Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.08.2016


Gesundheit

Nicht bloß heiße Luft

Die heißen Sommertage verlocken, noch einmal ins Freibad zu gehen oder die Klimaanlage voll aufzudrehen. Wer zu leichtsinnig ist, tappt dabei leicht in die Erkältungsfalle.

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Von Theresa Mair

Innsbruck — 25. August: Der Sommer neigt sich dem Ende zu, angeblich „herbstelt" es schon. Da ist es verlockend, die letzten heißen Tage des Jahres noch auszunutzen: Beim Autofahren die Fenster öffnen und sich den Fahrtwind um die Nase blasen lassen, sich nach dem Schwimmen von der Sonne trocknen lassen oder beim Berggehen schwitzen. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass eben nicht mehr so richtig Sommer ist, der Boden schon kalt, die Abende frisch. Schnell verkühlt man sich. „Im Sommer sind wesentlich weniger Leute krank als im Winter. Doch es ist gar nicht zu unterschätzen, wie viele im Sommer z. B. Halsschmerzen haben", sagt die Innsbrucker Allgemeinärztin Caroline Braunhofer. Ein Pharma-Hersteller gibt ihr Recht. Laut einer Umfrage des Unternehmens hatten zwei Drittel von 500 Teilnehmern auch im Sommer Halsweh. Die Plattform MeineRaumluft.at, weist auf den so genannten trockenen Schnupfen hin, der durch zu niedrige Luftfeuchtigkeit in klimatisierten Räumen entsteht. Gemeint ist damit eine trockene Nasenschleimhaut, die juckt, brennt und Krankheitserreger leichter eindringen lässt. Vorbeugen könne man laut den Experten, indem man auf eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent achtet und bei Bedarf auch meersalzhältige Nasensprays verwendet. Doch das sind nicht die einzigen Erkältungsfallen, in die man im Sommer leicht tappt — Medizinerin Caroline Braunhofer macht auf weitere mögliche Verkühlungsrisiken aufmerksam.

Verschnupfte Reaktion auf die Klima

Egal ob im Auto oder im Büro, sollte man darauf achten, dass die Klimaanlage nicht auf höchster Stufe läuft, wie Allgemeinmedizinerin Caroline Braunhofer sagt. Das Klima-Problem ist zweifach, erstens: „Die Schleimhäute trocknen aus und Viren legen sich leichter an." Zweitens wird man eher krank, wenn man verschwitzt in einen gekühlten Raum kommt. Deshalb sollte man auch bei einer Bergtour am Gipfel das Oberteil wechseln. Bei Schnupfen und Halsweh rät Braunhofer mit Salzwasser und Salbei zu inhalieren — auch, um einer Nebenhöhlenentzündung vorzubeugen. Hört das Druckgefühl im Kopf aber nicht auf, sollte man zum Arzt gehen.

Bakterien sind keine Augenauswischerei

„Kinder tauchen im Schwimmbad in der Regel viel öfter unter als Erwachsene und lassen dabei auch oft noch die Augen offen", nennt Medizinerin Braunhofer den Grund, warum Kinder im Sommer häufig Bindehautentzündungen bekommen. Aber auch Erwachsene, v. a. Linsenträger kann es treffen. „Chlor- und Seewasser sind natürlich nicht frei von Bakterien." Auch durch einen Luftzug kann man sich die Augen verkühlen. Braunhofers Tipps: viel trinken, damit die Schleimhäute nicht austrocknen und verklebte Augen mit warmem Wasser auf einem Wattepad reinigen. Auf Kamillentee-Kompressen und dergleichen solle man aber verzichten und sich besser vom Arzt Augentropfen geben lassen.

Auf dem Trockenen sitzen bleiben

Wenn die Luft heiß ist, übergeht man leicht, dass der Boden schon abkühlt. Gerade Frauen — sie haben eine kürzere Harnröhre als Männer — müssen aufpassen, dass sie sich keinen Harnwegsinfekt zuziehen. „Es ist wichtig, nach dem Schwimmen immer etwas Trockenes anzuziehen, denn durch Nässe und Kälte haben es Krankheitserreger noch einfacher, die Harnröhre aufzusteigen. Wenn man sich auf den Boden legt, sollte man darauf achten, eine dicke, trockene Unterlage zu haben", empfiehlt Caroline Braunhofer. Ein Harnwegsinfekt kann schnell zur schmerzhaften Nierenbeckenentzündung werden. Häufiger Harndrang, ein trüber, stinkender Urin und ein Brennen sind Zeichen, zum Arzt zu gehen.

Sich nicht auf das offene Fenster versteifen

Umgangssprachlich sagt man, dass man sich das Genick oder den Rücken „verkühlt" hat. Das stimmt aber so nicht, wie Braunhofer sagt: „Meist hat man in diesem Bereich schon eine Schwachstelle, die durch Zugluft und Kälte verschlimmert wird, z. B. wenn man mit feuchten Haaren zu Bett geht und das Fenster offen lässt. Eigentlich ist es eine muskuläre Verspannung." Drei Tage könne man abwarten, Schmerzmittel einnehmen, die betreffenden Stellen mit Diclofenac einreiben und ein wärmendes Kirschkernkissen oder kühlenden Topfen auflegen. „Wenn der Leidensdruck groß wird, die Schmerzen länger andauern, ausstrahlen oder ein Kribbeln in den Händen dazukommt, sollte man zum Arzt gehen."