Letztes Update am Mi, 06.12.2017 08:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Bitte Erdnüsse von Kindern fernhalten

Keine Frage, Nüsse sind gesund. Sicherheitshalber sollten kleine Kinder aber keine Erdnüsse essen. Zu oft landen diese in der Lunge – und das ist gefährlich.

© iStock(Symbolfoto)



Theresa Mair

Erdnüsse gehören ins Niko­laussackerl, genauso wie der Schokokrampus und Mandarinen. Aber Achtung: Kinder unter vier Jahren dürfen nur die Schoko und das Obst verputzen. Großeltern, Mama, Papa und alle anderen sollten darauf achten, dass die Kleinen keine Erdnuss in die Finger bekommen. Der Grund: Unter Vierjährige können die Nüsse noch nicht gut kauen, aber leicht öffnen. Einmal in den Mund gesteckt und damit herumgespielt, passiert es leicht, dass Kinder abgelenkt sind: Sie aspirieren das Nüsschen.

Das heißt: Statt im Magen landet die Erdnuss – anfangs oft unbemerkt – in der Lunge und verur­sacht dort eine schwere Entzündung. „Leider ist das Problembewusstsein bei Eltern und Kindergärtnerinnen sehr schwach ausgeprägt. Viele denken, wir wollen den Kindern etwas Gesundes und Biologisches vorenthalten“, bedauert Claus Pototschnig, geschäftsführender Oberarzt an der Innsbrucker Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde.

Was viele nicht einsehen wollen, hat er oft genug vor Augen. Etwa zwanzig Mal im Jahr werden an der Innsbrucker HNO zusammen mit einem speziell ausgebildeten Anästhesisten Fremdkörper aus Kleinkind-Lungen geborgen. Oft sind es Erdnüsse, vor allem in der Vorweihnachtszeit. „Vor Kurzem hatten wir an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei Fälle, in denen Kinder eine Erdnuss aspiriert haben“, sagt Pototschnig.

Das Problem mit der Erdnuss ist folgendes: Einmal in der Lunge gelandet, wird sie glitschig und zerfällt leicht, oft ist sie von Pilzen besiedelt. Im Röntgenbild ist eine Nuss meist nicht erkennbar. Erst Tage nachdem sie durch Kehlkopf und Luftröhre gerutscht ist, entwickelt das Kind Symptome, die einem fieberhaften Infekt gleichen. Die Lunge verengt sich, der Brustmittelraum verlagert sich und die Atemluft gelangt entweder nicht mehr in die Lunge hinein oder sie kommt nicht mehr hinaus. „Sie können mir glauben, wenn ich zu so einer OP gerufen werde, bin ich nicht ruhig. Kinder sind schwer beatembar. Die Kehlkopföffnung ist ungefähr so groß wie die Nuss selbst, es muss aber noch das Beatmungsrohr durch“, veranschaulicht der Arzt die riskante Prozedur. Da wartet man mit der Nussverkostung doch gerne ein paar Jährchen zu.




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