Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 15.05.2017


TT-Ombudsmann

Geblendet von Nachbars Licht: Was tun gegen Lichtverschmutzung?

Scheinwerfer, Leuchtreklame, Lampen aller Art: Wir leben in einer hellen Zeit. Dringt fremdes Licht aber auch nachts in unseren Privatbereich, wird es unangenehm. Was kann man tun?

© iStockphotoZu hell, um ein Auge zuzubekommen. Unerwünschte Beleuchtung von draußen zur Schlafenszeit kann zum Problem unter Nachbarn werden.



Innsbruck – Lichtverschmutzung. Das klingt wie ein Begriff aus einem Fantasy-Roman. Für viele unserer Landsleute entspricht aber genau das der gelebten Realität: In ihre Wohnungen dringt auch nachts viel Licht von draußen. Flutlicht und Straßenbeleuchtung, Leucht­reklame, Bewegungsmelder oder schlicht die Mega-Lampe aus der Nachbarwohnung strahlen in hellstem Schein beim eigenen Fenster herein.

Ein Leser aus Innsbruck hat jüngst dem TT-Ombuds­mann-Team nächtliche Erlebnisse geschildert. Diese sind durch und durch jugendfrei, um nur ja keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. Jugendfrei zwar, für den Betroffenen allerdings auch reichlich ärgerlich. Denn mit der Nachbarin vis-à-vis, die oft bis spätnachts am Schneidertisch sitzt, hat der Mann seine sprichwörtlich helle Not. Von deren großflächigem Fenster dringt das Licht einer starken Lampe grell herüber ins Schlafgemach des Mannes.

Kann er sich vor allzu heftigem Lichteinfall schützen? Oder muss er sich seinem Schicksal fügen und den eigenen Schlummerbereich durch massive Vorhänge oder Rollläden in eine Dunkelkammer verwandeln? Das begehrt der Leser zu wissen.

Andreas Desalla, Wohnrechtsexperte der Tiroler Arbeiterkammer, bringt, um beim Bild zu bleiben, Licht in diese Angelegenheit. Er hat eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes (OGH) aus dem Jahr 2003 ausfindig gemacht. Diese bietet eine gute Grundlage, um selbst einzuschätzen, ob ein Licht von nebenan den Rahmen des Erträglichen überschreitet.

„Damals ging es um den Beleuchtungskörper einer benachbarten Wohnanlage“, erläutert Desalla den Spruch der Höchstrichter. Diese erklärten die Störung durch eine solche Lichtquelle dann für unzulässig, wenn das Schlafzimmer eines Anrainers trotz dunkler Vorhänge weiter hell erleuchtet wird. Desalla: „Der Nachbar sollte nämlich auch selbst Abwehrmaßnahmen, also eben in Form von Vorhängen oder Rollläden, ergreifen, um sich vor dem Lichteinfall zu schützen.“ Nützen aber auch diese Maßnahmen nichts, dann ist es eindeutig zu viel Licht.

Um sich gegen eine Lichtbelästigung (juristisch ist von „Lichtimmissionen“ die Rede) wehren zu können, müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein, wie der AK-Experte weiter ausführt. „Die Lichtimmissionen müssen ortsunüblich und unzumutbar sein.“ Hier gibt es leider keine allgemein gültigen Grenzwerte. Es kommt auf den Einzelfall an.

Die Beurteilung der Ortsüblichkeit einer Lichtquelle hat weiträumig zu erfolgen, betont Desalla. Es gehe darum, was im betreffenden Gebiet oder Stadtteil üblich sei.

Und für die Zumutbarkeit einer Störung durch fremdes Licht gilt nicht der Beschwerdeführer als Maßstab. „Es geht nicht um das subjektive Empfinden des sich gestört fühlenden Nachbarn, sondern um jenes eines Durchschnittsmenschen“, so Desalla. Anders formuliert: Würde sich auch Otto Normalverbraucher gestört fühlen oder hätte er mit der fraglichen Lichtquelle kein Problem?

Landet ein solcher Streit vor Gericht und muss ein Sachverständiger zu Rate gezogen werden, so erhöht das den Aufwand und die Kosten eines solchen Rechtsstreits.

Desalla rät auch davon ab, voreilig gegen einen Lichtverursacher vorzugehen: „Es ist besser, das Gespräch mit ihm zu suchen, oft lassen sich solche Fragen dadurch lösen.“ Als Mieter kann man überdies den Vermieter einschalten. Dieser ist dazu verpflichtet, dem Mieter ungestörtes Wohnen zu ermöglichen. Es wird dafür ja auch Miete bezahlt.

Beim Land Tirol wird darauf hingewiesen, dass es für die Lichtimmissionen der Straßenbeleuchtung Grenzwerte gibt. Das Licht muss dort so beschaffen sein, dass es Straßenbenützer nicht blendet, Verkehrszeichen und Signalanlagen aber dennoch erkennbar macht. In allen anderen Bereichen des Lebens wird die Lichtstärke auf Basis von Normen beurteilt.