Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 16.10.2017


TT-Ombudsmann

Kosten einer Zahnbehandlung: Wer soll das bezahlen?

Das fragen sich Patienten angesichts der Kosten einer Zahnbehandlung. Die Krankenkasse ersetzt nur das unbedingt Notwendige. Unzufrieden sind damit alle – auch die Ärzte.

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Von Markus Schramek

Innsbruck — Zahnarzt! Jeder braucht ihn, richtig gern geht keiner hin. Denn schmerzliche Erfahrungen haben mit ihm schon viele gemacht: Weil er „gebohrt hat", oder aber, weil Kronen und Implantate auch finanziell wehtun. Die Krankenkasse übernimmt nur bestimmte Kosten. Den Rest muss der Patient selbst berappen. Bei größeren Reparaturen sind das schnell tausend Euro und mehr.

Dem gelernten Österreicher kommt das seltsam vor: Er bezahlt allmonatlich Beiträge zur Krankenversicherung. Doch für die Zahnbehandlung muss er extra „brennen".

Warum eigentlich? Das wollte das TT-Ombudsteam von der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK), dem größten Sozialversicherer des Landes, wissen. Hier die Antwort von TGKK-Chef Arno Melitopulos: „Aufgrund unserer gesetzlichen Verpflichtung bezahlen wir derzeit nur den unentbehrlichen Zahnersatz."

„Unentbehrlich" ist etwa eine abnehmbare Zahnprothese. Festsitzenden Zahnersatz (Kronen, Implantate) bezahlt die Kasse hingegen nicht.

Die TGKK betreibt auch selbst mehrere Zahnambulatorien, in denen man die Beißerchen behandeln lassen kann. Als Erfolg sieht man bei der Kasse auch die Gratiszahnspange für Kinder und Jugendliche bis 18. Bei entsprechender Zahnfehlstellung werden die Kosten für festsitzende Spangen übernommen. Pro Jahr wendet die TGKK 55,5 Millionen Euro für die Zahnbehandlung auf.

Als Zahnpatient muss man zwischen Kassenärzten und Wahlärzten unterscheiden.

Kassenärzte sind an die „Honorarordnung" der Sozialversicherungsträger gebunden. Das ist ein Katalog von 41 Leistungen, welche die Krankenkasse bezahlt. So bekommt ein Kassenarzt für die Extraktion, also das Reißen, eines Zahnes samt örtlicher Betäubung 18,20 Euro. Das wirkt wie ein Taschengeld, wenn man bedenkt, mit welchen Sätzen Handwerkerdienste zu Buche schlagen können.

Wahlärzte sind bei der Honorargestaltung frei. Es gibt eine Empfehlung der Zahnärztekammer in Form von „Honorarrichtlinien". An diese müssen sich Wahlärzte aber nicht halten. Laut den Richtlinien kostet eine Extraktion 41 Euro — also mehr als das Doppelte des Kassentarifs.

Beim Besuch eines Wahlarztes haben die Patienten mit einem Selbstbehalt zu rechnen (abhängig von den Leistungen der eigenen Sozialversicherung). Die Gebietskrankenkasse etwa ersetzt lediglich 80 Prozent des — Achtung! — Kassentarifs.

Dazu ein Beispiel: Verlangt der Wahlarzt 41 Euro (oder mehr) für eine Extraktion, erstattet die Kasse dem Patienten trotzdem nur rund 15 Euro. Das sind 80 Prozent jener 18,20 Euro, welche die Kasse den Vertragsärzten bezahlt.

Das alles ist reichlich kompliziert. Der Dschungel der heimischen Sozialversicherung mit seinen 21 Versicherungsträgern lässt grüßen.

Wolfgang Kopp, der Präsident der Tiroler Zahnärztekammer, ist mit dem Ist-Zustand auch höchst unzufrieden. „Alle 41 bestehenden Kassenleistungen sind massiv unterdotiert. Der Vertrag stammt im Wesentlichen aus 1957", hält Kopp eine Anpassung für überfällig.

TGKK-Direktor Melitopulos will da gar nicht widersprechen: „Es besteht tatsächlich Aufholbedarf. Das ist eine dringende Aufgabe für die neue Bundesregierung." Eine Zahnkrone, sofern medizinisch notwendig, gehört aus der Sicht von Melitopulos heute zur Standardversorgung und somit auch in den Kassenkatalog.

Eines ist aber klar: Neue Leistungen kosten auch mehr Geld. Die Verhandlungen werden also nicht einfach.

Den Patienten gibt Tirols oberster Zahnarzt Kopp inzwischen folgenden Tipp mit in die Ordination. „Man hat das Recht zu verlangen, dass der Zahnarzt bei außervertraglichen Leistungen vor dem Eingriff einen Heilkostenplan vorlegt und über die Kosten aufklärt." So ist man über die Höhe des Selbstbehalts informiert.

Wer dennoch eine überhöht wirkende Rechnung vom Zahnarzt bekommt, kann sich an die Schlichtungsstelle der Zahnärztekammer wenden (Kontakt im Internet: tiroler.zahnaerztekammer.at ).