Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.05.2016


Nichtraucherschutz

Stopp: Jeder fünfte Raucher möchte aufhören

Wer hilft Rauchern beim Aufhören? In anderen Bundesländern geben zertifizierte Tabakentwöhner eine Starthilfe. In Tirol fehlen diese bis dato.

Nichtraucher-Kampagnen sind meist an die Vorsorge gekoppelt. Zunehmend rückt die Hilfe beim Entzug ins Blickfeld.

© Nichtraucher-Kampagnen sind meist an die Vorsorge gekoppelt. Zunehmend rückt die Hilfe beim Entzug ins Blickfeld.



Von Sabine Strobl

Innsbruck – Rauchen ist weder eine Angewohnheit noch ein Laster. Laut internationaler Klassifizierung ist es eine chronische Erkrankung. Nach einer Umfrage der Sozialmedizin in Wien sind 55 Prozent der Raucher nicht mit ihrem Rauchverhalten zufrieden. Jeder fünfte Raucher in Österreich möchte aufhören. Nur etwa jeder zehnte Raucher schafft es aber allein. „Es herrscht ein großer Bedarf an motivierender Beratung. Es ist zu wenig zu sagen, hören S’ doch auf“, sagt Edith Pickl vom Institut für Gesundheitsförderung und Prävention in Graz (eine Tochter des österreichischen Hauptverbandes der Sozialversicherungen und der Eisenbahner-Versicherung).

Vor drei Jahren wurde ein Programm zur Rauchentwöhnung entwickelt und eine Ausbildung mit Schweizer Know-how eingerichtet. 150 Personen aus Gesundheitsberufen haben das Siegel inzwischen erhalten und können als Rauchberater und Tabakentwöhner wohnortnah Hilfe beim Rauchstopp anbieten. Kosten werden von der Kasse übernommen. „Unser Ziel ist klar: Jeder Raucher, der mit dem österreichischen Gesundheitssystem in Berührung kommt, soll auf sein Rauchverhalten angesprochen werden“, erklärt Pickl. Etwa 50 Prozent der Raucher, die das Programm in Anspruch nahmen, sind nach einem Jahr nach wie vor rauchfrei. Zuletzt meldete Vorarlberg Interesse an. Nun bleibt nur noch Tirol übrig. Der Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse, Arno Melitopulos, hält die Strategie für „interessant. Wir sind mit dem Hauptverband und der Ausbildungsstätte in der Steiermark im Gespräch.“ Für Raucher, die eine Entwöhnung verfolgen, wolle man mehr Angebote schaffen. Das Startpaket solle von der Krankenkasse bezahlt werden. Derzeit gibt es in Tirol „nur“ vier ambulante Zentren. Sie sind mit der Raucherberatung Oberland in Imst, der Raucherberatung Osttirol in Lienz, an der Universitätsklinik Innsbruck und im LKH Natters angesiedelt.

Immerhin hat Tirol österreichweit die meisten Nichtraucher. Bei der Gesundheitsbefragung des Gesundheitsministeriums (2014) waren 49,5 Prozent der Tiroler Nichtraucher, 26,3 Prozent Raucher. (20,9 Prozent täglich, 5,4 Prozent Gelegenheitsraucher und 24,2 Prozent Ex-Raucher). Die Tiroler beginnen mit 17,7 Jahren früher zu rauchen als der Österreichschnitt (18,1 Jahre). Insgesamt zählen sich 45,6 Prozent der Österreicher zu den Nichtrauchern. Der Raucheranteil liegt bei 30 Prozent. Bei der letzten Vergleichsstudie 2006 betrug der Nichtraucheranteil in Tirol noch 50,2 Prozent, der Ex-Raucheranteil war aber um vier Prozent geringer.

Wie Melitopulos ausführt, setzte man in den vergangenen Jahren viel auf vorbeugende Maßnahmen in Schulen und Betrieben. Auch die Vorsorgeuntersuchung wurde umgestellt. Dem Rauchen ist ein Teil der Lebensstilberatung gewidmet. Teile der Tabaksteuer unterstützen übrigens über einen Fonds des Hauptverbandes die Gesundenuntersuchungen finanziell. Zuletzt kamen etwa 200.000 Euro zweckgewidmet im Gesundheitswesen an.

Rauchfrei

Rauchfrei-Telefon. Gesundheitsministerium und Sozialversicherungen haben vor zehn Jahren das Rauchfrei-Telefon eingerichtet. Es dient als Beratung und Orientierungshilfe. 45.000 Menschen haben seitdem angerufen. Info: rauchfrei.at.

Rauchfrei-App. Dieses Angebot gibt es seit 2014 und hat 25.000 User.