Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.04.2016


Gesundheit

Autismus: Rund 14.000 Betroffene

Welt-Autismus-Tag am 2. April: noch viel Aufklärung und Bewusstseinsbildung nötig.

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© BANG



Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck – „Wir kämpfen weiter.“ Die Feststellung von Ellen Mayr-Vons von der Autistenhilfe Tirol sagt sehr viel aus über die derzeitige Situation für autistische Menschen in Tirol. Denn viele Pläne – etwa für ein unabhängiges Autismus-Kompetenzzentrum oder einen eigenen Fachlehrgang an der Universität – konnten trotz teils jahrelanger Bemühungen und Vorarbeiten bis heute nicht umgesetzt werden, die dafür nötige Unterstützung fehlt. Es brauche Aufklärung und Bewusstseinsbildung.

„Österreich und besonders Tirol liegen im internationalen Vergleich weit hinten“, so Mayr-Vons. „So gut sie können“ würden inzwischen Ehrenamtliche fast täglich Betroffene, Eltern, Therapeuten, Pädagogen beraten. „Und meistens können wir ihnen helfen, im Alltag besser zurechtzukommen.“ Fort- und Weiterbildungen, Tagungen und Kongresse werden teils aus eigener Tasche bezahlt.

Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung müssen mit autistischen Lebensbedingungen zurechtkommen, in Tirol hätten demnach bis zu 14.000 oder noch mehr Menschen eine der vielen unterschiedlichen Formen aus dem Autismus-Spektrum. Doch weder in der Ärzteausbildung noch im Psychologiestudium werde viel darüber gelehrt, so Mayr-Vons. „Eigentlich gar nichts.“ Ein großes Problem ist demnach nicht überraschend die Diagnose, wie Wolfgang Quatal von der sozialpsychiatrischen Einzelbegleitung, ein Projekt des Landes, sagt.

Kriterien seien teils schwammig formuliert, Voraussetzungen etwa für eine erhöhte Kinderbeihilfe oberflächlich beschrieben. „Eine richtige Diagnose braucht viel Zeit, eine gute Ausbildung, umfassende Erfahrung, außerdem viel Gefühl und Verständnis auch für Eltern und Partner.“ Gerade deshalb sei ein Kompetenzzentrum so wichtig, dort könnten Experten verschiedener Fachrichtungen – Sozialarbeiter, Neurologen, Kinderärzte, Logopäden, Therapeuten – auf einer Ebene kommunizieren. Eltern bräuchten in allen Bezirken Anlaufstellen, an die sie sich wenden können.

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