Letztes Update am Mi, 13.09.2017 12:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Psychologie

Musik macht Männer für Frauen attraktiver

Wenn Frauen erst Musik hören, bewerten sie männliche Gesichter als attraktiver und würden eher mit ihnen ausgehen. Das haben Wissenschafter in Innsbruck und Wien herausgefunden.

Je emotionaler die Musik desto attraktiver werden Männer für die Frauen. (Symbolfoto)

© iStockJe emotionaler die Musik desto attraktiver werden Männer für die Frauen. (Symbolfoto)



Innsbruck, Wien – Musik macht Männer für Frauen attraktiver. Das zeigten Psychologen der Universitäten Wien und Innsbruck in einem Experiment, in dem die Rolle von Musik bei der Partnerwahl untersucht wurde. Männer lassen sich dagegen von Musik bei ihrer Einschätzung der Attraktivität des anderen Geschlechts nicht beeinflussen, berichteten die Wissenschafter in der Fachzeitschrift Plos One.

Wie Musik als Teil der menschlichen Kultur entstanden ist, ist nach wie vor rätselhaft. Charles Darwin vertrat die These, dass sich Musik durch sexuelle Selektion entwickelt habe. Deuten doch die fürs Musizieren notwendigen motorischen und kognitiven Fähigkeiten auf gute Gene hin, so wie Vögel in der Paarungszeit mit ihrem Gesang auf ihre genetische Ausstattung hinweisen wollen.

Je emotionaler die Musik, desto attraktiver werden die Männer

Weil es nur wenige Befunde gibt, die Darwins These unterstützen, wollten die österreichischen Forscher mit neuen Experimenten die Rolle von Musik bei der Partnerwahl untersuchen. Dabei sei „die Attraktivität des Gesichts eines der wichtigsten körperlichen Merkmale, welche die Partnerwahl beeinflussen können“, erklärte Helmut Leder von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien. „Wir wollten herausfinden, wie Musik die Wahrnehmung dieses Merkmales verändern kann.“ Offensichtlich können Melodien sie tatsächlich beeinflussen.

Das zeigte Manuela Marin vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck gemeinsam mit Leder und Kollegen in einem Experiment mit 96 heterosexuellen Personen (Durchschnittsalter rund 23 Jahre), deren musikalische Ausbildung und Vorlieben sich ähnelten. Ihnen wurden Musikausschnitte – klassische Klaviermusik aus dem 19. Jahrhundert – mit unterschiedlichem emotionalen Gehalt vorgespielt und anschließend Bilder von Gesichtern des anderen Geschlechts mit neutralem Gesichtsausdruck zur Bewertung vorgelegt. Abgefragt wurde die Attraktivität der abgebildeten Person sowie die Bereitschaft, die Person zu „daten“. Zur Kontrolle wurden den Testpersonen auch Gesichter ohne Musik präsentiert.

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Es zeigte sich, dass Frauen nach dem Hören von Musik Männer als attraktiver einstuften als ohne Musik und ihre Bereitschaft zu einer Verabredung stieg. Vor allem hocherregende und somit komplexe Musik habe zum größten Effekt geführt. Bei Männern konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden, so die Studienautoren. Die Zyklusphase der Frauen spielte dabei keine Rolle.

Kann Musik die körperliche Erscheinung kompensieren?

„Die empirischen Befunde, dass Musik die Kraft besitzt, menschliches Verhalten in Bezug auf die Partnerwahl zu beeinflussen, nehmen zu“„ sagte Marin. Die Wissenschafter würde es nun interessieren, ob musikalische Fähigkeiten und Kreativität Schwächen in Bezug auf körperliche Erscheinung und Fitness zum Teil kompensieren können.

Für sie stellt sich auch die Frage, wie man Darwins Theorie mit anderen biologischen und sozialen Theorien zur Entstehung von Musik in Einklang bringen kann. „Musik kann den sozialen Zusammenhalt fördern, und sie spielt auch eine Rolle in der Mutter-Kind Beziehung. Bis wir diese Zusammenhänge verstehen, ist es noch ein weiter Weg.“ (APA, TT.com)