Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.12.2017


Gesundheit

Handy und Tablet: Ärzte sehen strahlende Geschenke kritisch

Zu Weihnachten gehen rund 1,5 Millionen Handys und Tablets in Betrieb. Die Ärztekammer warnt vor dem sorglosen Umgang mit den Geräten.

© iStockphotoZu Weihnachten werden Hunderttausende Smartphones verschenkt. Ärzte raten, beim Kauf auf einen niedrigen SAR-Wert zu achten.Foto: iStock



Von Stefan Eckerieder

Wien – Smartphones und Co. gehören zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken für Kinder und Jugendliche. Rund 1,5 Millionen neue Smartphones und Tablets werden in Österreich rund um Weihnachten verschenkt. Doch gerade junge Menschen gelte es vor einem sorglosen Umgang mit Smartphones, Tablets und Laptops zu schützen, erklärt die Österreichische Ärztekammer.

WLAN-Strahlung ist gesundheitlich offenbar nicht unbedenklich. In der Nikosia-Deklaration warnen die Ärztevereinigungen Österreichs und Zyperns gemeinsam davor, sich dauerhaft „elektromagnetischen Feldern und hochfrequenter Strahlung“ von Smartphones und WLAN auszusetzen. Sie berufen sich dabei auf Studien, wonach diese Strahlung gesundheitliche Auswirkungen, unter anderem auf die DNA, haben könnte. Auch Beeinträchtigungen beim Lernen und des Gedächtnisses sowie Überempfindlichkeit und schwerwiegendere Folgen seien dokumentiert. Die Ärzte rufen deshalb zum bewussten Umgang mit der noch relativ neuen Technologie auf. Langzeitstudien würden fehlen.

„Totaler Verzicht ist eine Illusion und auch nicht mehr realisierbar. Wichtig ist ein vernünftiger Umgang mit den Technologien. Etwa, indem man handy- bzw. WLAN-freie Orte und Zeitphasen implementiert“, rät Umweltmediziner Piero Lercher im TT-Gespräch. Vor allem Schwangeren und Kindern raten die Ärzte, so gut es geht auf das Handy und WLAN zu verzichten und zu kabelgebundenen Technologien zu greifen. Von Handys für Kinder unter sechs Jahren raten sie ab.

Konsumenten rät Lercher, Handys mit einem niedrigen SAR-Wert zu kaufen. Das ist die Leistung, die ein Handy während eines Telefonats bei maximaler Sendeleistung höchstens in den Kopf einstrahlen darf. Bei vielen Handys wird dieser Wert angegeben. Als unbedenklich wird ein Wert unter 0,6 Watt gesehen – die Grenze liegt bei 2 Watt.

Auch Handy-Nutzung und WLAN in Schulen sieht Lercher kritisch: „Gerade in Schulen können kabelgebundene Internetlösungen implementiert werden, die zudem noch viel schneller sind.“ In Frankreich wird deshalb 2018 ein komplettes Handy-Verbot in Schulen umgesetzt. In einigen Schulen in Österreich gibt es freiwillige Handy-Verbote.

Die Nikosia-Deklaration hat laut Lercher gezeigt, dass Österreich ein Vorreiterland in Sachen vernünftiger Handykonsum sei. „Hier könnte auch unsere Politik anknüpfen. Leider wurden, ähnlich dem Umgang mit dem Rauchverbot, politisch bis dato nur halbherzige Aktivitäten gesetzt“, kritisiert der Mediziner.

Dass Handy-Dienste aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken sind, zeigt sich auch darin, dass an Silvester über fünf Milliarden Gigabyte an Daten und rund 100 Millionen Nachrichten verschickt werden.

Zehn Tipps der Ärztekammer zum verantwortungsvollen Umgang mit Smartphones findet man auf aekwien.at.