Letztes Update am Mi, 06.12.2017 11:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wissenschaft

Universität Wien: Alternative zum „Liebeshormon“ Oxytocin

Oxytocin ist als „Liebeshormon“ bekannt und kann beispielsweise Geburten erleichtern. Als Medikament hat es allerdings unerwünschte Nebenwirkungen. Forscher der Universität Wien haben sich diesem Problem angenommen und eine Lösung gefunden.

© iStockOcytocin verstärkt die Bindung zwischen Paaren ebenso wie zwischen Mutter und Kind.



Wien – Oxytocin ist vor allem als „Liebeshormon“ bekannt, da es beispielsweise Prozesse wie die Mutter-Kind-Bindung regelt und für die Einleitung der Geburt sowie das Stillen verantwortlich ist. Das Hormon wird im Hirn aller Säugetiere hergestellt und gelangt über die Blutbahn in andere Organe. Wenn es dort die Muskulatur zusammenzieht, löst es Orgasmen und Geburten ein.

Oxytocin hemmt zudem Ängste und verstärkt soziale Bindungen - zwischen Mutter und Kind, Mann und Frau und sogar Hund und Herrchen. Aufgrund der Wirkung des „Liebeshormons“ könnte es eingesetzt werden, um das soziale Verhalten autistischer Kinder zu verbessern, Schmerzen bei Migräne und chronischen Darmproblemen zu lindern oder die Geburt eines Kindes zu erleichtern.

Markus Muttenthaler studierte Technische Chemie in Wien und war bereits an Forschungsinstituten in Australien und den USA tätig.
- Anjanette Webb, Capture Studio

Neu entwickelte Version mit weniger Nebenwirkungen

Besonders bei zu hoher Dosis oder zu langer Anwendung kann Oxytocin jedoch Nebenwirkungen mit sich bringen, was bislang die Verwendung in der Medizin verhindert hat. Das liegt daran, dass der Wirkstoff nicht nur den eigenen biochemischen Signalweg aktiviert, sondern auch jenen des sogenannten „Treuehormons“ Vasopressin.

Markus Muttenthaler von der Fakultät für Chemie an der Universität Wien hat sich gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam diesem Problem gewidmet und eine leicht veränderte, synthetische Version hergestellt. Diese wirkt ähnlich wie das „Liebeshormon“, ist aber sicherer in der Anwendung, da sie weniger Nebenwirkungen mit sich bringt. Dieses „Se-Se-Oxytocin-OH“ ignoriert weitgehend die chemischen Andockstellen des Vasopressins und ist somit besser steuerbar.

Ähnlich dem Original kann die synthetische Variante die Kontraktion des Uterus verstärken, erklärt Muttenthaler: „Der Anstieg der Wirkung ist aber viel regelmäßiger und kontrollierter. Und es kommt nicht zu extremen Kontraktionen wie beim normalen Oxytocin, die manchmal sogar zu Rissen in der Gebärmutter führen.“ Die Studie erscheint aktuell in „Science Signaling“. (kla)