Letztes Update am Di, 21.06.2016 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Welt-Yogatag

Yoga baut Brücken

Tausende Österreicher werden den heutigen Welt-Yogatag mit einem extra Sonnengruß willkommen heißen. Yoga boomt, verbindet und nimmt teilweise kuriose Formen an.

© ReutersWelt-Yogatag in Minsk.



Von Nicole Strozzi

Innsbruck – Wie Yoga Völker verbinden kann, zeigen Geschichten wie jene, die gerade in der Zeitschrift Brigitte erschienen ist: Die damals 27-jährige US-Yogalehrerin Paige Elenson machte 2006 Urlaub in Kenia. Während einer Safari sah sie junge Akrobaten, die für Touristen turnten. Die Amerikanerin sprang aus dem Auto und zeigte den einheimischen Männern ein paar Yogaübungen.

Daheim in den USA, bekam Elenson eine E-Mail aus Afrika. Die Akrobaten aus einem Armenviertel wollten noch mehr über Yoga lernen. Elenson besuchte sie 2007 im Slum und lehrte ihnen das, was vorher nur den Reichen möglich war. 2009 zog die Yogalehrerin ganz nach Nairobi und gründete das „Africa Yoga Project“. Unterstützt von Spendengeldern erhalten seither Arbeitslose eine kostenlose Ausbildung, um so z. B. in der boomenden Wellnessbranche einen Job zu finden.

Yoga ist demnach mehr als reine Körperarbeit. Für die Tirolerin Shakti Siedler ist es eine Philosophie, eine Lebenseinstellung. Siedler praktiziert seit 1985 Yoga und unterrichtet seit 1999 im Yogazentrum Innsbruck. Vor ca. 30 Jahren, bei der Gründung des Zentrums, kannte man den Begriff Yoga kaum. „Die Menschen in Tirol waren unsicher und skeptisch“, erinnert sich die 47-Jährige. Heute ist Yoga jedem ein Begriff. Die philosophische Lehre aus Indien zählt zu den am weltweit schnellsten wachsenden Gesundheitsaktivitäten.

Mittlerweile gibt es ca. 250.000 Yogis und Yoginis in Österreich. Und auch die Zahl der Lehrenden steigt stetig – sei es im Internet oder im realen Leben. „Im Gegensatz zur Situation in der Schweiz ist ‚Yogalehrer‘ ein offenes Gewerbe und kann grundsätzlich von jedem, der oder die sich dazu berufen fühlt, betrieben werden“, erklärt Nora Gresch vom Berufsverband der Yogalehrenden in Österreich (BYO). Der Berufsverband würde mit einer vierjährigen Ausbildung jedoch für eine Professionalisierung des Berufes eintreten, da es unter nicht qualifizierten Anleitungen von Yogaübungen tatsächlich zu Schädigungen kommen kann.

Für manche Praktizierende steht bei Yoga die straffe Figur im Vordergrund, doch diese ist im Grunde nur eine positive Nebenwirkung. „Der Körper wird beweglicher und kräftiger, erhält mehr Stabilität und Leichtigkeit. Man lernt seinen Körper und seinen Atem kennen, man lernt auch, wie man mit sich umgeht, wie man mit anderen umgeht“, beschreibt Shakti Siedler die ganzheitliche Bedeutung von Yoga.

Yoga baut Brücken

Yoga für die gute Sache

1.

Mit ihrem „Africa Yoga Project“ bildet die Amerikanerin Paige Elenson junge afrikanische Arbeitslose kostenlos zu Yogalehrern aus. Außerdem werden die Frauen und Männer in Marketing trainiert und erhalten so die Möglichkeit, in der Wellnessbranche Fuß zu fassen. Einer der Yogalehrer kommt aus dem Stamm der Massai und lehrt nun in seiner Gemeinschaft. Finanziert wird die Schule u. a. durch Kenia-Reisen, bei denen Freiwillige Yoga lernen und mithelfen.   

(Fast) alle tun es

2.

Yoga bewegt Menschen weltweit. Das beweisen Massenevents wie jenes am Times Square in New York. In Österreich üben ca. 250.000 Personen Yoga aus. „Wir schätzen, dass es ca. 3000 Yogalehrende in Österreich gibt und sich 3500 bis 4000 Personen als ‚Yogalehrer‘ sehen“, d. h. dass nicht alle, die Yogalehrer sind, auch gleichzeitig Yoga unterrichten“, erklärt Elfi Mayr vom Yogaguide. Derzeit sind ca. 1200 Yogalehrende und Studios auf www.yogaguide.at gelistet. Davon sind ca. 150 Lehrende in Tirol.

Yoga auf kuriosen Abwegen

3.

Ob Paddleboard-Yoga, fliegendes Yoga, Boxing-Yoga oder Fahrrad-Yoga – es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Beim Breakti-Yoga werden Breakdance-Elemente mit Yogaübungen kombiniert. Beim Rage-Yoga darf im Rhythmus von Metallklängen geflucht werden, um über Liebeskummer hinwegzukommen. Ebenfalls kurios und wohl nicht ganz ernst zu nehmen: Bier-Yoga, eine Kombination aus einer Yogastunde mit zwei Flaschen Bier. Statt Om – ertönt ein langgezogenes Proooost!

Gesund in jeder Lebenslage

4.

       „Yoga kann grundsätzlich jeder Mensch machen“, sagt die Innsbrucker Yogalehrerin Shakti Siedler. Egal ob jung, alt, klein, groß, schlank oder füllig, beweglich oder unbeweglich. Yoga tut Schwangeren genauso gut wie kranken Menschen. Yoga ist gesund, aber es kommt auf einen qualifizierten Lehrer und die Praktiken an. Yoga heißt nicht nur Übungen, sondern auch Meditation und Entspannung. „Wir begleiten auch Menschen im Hospiz mit sanften Entspannungstechniken“, so Siedler.     

Yoga, Yoginis und ihr Guru

5.

„Es gibt so viele Yogaübungen, wie es Menschen gibt“, sagte einst ein weiser Yogalehrer. Apropos Lehrer. Parallel zur Zahl der Anhänger steigt auch die Zahl der so genannten Yogagurus. „Es gibt die ganze Palette von gutem Lehrer bis hin zu Geldmacherei“, weiß Shakti Siedler. Anhänger sollten sich die Frage stellen: Wie lebt dieser Mensch? Im Bild der indische Yogaguru Swami Baba Ramdev, der durch seine tägliche TV-Show Millionen Indern bekannt ist und gegen Korruption in seinem Land kämpft.     

Niemand soll sich verbiegen

6.

Der Artikel „Wie Yoga deinen Körper ruinieren kann“ von William J. Broad in der New York Times sorgte heuer für heftige Diskussion. Broad kritisiert etwa, dass sich Menschen in Positionen zwingen lassen, die sie überfordern. „Es ist wichtig, dass Menschen ihre Grenzen wahrnehmen. Ich halte nichts von Lehrern, die Kursteilnehmer in eine Haltung hineindrücken“, kritisiert Shakti Siedler. Wer keinen Kopfstand machen will, soll keinen machen. Ohne gute Anleitung könne es zu Verletzungen kommen.




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