Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 08.01.2018


Gesundheit

Dieses Jahr tatsächlich rauchfrei

Für alle, die es allein nicht schaffen: Methoden zur Raucherentwöhnung im Vergleich. Weil der Weg nach der letzten Zigarette ganz ohne Unterstützung wirklich schwierig ist.

© iStockphotoNein, danke: Wer dauerhaft auf das Rauchen verzichten will, braucht einen starken Willen und manchmal auch mehr.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Wie lange es dauert, bis die meisten Menschen ihre guten Vorsätze wieder brechen, dazu gibt es ganz unterschiedliche Studienergebnisse. Der Großteil ist jedenfalls ziemlich ernüchternd. Psychologen suchen nach Gründen, weshalb so viele schon nach wenigen Tagen scheitern. Es braucht einen Plan, natürlich einen starken Willen, doch oft reicht auch der nicht aus. Sich das Rauchen abzugewöhnen – eines der häufigsten persönlichen Ziele, aber auch schwierig zu erreichen – schaffen ohne entsprechende Unterstützung letztlich nur fünf Prozent. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und die Plattform medizin-transparent.at haben sich einige Angebote und Methoden, rauchfrei zu werden, näher angesehen.

In der Apotheke erhältliche nikotinhaltige Pflaster um einige Euro pro Stück, Kaugummis, Tabletten oder Inhalatoren erhöhen laut einer ausführlichen Studie die Chance, von der Zigarette loszukommen, sagt Bernhard Matuschak vom Testmagazin Konsument. „Die Verwendung von Nikotinersatzprodukten hat eine psychische und eine physiologische Komponente.“ Sie helfen nicht nur gegen die körperlichen Entzugserscheinungen, durch die schrittweise Reduzierung der Dosis werden Raucher außerdem langsam entwöhnt.

Medizin-transparent.at – ein Service der Donau-Universität Krems und von Cochrane Österreich, ein unabhängiges Netzwerk von Wissenschaftern, Gesundheitsfachleuten und Patienten – bewertet die Beweislage hinter Gesundheits-Behauptungen. Gemeinsam hat man sich die Frage gestellt, wie weit etwa Hypnose dabei helfen kann, zum Nichtraucher zu werden. Die Studienlage dazu ist jedenfalls widersprüchlich. Hypnotherapie geht davon aus, dass das Unterbewusstsein im Trance-Zustand empfänglicher für Impulse von außen ist. Der Anblick abschreckender Bilder auf Zigarettenpackungen wie schwarzer Lungenflügel allein sei zu wenig. Hypnose soll dabei helfen, diesen Effekt zu verstärken. Bei einem Vergleich mit Patienten, die keinerlei Unterstützung bei der Entwöhnung hatten, schnitten die hypnotisierten Raucher zwar besser ab, die Experten bleiben aber zurückhaltend, die Wirksamkeit sei noch nicht ausreichend belegt.

Das trifft auch auf eine der teuersten Methoden zur Rauchentwöhnung zu, die Lasertherapie um rund 200 Euro, die sanfte Variante der Akupunktur. Ein Test für Konsument verlief allerdings erfolgreich. E-Zigaretten – als weniger schädliche Alternative zum Tabak angeboten – sind für medizin-transparent.at nur eine weitere Variante, ungesunde Mittel zu sich zu nehmen, außerdem gebe es Hinweise, einige Fabrikate würden krebserregende Substanzen freisetzen. Man weiß immer noch nicht, ob und wie schädlich sie tatsächlich sind.

Als unbestritten gilt, dass unterstützende Maßnahmen wie Raucherentwöhnungsprogramme und Verhaltenstherapien die Wirksamkeit von Nikotinersatzprodukten steigern, diese Kombination hat die höchsten Erfolgsquoten. Das Angebot der klinisch-psychologischen Nikotinentwöhnung in Innsbruck ist kostenlos. „Wir setzen auf Einzelberatungen“, sagt Verena Günther, Leiterin der Abteilung für Klinische Psychologie und der Raucherberatungsstelle des Landes Tirol. „Oft stecken psychische Probleme hinter der Sucht – Depressivität, Angst, Ärger. Die Leute verrauchen lieber diese Emotionen, als deren Ursachen auf den Grund zu gehen.“

Die Patienten benötigen rund zwölf Wochen, um nikotinfrei zu werden, im Gegensatz zu anderen Methoden sind die Erfolge durch Zahlen belegt: „53 Prozent verlassen uns als Nichtraucher, nach zwölf Monaten sind es noch 25 Prozent.“ Nach einem Jahr gilt ein Raucher als entwöhnt. Günther: „Wir möchten, dass sich die Betroffenen mit ihrem Verhalten auseinandersetzen. Wer sein eigenes Gefühlsleben und seine eigenen Stressreaktionen erkennt, ist eher gegen einen Rückfall gefeit.“

Der Verein Suchthilfe BIN hat mit der Krankenkasse in allen Bezirken ein zertifiziertes Rauchfrei-Programm gestartet, das sich auch der gesundheitlichen Folgen der Nikotinsucht annimmt. „Starke Raucher brauchen zusätzliche Angebote. Wer große körperliche Probleme hat, bei dem nützt ein Nikotinpflaster nur wenig“, sagt BIN-Obmann Psychiater Christian Haring. Die Erfolgsbilanz des Programms ist sehr hoch: Nach der Behandlung sind rund 78 Prozent rauchfrei, das Pilotprojekt läuft noch bis Sommer. Haring rechnet mit einer Rückfallquote von 30 Prozent, eine „zweite Runde“ sei aber möglich. Die Teilnehmer müssen einen Selbstbehalt von 30 Euro bezahlen – „das ist Teil der Motivation, bis zum Schluss durchzuhalten“.

Weitere kostenlose Hilfe: Rauchfrei-Telefon 0800810 013 oder www.rauchfrei.app.