Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 20.11.2017


Exklusiv

Milchzähne in Warteschleife: Langes Warten auf OP in Innsbruck

Immer öfter sind Zahnbehandlungen bei Kindern nur noch unter Narkose möglich. Die Wartezeiten an der Innsbrucker Zahnklinik betragen mittlerweile über ein Jahr.

null

© Arne Trautmann



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Schlechte Kinderzähne: ein Thema, das jetzt an der Innsbrucker Zahnklinik zu einem Engpass führt. Und zwar dann, wenn die Gebisse der Kleinen nur noch unter Narkose saniert werden können. „Wir haben mittlerweile Wartezeiten von über einem Jahr“, bestätigt Herbert Dumfahrt, stellvertretender Direktor der Universitätsklinik für Zahnersatz und Zahnerhaltung.

Ein Engpass, der trotz der Ausweitung des Angebotes schlimmer wurde. „Zunächst betrugen die Wartezeiten zwei bis vier Monate“, erinnert sich Dumfahrt: „Obwohl wir ursprünglich die Zahnbehandlungen unter Narkose nur an einem Tag pro Woche angeboten haben.“ Mittlerweile werden an der Innsbrucker Zahnklinik bereits an drei Tagen pro Woche Narkose-Behandlungen durchgeführt. Dennoch sind die Wartezeiten explodiert. „Möglicherweise ist es so, dass das Angebot zu einer erhöhten Nachfrage führt“, sagt Dumfahrt.

Derzeit werden an der Zahnklinik pro Woche etwa sechs Patienten unter Narkose behandelt, rund 300 sind es im Jahr. „Das Angebot steht nur Kindern bis zum Alter von 15 Jahren bzw. Menschen mit Beeinträchtigungen zur Verfügung“, erklärt Dumfahrt. Meist ist es so, dass Zahnärzte die Patienten an die Klinik überweisen: „Und zwar immer dann, wenn die herkömmlichen Zahnbehandlungen nicht möglich sind, weil die Patienten nicht ausreichend lange ruhig sitzen können“, erläutert Johannes Schwamberger, Sprecher der Tirol Kliniken. Und das sei eben bei Kindern und Menschen mit Behinderungen immer wieder der Fall. Dumfahrt ergänzt allerdings, dass „die meisten Kinder keine Narkose brauchen“.

Der Großteil der Narkose-Patienten an der Zahnklinik sei zwischen sechs und acht Jahre alt. Im Gegensatz zu „normalen“ Zahnbehandlungen versuchen die Klinik-Zahnärzte, alle geschädigten Zähne auf einmal zu sanieren. Schwamberger räumt aber ein, dass schon ein geschädigter Zahn eine Behandlung unter Narkose notwendig machen kann, wenn das Stillsitzen am Zahnarztstuhl nicht möglich ist. Aber in der Regel werden es „pro Kind im Durchschnitt zehn Füllungen sein“, sagt Dumfahrt. Mit ein Grund, dass pro „Narkose“-Tag nur zwei bis drei Kindergebisse saniert werden können. Ein weiterer Grund ist der zeitliche und personelle Aufwand, der durch eine Narkosebehandlung erforderlich ist. Dumfahrt warnt in diesem Zusammenhang, dass eine „Narkose mit deutlichen Nebenwirkungen“ verbunden sein kann.

Wie der stellvertretende Direktor der Zahnklinik betont, stammen die kleinen Patienten aus allen Bevölkerungsschichten, aber vermehrt auch aus Familien mit Migrationshintergrund: Dumfahrt vermutet, dass das Bewusstsein bezüglich der Mundhygiene nicht so ausgeprägt sei, die „Ernährung kann auch ein Faktor sein“.

Neben Süßigkeiten gelten mittlerweile vor allem Säfte als größter Feind der Milchzähne. Experten raten zu Wasser und ungesüßtem Tee.

Schlechte Kinderzähne können auch die Eltern in Bedrängnis bringen: Wenn sich Mama und Papa nicht rechtzeitig um Karies und Co. kümmern, kann das zum Einschreiten der Jugendwohlfahrt und sogar zu Verurteilungen durch das Gericht wegen Vernachlässigung von „Unmündigen“ führen.