Letztes Update am So, 04.02.2018 14:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Welt-Krebs-Tag

Diagnose Krebs als Realität für fast 350.000 Österreicher

10.865 Männer und 9344 Frauen starben 2015 an Krebs. Damit waren Krebserkrankungen für etwa ein Viertel der jährlichen Todesfälle verantwortlich.

© Getty Images/iStockphoto(Symbolfoto)



Wien – Am 4. Februar wird international der Welt-Krebstag 2018 begangen. Zum Jahresende 2015 lebten laut Statistik Austria 340.840 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich. Zugleich wurden 39.906 Neuerkrankungen für das Jahr 2015 verzeichnet, berichtete die Statistik in einer Aussendung am Donnerstag.

Bei etwas mehr als der Hälfte aller neuen Fälle wurde Lungen-, Darm-, Brust- oder Prostatakrebs diagnostiziert. 10.865 Männer und 9344 Frauen starben 2015 an Krebs. Damit waren Krebserkrankungen für etwa ein Viertel der jährlichen Todesfälle verantwortlich.

Prostata- und Brustkrebs als häufigste Erkrankungen

Pro Jahr erhalten in Österreich rund 21.000 Männer und 19.000 Frauen eine Krebsdiagnose. Die häufigste Krebsneuerkrankung war im Jahr 2015 bei Männern Prostatakrebs, der mit rund 4900 Fällen knapp ein Viertel aller bösartigen Neubildungen (23 Prozent) ausmachte. Auch rund jeder zehnte Krebstodesfall war 2015 bei Männern auf Prostatakrebs zurückzuführen (rund 1100 Männer).

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Brustkrebs war 2015 mit etwa 5400 jährlichen Neuerkrankungsfällen (29 Prozent) weiterhin die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Mit 1600 Sterbefällen (17 Prozent aller Krebssterbefälle bei Frauen) war Brustkrebs auch die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen.

An zweiter Stelle der Krebsneuerkrankungen bei Männern – und seit 2015 auch bei Frauen – folgte Lungenkrebs mit knapp 4900 Fällen (rund 3000 Männer und knapp mehr als 1900 Frauen). Lungenkrebs nahm mit etwa jedem fünften Krebssterbefall bei Männern den ersten Rang unter den krebsbedingten Todesursachen ein (etwa 2400 Männer). Bei Frauen stand er mit rund 1500 Sterbefällen (16 Prozent) an zweiter Stelle nach Brustkrebs.

Sowohl das Erkrankungs- als auch das Sterberisiko an Lungenkrebs nahmen in den vergangenen Jahren bei Frauen massiv zu, was eine Folge der zunehmenden Häufigkeit regelmäßigen Rauchens bei Frauen ist. Die dritthäufigste Lokalisation bei den Neuerkrankungen war mit etwa 4400 Fällen (rund 2.500 Männer und etwas weniger als 1900 Frauen) Dickdarmkrebs, der für rund zehn Prozent der Krebssterbefälle verantwortlich war.

Überlebensrate bei Bauchspeicheldrüsenkrebs gering

Die geringste Überlebensrate gibt es bei Bauchspeicheldrüsenkrebs. Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur noch 9,3 Prozent der Betroffenen. Bei Leberkrebs beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate 13,3 Prozent, bei Speiseröhrenkrebs 18,7 und bei Lungenkrebs 19,2 Prozent.

Wie die Daten von Statistik Austria zeigen, gehen im Zeitverlauf sowohl das Risiko einer Neuerkrankung als auch das Sterblichkeitsrisiko tendenziell zurück, während die Überlebenswahrscheinlichkeit steigt. Trotz sinkendem Neuerkrankungsrisiko wird gemäß einer aktuellen Prognose von Statistik Austria die Zahl der an Krebs erkrankten Personen für das vergangene Jahr auf 358.000 Erkrankte und 2030 auf 458.000 Menschen steigen. Dies ist im Wesentlichen eine Folge der absehbaren Zunahme älterer Personen durch die demografische Alterung, da Krebserkrankungen vorrangig im fortgeschrittenen Lebensalter auftreten, sowie der gestiegenen Überlebenswahrscheinlichkeiten.

Dieser spürbare Anstieg der Krebsprävalenz ist seit etwa der Jahrtausendwende zu beobachten: Lebten im Jahr 2000 noch 191.200 Personen mit einer Krebsdiagnose in Österreich, was 2,4 Prozent der damaligen Bevölkerung entsprach, werden laut der Prognose Ende 2030 bereits 4,9 Prozent aller Österreicher an Krebs erkrankt sein. (APA)

Erfolge und Probleme

Die Wissenschaft klärt immer mehr Fragen zum Ursprung und der Entstehung von Krebserkrankungen. Doch viele ungeklärte Themen liegen in der Komplexität bösartiger Krankheiten.

- Lungenkrebs:

Keine Krebserkrankung ist tödlicher als das Lungenkarzinom. Jährlich werden weltweit 1,8 Millionen Neudiagnosen gestellt. 1,6 Millionen Menschen sterben an der Krankheit. Damit stellen Lungenkarzinome die häufigste Krebsform weltweit dar, die Zahlen steigen eher noch an. Die 1,8 Millionen Neuerkrankungen jährlich sind 12,9 Prozent aller Krebsleiden, die 1,6 Millionen Lungenkrebs-Todesfälle machen 19,4 Prozent der Krebs-Todesfälle aus. Langfristig wäre das Problem nur durch den weltweiten Stopp beim Tabakrauchen in den Griff zu bekommen.

- Ein anderer „Killer“:

Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Pankreaskarzinom hat bei der Mortalität in den vergangenen Jahren einen deutlichen Aufstieg gezeigt. „Pankreaskarzinome machen nur vier Prozent der Karzinomerkrankungen aus, sind aber schon die dritthäufigste Krebs-Todesursache“, sagte vor kurzem der Wiener Chirurg Martin Schindl (MedUni Wien/AKH). Bis zum Jahr 2020 dürfte das Pankreaskarzinom bereits - nach dem Lungenkrebs - zur zweithäufigsten Krebs-Todesursache werden. Zwischen 50 und 60 Prozent der Erkrankungen werden erst im fortgeschrittenen Stadium mit Metastasen entdeckt. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate beträgt nur rund fünf Prozent. Die neuere zielgerichtete Therapie hat bisher auf diesem Gebiet nichts gebracht. Die neue Immuntherapie hat ebenfalls keinen deutlichen Effekt gezeigt. Trotzdem gibt es Fortschritte bei einzelnen Patienten. Neue Formulierungen von Chemotherapeutika, die Kombination mit Strahlen-, zielgerichteter und Immuntherapie bzw. Krebsvakzinen sollen in Zukunft Verbesserungen bringen.

- Früherkennung neu:

Der größte Fortschritt wurde in den vergangenen Jahren beim Lungenkarzinom gemacht. Ein Screeningprogramm bei starken Rauchern rettet Leben. Eine US-Studie hat mit CT-Tests hat eine Reduktion der Lungenkarzinom-Mortalität um ein Fünftel ergeben. 2011 ist dazu im „New England Journal of Medicine“ eine US-Studie mit 53.000 Probanden in Sachen Lungenkarzinom-Screening erschienen. Die zu den Tests Eingeladenen waren 55 bis 74 Jahre alt, schwere Raucher (30 Jahre täglich eine Packung Zigaretten) oder seit weniger als 15 Jahren Ex-Raucher (mit 30 „pack years“). Sie wurden zumindest drei Mal im Abstand von einem Jahr per Low-Dose-Computertomografie oder herkömmlichem Lungenröntgen untersucht. Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Lungenkarzinom-Sterblichkeit in der Low-Dose-CT-Probandengruppe durch frühere Entdeckung eines Tumors um 20 Prozent gesenkt werden konnte. Die Gesamtmortalität aus jeglicher Todesursache sank um 6,7 Prozent. Das Problem dabei liegt aber in der Organisation flächendeckender Screening-Programme und in der Identifizierung der Personengruppe mit dem höchsten Lungenkarzinomrisiko, um den größten Effekt zu erzielen.

- Etablierte Früherkennungsmethoden:

Der Wert der Koloskopie-Vorsorgeuntersuchung zur Entdeckung von Vorstufen oder Karzinomen im Frühstadium im Dünn- und Dickdarm (kolorektale Karzinome) ist wissenschaftlich hervorragend abgesichert. „Die Darmspiegelung hat in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2011 vermutlich mehr als 25.000 Darmkrebs-Todesfälle verhindert“, schrieben Wissenschafter vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zu den Erfahrungen mit dem entsprechenden deutschen Programm. Sie berechneten weiters, dass die Darmkrebs-Sterblichkeit bei den 55-bis 79-Jährigen noch um mehr als ein Drittel sinken könnte, wenn alle Personen dieses Alters die Untersuchung in Deutschland in Anspruch nehmen würden. In Österreich wird seit Jahren ein flächendeckendes Projekt zur Darmkrebs-Vorsorge bzw. zur Früherkennung gefordert, es mangelt an der Umsetzung. „Wir haben pro Jahr rund 5.000 Neuerkrankungen an Dickdarmkrebs und ca. 2.500 Sterbefälle“, sagte vergangenes Jahr Thomas Bachleitner-Hofmann von der Chirurgischen Universitätsklinik in Wien (MedUni/AKH). Die Fünf-Jahres-Überlebensrate werde einfach durch das Stadium bestimmt, in dem ein solches Karzinom entdeckt werde.

- Zukunft:

Auf das Stadium der Erkrankung und auf die individuelle Charakteristik des Krebsleidens abgestimmte Kombinationstherapien sollen die Behandlungserfolge verbessern: zum Beispiel „eine neoadjuvante“ medikamentöse Behandlung zur möglichst radikalen Schrumpfung eines Tumors vor einem chirurgischen Eingriff, die Abfolge und/oder Kombination von Chirurgie, Strahlentherapie, Chemotherapie, zielgerichteter Medikamente bzw. Immuntherapie. Um beispielsweise die Immuntherapie wirksamer zu machen, wird die Kombination mit Strahlen, Chemotherapie, zielgerichteten Medikamenten oder Krebsvakzinen erprobt. Es scheint so, als würden Tumoren mit vielen (auch künstlich durch Strahlentherapie oder Zytostatika) hervorgerufenen Mutationen im Erbgut besser auf Immuntherapeutika ansprechen. Das ließe sich vielleicht nutzen.


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