nicht mit Beschwerden rechnen“, beklagte die Pollen-Expertin die künstliche Verlängerung der Leidenszeit für Betroffene.

Oft schleppen sich Leute mit einer Allergie jahrelang herum, ehe sie einen Arzt aufsuchen und eine echte Diagnose erhalten. „Wenn ein Schnupfen länger dauert als eine Woche, dann ist es eine Allergie“, stellte Reinhart Jarisch, Stellvertretender Leiter des Floridsdorfer Allergiezentrums (FAZ), klar und forderte Betroffene auf, bei ersten Symptomen einen Allergietest zu machen. Laut Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der Medizinischen Universität Wien werden die Diagnosemethoden immer besser. Vor allem die Neuheit der molekularen Allergiediagnose sei „beim Patienten angekommen“ und habe eine „hohe Treffsicherheit“.

Jarisch empfahl Betroffenen neben Pollenfiltern außerdem Vermeidung durch „zu Hause bleiben“. In zweiter Instanz würden Antihistamin-Tabletten oder Cortisonsprays aus der Apotheke helfen. Zudem pries der Arzt die Allergie-Impfung an, die laut Jensen-Jarolim zwar lange dauere, aber effizient sei. Und behandelt werden sollte eine Allergie auf jeden Fall, sonst könnte sie im schlimmsten Fall in einer Asthma-Erkrankung enden.

Uwe Berger, Leiter des Österreichischen Pollenwarndienstes, legte allen Allergikern außerdem die sogenannte Pollen-App nahe. Für die Nutzer gebe es sowohl einen Fragebogen, um festzustellen, ob man überhaupt Allergiker ist, sowie Pollenwarnungen und Berechnungen zur Tagesbelastungen am persönlichen Standort. Zudem könne man mit der App nach geeigneten Ärzten suchen. (OTS, APA)