Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 01.09.2016


Gesundheit

In der Regel nachhaltig

An Tagen wie diesen ist Müllvermeidung ein großes Thema. Menstruationstassen sind eine umwelt- und kostenfreundliche Alternative zu Tampons und Binden.

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© Getty Images/iStockphoto



Von Nicole Strozzi

Innsbruck – Angenommen, der Gegenstand im Bild rechts müsste in einer Quizshow erraten werden, so gäbe es mit Sicherheit ein paar ratlose Gesichter. Dass es sich bei dem lila „Ding“ nicht um ein Silikonbackförmchen, sondern um einen Monatshygieneartikel handelt, wissen vermutlich nur echte Kenner.

Dabei ist der wiederverwendbare Becher aus medizinischem Silikon nicht erst seit gestern eine umwelt- und kostengünstige Alternative zu Tampons und Binden. Die Menstruationstasse bzw. den Menstruationsbecher gibt es bereits seit den 1930er-Jahren – also in etwa genauso lange, wie es Tampons gibt.

Trotzdem sind die Mens­truationstassen hierzulande noch wenig im Umlauf. In den sozialen Medien hingegen erfährt der Tampon-Ersatz einen regelrechten Hype. Im Internet werden die kelchförmigen Becher mit trendigen Namen wie LadyCup, Mooncup oder DivaCup in peppigen Farben angeboten. Auch in Apotheken oder Drogerien können die Frauenhygieneartikel erworben werden. Das Thema Nachhaltigkeit reicht immer weiter und ist nun auch an der intimsten Stelle angekommen.

Wenn man davon ausgeht, dass eine Frau in ihrem Leben zwischen 10.000 und 17.000 Binden bzw. Tampons verbraucht, dann ist das eine Menge Müll, der durch den Einsatz solcher Cups verhindert werden könnte. Ganz abgesehen von den Kosten, die Frau sich monatlich spart.

Die Silikonbecher sind in verschiedenen Größen zu haben, liegen preislich zwischen 15 und 32 Euro und sollen bis zu zehn Jahre lang wiederverwendbar sein. Angewendet wird die Tasse, indem sie mit den Fingern zusammengefaltet und wie ein Tampon mit der Öffnung nach innen eingeführt wird. Im Körper ploppt der Behälter auf und sitzt aufgrund des Unterdrucks fest. Je nach Modell fängt der Kelch bis zu 48 ml Menstruationsblut auf und sollte etwa zwei- bis fünfmal täglich gewechselt werden.

Nach jedem Wechseln muss das Behältnis ausgespült und am Ende der Periode abgekocht bzw. sterilisiert werden.

Karin Matthä, Innsbrucker Gynäkologin und Belegärztin im Sanatorium Kettenbrücke, hält die Menstruationstasse für eine gute Alternative zu herkömmlichen Monatshygieneartikeln. Trotzdem sei die Tasse nicht für jede Frau und jede Situation geeignet. „Frauen sollten mit der weibliche Anatomie gut vertraut sein, damit die Tasse richtig eingeführt wird“, betont die Ärztin. Für eine reife Frau, die ihren Körper gut kennt und mit Monatshygiene viel Erfahrung hat, sei die Tasse eine gute Möglichkeit. Doch jüngeren, ungeübteren Frauen, die noch nicht lange ihre Periode haben, würde sie die Tasse nicht empfehlen.

„Im Gegensatz zum Tampon ist die Menstruationstasse von außen unsichtbar. Man darf den Behälter also auf keinen Fall vergessen, sonst kann es zu einer Infektion kommen“, ergänzt die Ärztin. Auch nach einer Operation oder im Wochenbett sei die Tasse kontraindiziert – das gleiche gelte allerdings auch für Tampons. Hinzu kommt: Das Auswaschen der Tasse kann sich als schwierig erweisen, wenn man unterwegs ist und öffentliche Toiletten aufsuchen muss.

Für welches Produkt sich die Frau entscheidet, liege letzten Endes aber doch ganz in der Hand der Anwenderin.