Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 25.05.2016


Fachkongress in Innsbruck

Der Cholesterin-Star und viele Neuheiten

Beim größten europäischen Atherosklerose-Kongress tauschen sich in Innsbruck hochkarätige Experten aus.

© iStockBeim Cholesterinmessen muss man nicht mehr nüchtern sein.



Innsbruck – 2000 Gäste haben sich angekündigt – darunter ein Star der Szene – und es gibt aufregende Neuigkeiten: Die Innsbrucker Experten auf dem Gebiet der Arterienverkalkung erwarten Europas größten Atherosklerose-Kongress mit Stolz und Spannung.

Vom 29. Mai bis 1. Juni bringt sich das Who’s Who der Fachwelt im Innsbrucker Congress auf den neuesten Stand der Wissenschaft – mit dabei ist auch der US-Nobelpreisträger Michael S. Brown. Er hat herausgefunden, wie der Cholesterin-Stoffwechsel reguliert wird. Beim Kongress wird es um neue effiziente Medikamente zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen. Zudem soll am 1. Juni eine neue Leitlinie mit Therapie-Maßnahmen präsentiert werden. Den Blutfetten kommt bereits im Vorfeld des Kongresses bei einer Tagung Aufmerksamkeit zu. Innsbrucker Forscher konnten nachweisen, dass das Blutfett Lipoprotein(a) – kurz Lp(a) – „eine enorme Bedeutung, vergleichbar mit der Blutzuckererkrankung“, bei der Risikoeinschätzung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen habe, wie Florian Kronenberg, Direktor der Sektion für Genetische Epidemiologie an der Med-Uni, darlegte.

„Etwa 20 Prozent der Bevölkerung haben erhöhte Lp(a)-Werte, circa zehn Prozent davon haben ein doppelt so hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Obwohl dieses Blutfett schon vor 50 Jahren entdeckt worden ist, wisse man nicht, wofür es gut ist. Klar sei aber, dass erhöhte Werte kaum über den Lebensstil beeinflussbar sind und dass es zu familiären Häufungen kommt.

Johann Dieplinger, der Präsident des Atherosklerose-Kongresses, empfiehlt daher all jenen, in deren Familie erblich bedingt erhöhte Cholesterinwerte vorkommen bzw. in denen es zu überraschenden Herzinfarkten oder Schlaganfällen gekommen ist, eine Bestimmung des Lp(a)-Werts bei einem Bluttest. Gerade in der Prävention müsse die Wissenschaft noch mehr leisten. „85 Prozent der Betroffenen wissen gar nichts von ihrem Risiko. Es fehlt an Bewusstsein. Cholesterin ist ein Faktum und kausal für Erkrankungen verantwortlich“, betonte Dieplinger. Eine praktische Erleichterung bei der Vorsorge kommt Patienten zudem ab sofort sehr entgegen: Sie müssen vor der Blutabnahme nicht mehr 12 Stunden fasten. (thm)