Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 02.11.2017


Uni Innsbruck

Emotionsforscherin löst das Gefühlswirrwarr auf

Eine US-Studie stellte kürzlich eine Erweiterung der Basisemotionen von sechs auf 27 in den Raum.

© AP



Von Theresa Mair

Innsbruck – Institut für Psychologie der Uni Innsbruck: An der Wand vor dem Büro von Eva Bänninger-Huber hängt eine Postkarte. Darauf abgebildet sind Prinz William und Herzogin Kate. „Was glauben Sie, was das für ein Lächeln ist?“, fragt die Professorin. „Ein aufgesetztes, vielleicht?“, kommt die zögerliche Antwort.

„Richtig“, meint die Emotionsforscherin. Es gibt eben nicht nur eine Form des Lächelns, die immer zur Emotion Freude passt. Hinter einem Lächeln kann vieles stecken, Schadenfreude oder Belustigung zum Beispiel. Womit wir bei der Wissenschaft Bänninger-Hubers angekommen wären. Denn mit den Gefühlen ist das so eine Sache. Sie sind noch lange nicht ganz erforscht.

Erst kürzlich ist eine Studie des US-Neurowissenschafters Alan S. Cowen erschienen. Diese legt nahe, die Grundemotionen Freude, Trauer, Angst, Ekel, Überraschung und Wut um ganze 21 zu erweitern. Darunter: Schmerz, Erleichterung und sexuelles Verlangen.

Bänninger-Huber, selbst Mitglied der International Society for Research on Emotion, kann mit dieser Ausweitung wenig anfangen. „Da werden Kraut und Rüben vermischt. Sexuelles Verlangen ist z.B. ein Trieb, Schmerz ein physiologischer Zustand.“ Die Zustände, die in der Studie als Emotionen identifiziert worden seien, würden als bloße Begriffe dazu dienen, das subjektive Erleben von Emotionen zu beschreiben.

Der eine könne besser differenzieren, der andere weniger. „Der sagt dann vielleicht nur, dass er ein ungutes Gefühl hat, ohne es klar zu benennen.“ Das Identifizieren von Emotionen könne man trainieren. Diese Fähigkeit helfe – entsprechend dem Forschungszweck Cowens – dabei, z.B. Depressionen gezielter zu behandeln.

Die angeborenen Basis-Emotionen würden sich von strukturellen Emotionen (wie z.B. Reue) u.a. darin unterscheiden, dass sie einen prototypischen Gesichtsausdruck hätten. Immer lassen sich für Emotionen typische Auslöser sowie charakteristische Aspekte des subjektiven Erlebens erkennen.

„Wir fragen die Probanden, wie es war, als sie sich geärgert haben. Wer sich ärgert, den stört etwas, und das will er weghaben.“ Wie man mit einer Emotion umgeht, ist ebenfalls typisch für ein bestimmtes Gefühl, z.B. Vermeidung. Allerdings werden Emotionen nicht überall auf der Welt gleich erlebt und reguliert. „Sie sind individuell und kulturell höchst unterschiedlich. Es gibt Feeling Rules und Display Rules.“ Feeling Rules bestimmen, welche Gefühle man zu erleben und zu äußern hat. Von einem Straftäter etwa erwartet man vor Gericht Reue. Zeigt er diese nicht, dann stimmt etwas nicht. Display Rules regeln, wie Emotionen zu zeigen sind. „Von Männern wird bei uns noch erwartet, dass sie nicht öffentlich weinen.“ Und von Kate und William, dass sie lächeln. Egal, ob ihnen danach ist oder nicht.




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