Letztes Update am Fr, 26.08.2016 06:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Osttirol

Kurs zum Thema Demenz soll Angehörige entlasten

Die Selbsthilfe Osttirol bietet eine siebenteilige Schulung für Menschen, die demenzkranke Familienmitglieder zu Hause pflegen.

Praktische Anleitungen wie das Verabreichen von Essen sind ebenso Teil des siebenteiligen Kurses wie Wissen über die Pflegegeld-Einstufung oder das Kommunizieren durch die so genannte Validation.

© PantherMedia / Alexander RathsPraktische Anleitungen wie das Verabreichen von Essen sind ebenso Teil des siebenteiligen Kurses wie Wissen über die Pflegegeld-Einstufung oder das Kommunizieren durch die so genannte Validation.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Die hochbetagten Eltern oder den kranken Ehepartner zu Hause zu betreuen, ist für viele Osttirolerinnen und Osttiroler selbstverständlich. Auch, wenn die Diagnose Demenz lautet. Die bekannteste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit, und sie ist in ganz Europa auf dem Vormarsch, so auch in Tirol. Dabei versagt bei den Patienten nicht nur nach und nach das Gedächtnis. Sie verändern sich oft auch körperlich und vor allem seelisch. Im fortgeschrittenen Stadium können sie oft nicht mehr alleine essen oder sich anziehen, nicht mehr sprechen, erkennen ihre nächsten Verwandten nicht mehr und entwickeln manchmal auch stark­e Aggressionen.

Daten und Fakten zum Kurs

Auftakt: Der Kurs startet mit Infoveranstaltungen im Iseltal (5. September, 19 Uhr, Rettungszentrum Matrei), in Lienz (6. September, 19 Uhr, Wohn- und Pflegeheim) und im Oberland (7. September, 19 Uhr, Sprengelstube Abfaltersbach). In lockerer Abfolge folgen einzelne Module. Ende: 7. November.

Sieben Module:

Die sieben Kursveranstaltungen behandeln die Demenz als Krankheit, die Einführung in die Validation, die Pflege von Demenzkranken, Infos zur richtigen Pflegegeld-Einstufung, Alltags-Kompetenztraining, Aromapflege sowie das Thema der Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Kursorte:

Fünf der sieben Module werden jeweils in Matrei, Lienz und Abfaltersbach angeboten. Die Veranstaltungen zu Pflegegeld und Validation gibt es nur in Lienz.

Infos und Anmeldung:

Selbsthilfe Osttirol, www.selbsthilfe-osttirol.at, Tel. 04852/606-290.

Für die Angehörigen, die diese Menschen zu Hause betreuen, kann das eine unglaubliche Belastungsprobe werden, weiß Daniela Meier. Sie ist Obfrau der Selbsthilfe Osttirol und beruflich Pflegedienstleiterin des Lienzer Wohn- und Pflegeheims. Im Herbst bietet die Selbsthilfe deshalb einen siebenteiligen Kurs für Pflegende an. Dieser soll ihnen das Rüstzeug für ihre oft schwierige Tätigkeit geben. „Es ist leichter, mit der Krankheit umzugehen, wenn man sie besser versteht“, sagt Meier. Deshalb bildet ein Vortrag des Neurologen Torsten Ruf das erste Modul des Kurses. Thematisiert wird auch das Erkennen, ob die Vergesslichkeit von Opa oder Mama harmlos ist oder ein Anzeichen einer beginnenden Demenz. Früherkennung ist wichtig, meint die Obfrau. „Je früher die Behandlung beginnt, desto langsamer schreitet die Krankheit voran.“ Im Fall eines Verdachts ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle.

Das Modul „Aromapflege – Therapeutic Touch“ ist besonders pflegenden Angehörigen selbst gewidmet. Alexandra Oberreiner-Fröschl zeigt, wie sich diese durch Aromaöle, Lavendelfußbäder oder Akupressur selbst etwas Gutes tun können.

Im Jahr 2012 lebten in Osttirol 780 Menschen mit der Diagnose Demenz. Für 2022 werden 950 erwartet.