Letztes Update am So, 17.09.2017 11:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Damit es frischgebackenen Mamas gut geht

Die Geburt eines Kindes stellt das Leben einer Frau meist auf den Kopf. Trotzdem ist Regeneration angesagt, auch gute Nerven braucht es. Experten beantworten Fragen zu Dehnungsstreifen, Ernährung, Venenleiden und Sport.

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Geduld mit der Haut

Schwangerschaftsstreifen sind kein Grund zur Panik. Rund 80 Prozent der Frauen entwickeln im Lauf der Schwangerschaft die unliebsamen Dehnungsstreifen (Striae) auf Bauch, Po, Brust und Gesäß. „Neben den großen hormonellen Umstellungen in einer Schwangerschaft kann auch ein schwaches Bindegewebe zu Schwangerschaftsstreifen führen“, erläutert Gynäkologe Andreas Bachmann, Leiter der Geburtshilfe im Sanatorium Kettenbrücke in Innsbruck.

Mehrlingsschwangerschaft und übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft erhöhen das Risiko für Schwangerschaftsstreifen ebenso. Bei zu starker Dehnung entstehen Risse in der ansonsten recht elastischen Haut.

Welche Maßnahmen bringen Erleichterung? Massagen mit Vitamin-E-haltigem Öl, Zupf- und Knetmassagen können schon während der Schwangerschaft helfen. Die gute Nachricht ist, so Bachmann: „Nach der Schwangerschaft bilden sich die zuerst rosa bis rötlichbraunen Dehnungsstreifen nach einiger Zeit zu matt glänzenden Linien zurück.“ Das Wissen um die Entstehung der Streifen, Hautpflege und Geduld unterstützen das Wohlbefinden der Frau.

Essen mit Köpfchen

Fasten ist nach der Schwangerschaft der größte Fehler, erklärt die Innsbrucker Diätologin Karin Ratschiller. „Hungern macht nicht schlank. Man muss essen, um fit zu bleiben und zu werden.“

Es geht also darum, den Energiehaushalt aufrecht zu erhalten und um die Regeneration des Körpers, der während der Schwangerschaft anders ticken musste. Hormone müssen sich jetzt wieder umstellen, das Gewebe wieder erholen, dazu soll das Nervenkostüm passen.

„Frauen, die stillen, brauchen um rund 500 Kalorien mehr als nicht stillende Mütter. Der Mix an Nährstoffen ist besonders wichtig“, so Ratschiller. Das Kalorienplus lässt sich gut in Zwischenmahlzeiten, bestehend aus Eiweiß, Kohlehydraten und Vitaminen einnehmen (z.B. Joghurt, Getreideflocken, etwas Obst oder Gemüse).

Unabhängig davon, ob gestillt wird, muss sich der Körper regenerieren, eine Zellfrischkur ist angesagt. Dafür braucht es Eiweiß, Tierisches in Form von Fisch, Käse, Topfen, Ei und magerem Fleisch und Pflanzliches durch Kartoffeln, Erbsen, Brokkoli oder etwas exotisch mit knusprigem Puff-Quinoa. Die Empfehlung: eine kleine Faust Eiweiß dreimal am Tag.

Bestandteil jeder Hauptmahlzeit sind neben Eiweiß auch Kohlehydrate (Brot, Flocken, Kartoffeln, Reis, Nudeln). So können die jungen Mütter Heißhungerattacken vermeiden. Die Regeneration unterstützen zudem die Vitamine ACE (viel Obst und Gemüse) und Omega-3-Fette. Hier gibt man pro Tag 1-2 Esslöffel hochwertiges Pflanzenöl (Lein-, Hanf-, Walnuss-, Sonnenblumenöl) auf Salat oder Gemüse. 10 Mandelkerne oder 5 Walnüsse versorgen mit Vitamin B und stärken die Nerven. Eine Faustregel zur Flüssigkeitsversorgung lautet: Gewicht mal 30 bis 40 ml Wasser und ungesüßten Tee. Der Nebeneffekt: „Eine Mutter, die sich gut versorgt, ist das beste Vorbild für die Kinder.“

Beine flott machen

Ein Spannungsgefühl in den Beinen deutet auf eine Überbelastung der Venen hin. Immerhin pumpen sie Tausende Liter Blut pro Tag von den Füßen zum Herzen zurück. „Eine Schwangerschaft ist definitiv eine Risikozeit für die Venen“, erklärt der Innsbrucker Phlebologe Edgar Raschenberger.

Der Venenarzt rät Frauen dazu, Krampfadern und Besenreiser wie eine Zahnsanierung bereits vor der Schwangerschaft zu planen. Vor allem sollten Venenleiden nicht in die nächste Schwangerschaft mitgenommen werden. Generell sei auch Stillen keine Kontraindikation einer Venenbehandlung.

Was bringt müde Beine in Schwung? Kompressionsstrümpfe unterstützen den Abtransport von Körperwasser, zwischendurch die Beine hochlagern, sich bewegen, Haut zupfen und kalt-warme Wechselduschen tun gut.

Sport mit Kinderwagen

Viele Frauen betreiben heute ihren Sport auch während der Schwangerschaft. Nach der Geburt braucht der Körper vorerst eine Pause für eine erste Regeneration (3 bis 4 Wochen). Für den Telfer Sportmediziner Thomas Scheiring ist Spazierengehen und Nordic Walking (ein zügiges Gehen mit Stöcken) die Bewegung der Wahl. „Eine Stoßbelastung wie beim Laufen und eine Sitzbelastung wie beim Radfahren sollten vermieden werden.“

Das Spazierengehen mit dem Kinderwagen bringt dagegen gleich zwei positive Effekte: Mutter und Kind kommen in die frische Luft. Und schnelleres Gehen oder Steigungen bringen den Puls bald in den Trainingsbreich.

Ein Ausdauer- und Grundlagentraining umfasst beispielsweise in den ersten Wochen nach der Geburt 6-mal pro Woche eine halbe bis eine Dreiviertelstunde spazieren gehen. Die sportliche Mutter kann die Intensität bald steigern, damit sie ins Schwitzen und etwas außer Atem (Puls 115 bis 125) gerät. Wer weniger Zeit und Lust hat sollte mindestens dreimal pro Woche eine halbe bis Dreiviertelstunde spazieren gehen. Alles darunter bringt nämlich keine Konditionsstärkung, ist aber gesunde Bewegung.

„Noch ein Plus des Sports ist der positive mentale Effekt“, fasst Scheiring zusammen. (Sabine Strobl)