Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.10.2017


Gesundheit

Zum Aus-der-Haut-Fahren: Leben mit Psoriasis

Schuppenflechte (Psoriasis) ist extrem belastend für Betroffene und nagt am Selbstbewusstsein. Neue Medikamente, die in das Immunsystem eingreifen, versprechen Besserung, sind aber nicht für jeden geeignet.

Wenn die Schuppenflechte ihre Spuren hinterlässt, ist das für Betroffene sehr unangenehm. Viele schämen sich.

© iStockphotoWenn die Schuppenflechte ihre Spuren hinterlässt, ist das für Betroffene sehr unangenehm. Viele schämen sich.



Von Nicole Strozzi

Innsbruck – „Ich bin ungern ins Schwimmbad gegangen und habe versucht, meine Hautstellen zu verstecken. Die Blicke der anderen waren schwer auszuhalten. Ich trug nur langärmlige Sachen, kein Schwarz, sodass man die Schuppen nicht sieht“, schreibt die 24-jährige Laura auf einer Psoriasis-Plattform im Internet.

„Meine Schuppenflechte belastet mich so sehr, dass gerade meine Beziehung daran kaputtgeht“, spricht eine andere Schreiberin anonym über ihre Hemmungen ihrem Partner gegenüber. „Er sagt zwar, es stört ihn nicht, aber ich kann, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht raus aus meiner Haut …“

Es ist schwer, sich in die Haut eines anderen zu versetzen, aber man kann sich vorstellen, wie sehr die Diagnose Psoriasis die Lebensqualität und das Selbstbewusstsein beeinträchtigen kann. Die schuppigen, geröteten und oft juckenden Hautstellen breiten sich sehr häufig auf Armen, Beinen und am Rücken aus, können aber auch am Kopf, an den Nägeln oder im Genitalbereich auftreten. „Die Schuppenflechte kann aber auch die Gelenke betreffen und mit Gelenksentzündungen einhergehen. Wir wissen mittlerweile, dass es einen Zusammenhang zwischen Psoriasis und Herzinfarkt oder dem Metabolischen Syndrom gibt“, erklärt Matthias Schmuth, Leiter der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck. Ärzte müssten daher den Patienten als Gesamtheit sehen und auch daran denken, bei Psoriasis das Cholesterin zu messen.

Die meisten der Betroffenen haben im Laufe ihres Lebens vieles ausprobiert. Ernährungsumstellung, Aufenthalte am Toten Meer, Fische, die die Psoriasis wegknabbern sollen, Homöopathie oder Salben und Cremen. Das klassische Behandlungsschema in der Schulmedizin sieht nach wie vor im ersten Schritt eine Lokaltherapie, u. a. mit Cortisonsalben, Vitamin-D-Salben oder UV-Lichttherapie, vor. Wenn die lokalen Therapien nicht wirken, werden so genannte immunsuppressiv wirkende Medikamente eingesetzt. Genau diese Immunmodulatoren, die in das Immunsystem eingreifen und Entzündungen dämpfen sollen, standen im Zentrum des Europäischen Dermatologenkongresses, der von 27. bis 30. September in Salzburg stattfand.

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Psoriasis vor der Behandlung.
Psoriasis vor der Behandlung.
- ESDR

Der Hintergrund: Die Entzündungen der Schuppenflechte werden durch bestimmte Botenstoffe hervorgerufen, einer davon heißt TNF, andere IL. Diese Immunmodulatoren, so genannte monoklonale Antikörper, richten sich nun gezielt gegen die verantwortlichen Botenstoffe, um sie zu blockieren. „Die Medikamente sind bei mittelschwerer und schwerer Psoriasis bereits im Einsatz. Die Forschung hat sich so verfeinert, dass sich immer neue Zielbotenstoffe der Psoriasis mit diesen Antikörpern blockieren lassen“, sagt Kongress-Leiter Schmuth. In einigen Fällen (20 %) konnte die Schuppenflechte sogar zu 100 % reduziert werden.

Psoriasis nach der Behandlung.
Psoriasis nach der Behandlung.
- ESDR

Außerdem ist diese neue Generation der Antikörper-Medikamente (Spritzen) und Small Molecules (Tabletten) nebenwirkungsärmer. Euphorisch vom Post-Kortisonzeitalter zu sprechen, sei allerdings noch verfrüht. „Die Medikamente sind kein Wundermittel. Nicht alle Patienten sprechen darauf an“, so Schmuth. Drei bis sechs Monate müsse man warten, um zu erkennen, ob die Behandlung wirkt.

Für die meisten der Betroffenen bedeutet die Diagnose Psoriasis eine lebenslange Therapie. Dennoch erhoffen sich Experten, dass die chronische Krankheit durch das Konzept der Immuntherapie sogar heilbar wird.

Was ist Psoriasis (Schuppenflechte)?

Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine entzündliche Hauterkrankung, die Rötungen und Schuppenbildung hervorruft. Psoriasis ist nicht ansteckend.

2 bis 3 % der Bevölkerung sind betroffen, d. h. rund 250.000 Österreicher, bei gleicher Aufteilung auf Geschlecht und Alter. Tritt typischerweise zum ersten Mal im jungen Erwachsenenalter auf. Bei Kindern tritt Psoriasis seltener auf.

Risikofaktoren: Genetische Faktoren, Metabolisches Syndrom, Herzkreislauferkrankungen.

Die Therapie erfolgt schrittweise: Lokaltherapie mit Salben, UV-Lichttherapie. Immunmodulatoren.

Hilfe durch Selbsthilfeverein: http://www.psoriasis-hilfe.at