Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.01.2017


Gesundheit

Weit jenseits der Schmerzgrenze

Für die Betreuung von Schmerzpatienten fehlt in Österreich das Spitalsangebot.

Bis zu zwei Millionen Österreicher leiden unter Schmerzen, viele davon chronisch. Eine spezielle Behandlung könnte ihnen helfen.

© Bis zu zwei Millionen Österreicher leiden unter Schmerzen, viele davon chronisch. Eine spezielle Behandlung könnte ihnen helfen.



Wien – Experten orten anlässlich der bevorstehenden 16. Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) ein großflächiges Versagen bei der Versorgung betroffener Patienten. Schmerzambulanzen von Krankenhäusern hätten zugesperrt, im Entwurf für den neuen Österreichischen Strukturplan Gesundheit komme die Schmerzmedizin kaum vor, hieß es gestern vor der Presse in Wien.

In Österreich gibt es rund 1,5 Millionen bis zwei Millionen Schmerzpatienten. Während die quälenden Symptome zumeist die Folgen von chronischen Grunderkrankungen sind, dürften 350.000 bis 400.000 Menschen „schmerzkrank“ sein. Das heißt, dass sie an schweren chronischen Schmerzen leiden, die sich quasi verselbstständigt haben. Diese Personen würden eine Betreuung in spezialisierten „multimodalen“ Einrichtungen benötigen, die aber in Österreich kaum existieren.

Gerade um die Versorgung von Patienten nach chirurgischen Eingriffen (postoperative Schmerzen) geht es bei den Österreichischen Schmerzwochen. „Wir haben in Österreich pro Jahr rund 1,2 Millionen Operationen. Zehn Prozent der Patienten entwickeln chronische Schmerzen“, sagt der Kärntner Spezialist Rudolf Likar (Klinikum Klagenfurt). Die Entwicklung solcher chronischer Beschwerden nach chirurgischen Eingriffen gelte es durch eine entsprechende Behandlung rund um Operationen zu verhindern.

Wissenswertes über die Behandlung von Schmerzen liefert die Broschüre „Schmerzen richtig behandeln“. Diese liegt in vielen Arztpraxen auf und steht zum Download unter www.oesg.at zur Verfügung. (APA, TT)